Zur Sache Chef! – mein Brief an meinen Verkaufsleiter

//Zur Sache Chef! – mein Brief an meinen Verkaufsleiter

Zur Sache Chef! – mein Brief an meinen Verkaufsleiter

brief an verkaufsleiter

Foto: Fotolia_1523242

Im Rahmen einer Blogparade mit dem Thema „Zur Sache Chef!“ initiiert von Heike Lorenz in ihrem Blog: http://www.das-unternehmerhandbuch.de

schreibe ich als Autoverkäufer einen Brief an meinen Verkaufsleiter (den ich so wirklich gerne schreiben würde…) :

Lieber Chef,

für Sie als Verkaufsleiter der mich und meine Kollegen disziplinarisch führt, gibt es im täglichen Miteinander einfach mittlerweile zu viele Dinge die Sie und mich das eigentlich schöne am Beruf des Autoverkäufers vermissen lassen.
Vielleicht wissen sie es nicht mehr, aber sie haben mich damals eingestellt damit ich Autos verkaufe!

Ein Autoverkäufer verkauft Autos… – aber dazu kommt er nur sehr selten…

Ein eigentlich einfacher Auftrag – ein tolles, hochwertiges und sicherlich faszinierendes Produkt an jemanden zu verkaufen der dieses Produkt haben will und gerne meine Dienstleistung annimmt.

Leider hat sich zwischen „damals“ und „heute“ viel, ja leider sehr viel verändert und mittlerweile bin ich im Autohaus zwar angestellt, aber mein Arbeitsauftrag hat nur noch im entferntesten etwas mit dem Verkaufen von Autos zu tun. Lieber Chef, sie schielen mittlerweile nur noch auf Ihre Stückzahlen, die einzelnen Absatzmengen und beobachten die dritte Nachkommastelle bei den Kundenzufriedenheits-Abfragen

Leider haben sie uns Verkäufer noch nie gefragt was Sie mein lieber Verkaufsleiter tun könnten damit „wir“ mehr Autos verkaufen – und deshalb möchte ich Ihnen mit diesen Zeilen einfach mitteilen dass wir:

mehr Autos verkaufen könnten – wenn wir einfach wieder verkaufen würden

anstatt uns täglich mit zig Aufgaben zu beschäftigen die sie uns im Laufe der Jahre einfach still und heimlich „untergeschoben“ haben. Nehmen sie uns den Bürokratismus – nehmen sie uns die zig Formulare, die unzähligen Computeranwendungen mit fast täglich wechselnden Passwörtern die sich kein Mensch mehr alle merken kann.

Lassen sie uns wieder nur noch eine Tätigkeit ausüben: Verkaufen!

Wir sind weder Datentypisten, Sachbearbeiter, Disponenten oder Wagenpfleger bzw. Mechatroniker – warum müssen wir dann auch diese Tätigkeiten ausführen?
Lassen sie uns einfach wieder VERKAUFEN – so wie schon vor Jahrzehnten, und seien sie dann aber nicht neidisch wenn wir diesen Verkaufsauftrag auch mit monetärem Erfolg krönen können -wenn es uns (finanziell) gut geht, geht es auch dem Autohaus gut – für Ihren Vertrag sind sie selber verantwortlich!

Wir brauchen keinen Druck von Ihnen, damit wir verkaufen, dies übernimmt schon unsere Familie und das Leben wenn wir mit 450-600 Euro brutto Fixum den Monat beginnen! Bei ner durchschnitlichen Provision am Premium-Neuwagen von ca. 350.- Euro brutto kann sich jeder mit kaufmännischen Grundkenntnissen sehr schnell unfallfrei ausrechnen wie viele Autos er Monat für Monat verkaufen MUSS um überleben zu können!

Anstatt noch 2-3 Verkäufer einzustellen und somit eine komplette Verkäufermannschaft mürbe und kaputt zu machen sollten sie lieber dafür sorgen dass „ihre“ Mannschaft motiviert ist und bleibt – und Motivation heißt nun mal für uns Verkäufer Geld zu verdienen und Spaß an der Arbeit zu haben – oder andersrum:

Sorgen sie dafür dass wir den ganzen Tag mit Spaß und Freude an die mittlerweile sicherlich nicht einfacher gewordenen Kunden Autos verkaufen und dabei Geld verdienen können und wir garantieren Ihnen dass sie sich keine Sorgen mehr um Ihre Absatzziele und Kundenzufriedenheitsabfragen machen müssen.

Mit kollegialen Grüßen,

Ihr Verkäufer

By |2013-09-10T17:25:06+00:0009.09.2013|Allgemein|8 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

8 Comments

  1. gast 9. September 2013 at 12:16 - Reply

    Kommentarlos zu bejaen aus Sicht eines Kollegen.

  2. Heike Lorenz 9. September 2013 at 13:09 - Reply

    Hallo Frank,
    vielen Dank für diesen Beitrag zu meiner Blogparade!
    Damit sprichst Du sicherlich ganz vielen aus der Seele.
    Ich habe gerade gestern einen Bericht über Pflegepersonal gesehen & die beklagten auch, dass sie vor lauter Verwaltung nicht mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit kommen…

    Viele Grüße
    Heike

    • Frank 9. September 2013 at 15:28 - Reply

      Hallo Heike,
      ja Danke für die Blogparade – und dein Beispiel mit dem Pflegepersonal ist gar nicht so weit hergeholt – auch wir Autoverkäufer sind so ein wenig das Pflegepersonal für so manchen Kunden… 😉

  3. Michael Kuhnert 12. September 2013 at 10:44 - Reply

    Die sprechen mir aus dem Herzen, auch ich darf die Fahrzeuge eines Deutschen premiumherstellers an den Mann oder die Frau bringen und kann den Brief in jedem Punkt unterschreiben. Hier im Haus ist man auch der Meinung wenn 2 Verkäufer 160 NW verkaufen dann müssen 4 doch wohl 320 schaffen. Dass unter dem Strich keiner mehr wirklich auch nur ansatzweise das in der Lohntüte hat was bei einem so zeitaufwendigen Beruf drin sein müsste, interessiert niemanden. „Verkaufen Sie doch einfach mehr Autos“ das ist noch die harmloseste Antwort die man bekommt, wenn man diesen Mißstand anspricht.

  4. Frank Marien 14. September 2013 at 09:13 - Reply

    Hallo Frank,
    deinen Artikel kann ich zu 100% nachvollziehen und sehe es genauso. Ich bin Autoverkäufer und Chef in Personalunion und habe die beschriebenen Probleme genauso kennengelernt.
    Egal was wir tun – es geht letztendlich immer um zwischenmenschliche Beziehungen. Die sinnlosen Auflagen der Hersteller und der ganze ungeliebte Papierkram lässt uns keine Zeit mehr für das FÜREINANDER und MITEINANDER. Der Kunde wird zum durchlaufenden Posten, bis er dann irgendwann endlich unterschrieben hat – und dann ganz schnell der Nächste bitte, das Soll ist noch nicht geschafft.
    Wichtiger wäre Vertrauen aufzubauen für langfristige und wertvolle Beziehungen. Aber das braucht eben seine Zeit und Ergebnisse kommen dann zeitversetzt. Dafür gibt`s aber deutlich bessere und grössere Erfolge für beide Seiten.
    Genau diesen Weg haben Chefs vergessen oder sehen ihn nicht. Sie leben genauso unter dem Druck der Hersteller, wie die Verkäufer. Und wenn niemand mit ihnen darüber spricht, dann werden sie auch nichts ändern.
    Auch hier gilt es gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, für ein erfolgreicheres Miteinander. Wenn alle ehrlicher und offener mit ihren Alltagsproblemen umgehen würden, dann werden auch schneller praktikablere Lösungen für den Arbeitsalltag geschaffen. Verstecken in der Anonymität löst keine Probleme und Meckern über Dritte auch nicht. Gegenseitiges Vertrauen schafft nicht nur eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen, sondern es beschleunigt alle Prozesse ungemein.
    Natürlich müssen beide Seiten dies erkennen und den Willen haben etwas zu verändern.
    In diesem Sinne – sprich mit deinem Chef offen und ehrlich darüber, sonst ändert sich nichts.
    Übrigens: Als Verkäufer rede ich öfter mal mit meinem Chef darüber. 😉 Und der denkt auch regelmässig darüber nach und ist mir dankbar für meine Offenheit – und siehe da – es ändert sich auch regelmässig was. Ohne Verkaufsdruck mehr verkaufen – es geht und der Alltag macht wieder Spass…

  5. Noka 15. September 2013 at 19:22 - Reply

    Weltklasse der Brief.Den schicke ich gleich an meinen Chef und alle Abteilungen im Autohaus ,denen wir mittlerweile die ganze Arbeit abnehmen, während diese mit dem Kaffeebecher in ihr abgeschottetes
    Büro zurück schlurfen um Gegen 15 Uhr am Freitag ins Wochenende zu verschwinden. Oder habt Ihr mal am Samstag morgen eine Rechnung für Euren Kunden bekommen ?

    Gruß
    Karpat

  6. Ich wollte Kundin werden. Kundin eines Premium-Autohauses hier bei uns im Ort. Es ist mir nicht gelungen – denn ich wurde von den „Herren Verkäufern“ schlicht…..erfolgreich ignoriert. Lange ignoriert, denn eigentlich wollte ich einen Firmenwagen genau dieser Marke. Doch daraus wurde nichts…. Es lag keineswegs daran, dass ich als Frau nicht ernst genommen wurde. Ich wurde schlicht als Mensch nicht wahrgenommen. Und hörte das in den vergangenen Jahren von immer mehr Kunden, die im Autohaus verschiedenster Anbieter schlicht die angemessene Wertschätzung vermissten.

    Nach diesem Blogpost zur Blogparade möchte ich mich bei allen Autoverkäufern entschuldigen, die ich offenbar und Unrecht für arrogant und „zu satt“ gehalten habe. Ich nahm Ihr Verhalten persönlich und fühlte mich schlecht, weil Sie mein Geld so offensichtlich nicht brauchten. Doch wie so oft: Sprechenden Menschen kann geholfen werden und so bin ich dankbar jetzt zu wissen, dass es nicht an mir als Mensch gelegen hat. Sondern an den Autohausbetreibern. Die allerdings auch wieder nix dafür können. Weil sie von den Markenherstellern in den letzten Jahrzehnten ja auch sehr geknechtet wurden und werden.

    Alles das hat mit meinem Thema „Respekt“ zu tun. Offensichtlich wären meine Dienste als Respektspezialistin gerade in dieser Branche gut eingesetzt, weil es dort so viel zu tun gibt. Doch auch wenn ich viel vom Metier verstehe (ja, auch Frauen können Auto!), so gehören diese Auftraggeber nicht zu meinen Wunschkunden. Denn hier müsste ich wirklich extrem dicke Bretter bohren, weil so viel kommunikativ-explosiver Restmüll zu beseitigen ist. Der sich über Jahre angesammelt hat. Ich finde es großartig, dass hier in den Kommentaren viele Verkäufer die Stimme erheben und sich das zurückwünschen, was sie brauchen, um einen guten Job zu machen: Ein tragfähiges Fixum statt einen Hunger-Macher-lohn. Einen freien Rücken für den Spaß an der Arbeit und zur Konzentration auf das, was im Arbeitsvertrag steht: Autos verkaufen.

    Doch noch besser fände ich, wenn wir Aktien und den damit verbundenen shareholder value endlich ins Nirwana schicken könnten – damit Menschen wieder wichtiger werden, als Mammon. Damit Verkäufer wieder echte Kundenbedürfnisse ermitteln und danach ein optimales Produkt empfehlen können – statt nur auf Absatzstückzahlen, Verkaufswettbewerbe und Umsätze zu schielen. Damit Kunden hochzufrieden den neuen Wagen stolz vom Hof fahren – und nach drei Jahren wiederkommen, um beim gleichen – vertrauenswürdigen – Verkäufer ein neues Fahrzeug zu bestellen.

    Liebe Automobilhersteller: Das IST möglich. Doch Ihr müsst es zulassen. Also: Ab zum Respekt-TÜV. Die Wertschätzungsbrille aufziehen und die Menschen – also Kunden und Mitarbeiter aller Couleur – achtsam behandeln. Dann geht es uns allen besser und ich als Kunden kann mich auf den nächsten Besuch im Autohaus richtig freuen. Und dann auch gerne und mit einem guten Gefühl mein Geld dort ausgeben.

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