Wenn ich nochmal Autoverkäufer werden würde…

//Wenn ich nochmal Autoverkäufer werden würde…

Wenn ich nochmal Autoverkäufer werden würde…

Ich habe, als ich als Autoverkäufer „damals“ angefangen habe, immer die Damen und Herren belächelt, die Gebrauchtwagen verkauft haben. Meistens saßen sie in irgendwelchen Baracken oder Containern, liefen mit irgendwelchen Jeans durch die Gegend und waren immer ein wenig „verschmuddelt“, „verschmiert“ und irgendwie so gar nicht so, wie ich mir einen Autoverkäufer vorgestellt hatte.

Klar, die konnten gar keinen tollen Zwirn anziehen, denn im Winter mussten die Autos vom Schnee befreit werden – irgendwie war immer was „am Auto“ zu tun, und sei es nur Starthilfe zu geben, oder die Kennzeichen für ne Probefahrt zu montieren… Meistens hatten die Jungs und Mädels von der Buntmetall-Abteilung auch keinen Anspruch auf einen Firmenwagen und Firmenhandies oder gar –laptops gabs schon mal gar nicht. Gleichzeitig mussten sie von früh morgens bis abend auf ihrem Kiesplatz warten und den Käufer, wenn einer kam bedienen.

Das Highlight, so schien es mir, war für die Gebrauchtwagler wenn einer vom Neuwagenverkauf anrief um ein spezielles Fahrzeug gemeinsam zu inspizieren, damit eine gemeinsame Preisfindung stattfand.

Jaja… so war das damals…

Heute schaue ich schon ein wenig wehmütig zu den Kollegen vom Gebrauchtwagen-Verkauf – weil die in der heutigen Zeit die Freiheiten haben die wir vom Neuwagenverkauf teilweise schmerzlich missen… Ich mein, eins ist klar – die verdienen ihr Geld auch nicht gerade im Schlaf – und die Geldtransporte müssen auch nicht (mehr) den Gehaltsscheck in der Personalabteilung abholen – aber das was unterm Strich geblieben ist, ist zumindest eine weniger vergleichbare Ware die sie anbieten, gepaart mit dem Umstand dass sie nun auch reine Autoverkäufer sind, und nicht Autoaufbereiter und Automechaniker-light mit Verkaufsauftrag.

Gerade der Unterschied in der angebotenen Ware macht den Unterschied im Verkaufserfolg – meine Kollegen im Gebrauchtwagenverkauf sitzen genauso im Warmen an tollen Schreibtischen, dürfen einen Firmenwagen pilotieren und haben aufgrund der EDV und einer Unmenge an Kollegen die zuarbeiten eigentlich auch keinen anderen Job wie ich – allerdings sind nicht nur die Klamotten unterschiedlich – sie tragen das Hemd offen und dazu lässig ein Sakko zur Jeans – das Produkt ist es was den Unterschied macht.

Die Hersteller steigern jedes Jahr die Produktionszahlen und sichern den Absatz durch Werkseigene Fahrer ab – diese Werksangehörigen bekommen zum Vorteilspreis ein Fahrzeug, fahren es X Monate, geben es wieder zurück und nehmen sich das nächste. Die monatliche Leihgebühr ist eine Art des Kurzzeit-Leasings und dadurch dass teilweise die Autos zweimal im Jahr gewechselt werden, bekommt der Hersteller wirklich sehr frische Ware in den Vermarktungskanal der Jungen Gebrauchten.

Dass dadurch der Vorführwagen an sich torpediert wird, interessiert den Hersteller herzlich wenig – denn seine Analysten interessierts auch nicht – und so werden teilweise Halbjahreswagen mit ganz wenig Laufleistung zu Preisen angeboten die ich im Neuwagenverkauf nicht mal nach zwei Jahren als Restwert beim Leasing habe…

Natürlich sind viele Fahrzeuge die als Halbjahreswagen existieren nahezu identisch, aber halt dann doch nicht – irgendwas ist immer anders – und wenn es nur der Steinschlagbefall auf der Motorhaube ist…

Verglichen mit dem Neuwagenverkauf hat so der Kollege einfach den Vorteil dass er sicherlich vergleichbar erscheint – aber halt nur auf den ersten Blick. Während „meine“ Fahrzeuge die ich nach Wunsch produzieren lasse überall gleich aussehen – egal ob der Kunde bei mir, in Flensburg oder Garmisch kauft, ist das Fahrzeug vom Gebrauchtwagen-Kollegen vielleicht mit dem aus Flensburg identisch ausgestattet – aber viele weitere Faktoren machen den Vergleich schwierig, nicht zuletzt die territoriale Komponente, weil dieses Fahrzeug mit dieser Austattung und diesen Daten halt einfach nur so neben seinem Schreibtisch steht.

Klar gibt es auch im Gebrauchtwagen-Verkauf immer stärkere Bestrebungen die Kundenorientierung noch weiter auszubauen, aber mehr wie irgendwelche Kundentelefonate nach der Auslieferung sind hier (derzeit) noch nicht im Kommen – wie auch – entweder man hat das passende Fahrzeug vor Ort, trifft die Preisvorstellung des Kunden und der Kunde kauft den Gebrauchtwagen, oder eben nicht – das ist schon anders als bei mir wo der Kundenkontakt vom Prospekt bis zur Leasingrücknahme reicht…

By |2014-04-07T09:03:41+00:0007.04.2014|Allgemein|5 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

5 Comments

  1. Frager 7. April 2014 at 09:12 - Reply

    „Die Hersteller steigern jedes Jahr die Produktionszahlen und sichern den Absatz durch Werkseigene Fahrer ab – diese Werksangehörigen bekommen zum Vorteilspreis ein Fahrzeug, fahren es X Monate, geben es wieder zurück und nehmen sich das nächste.“

    Vergleichbares wäre, wenn ein Buchhändler seine eigenen Bücher kauft, damit die Druckmaschine überhaupt noch anlaufen kann und der Setzer den Eindruck hat, dass Druck-Medien einen *echten* Absatz finden.

    WAS für eine Energie-Verschwendung, wenn man bedenkt, dass die Produktion eines (!) Mittelklassewagens um die 4 GJ beträgt.

    Da kann einem gruselig werden….

  2. Stadtkind 7. April 2014 at 11:57 - Reply

    Hallo Frank,
    auch ich habe früher die Jungs vom Gebrauchtwagenverkauf erst belächelt und wollte nie Gebrauchtwagen verkaufen.
    Wie arrogant von mir. Ein wenig musste ich wieder lächeln, wie noch immer die Herren GW Verkäufer betrachtet werden. Das fängt von Kundenkontaktpflege, Finanzierungs- / Leasingangeboten und deren Ausläufern, Neugeschäft, aktive Kundenansprache etc. an und
    geht über die Kleidung weiter. Nix mit locker Krawattenfrei. Also alles ganz so wie bei einem NW Verkäufer. Inklusive der Kundenzufriedenheitsabfrage.
    Und durch die Zulassungen bei diversen Autovermietern, HEA Fahrzeugen, Werkswagen sind auch diese immer stärker vergleichbar. Inzwischen ist der reine GW Handel bei den Händlern und NLén einem zweiten Vertriebsweg für JGA`s gewichen. Und damit setzt man, völlig richtig den NW Verkäufern stark zu. Der
    Vorteil des NW Kollegen gegenüber einem GW Kollegen sind die Verkaufsfördermaßnahmen ( tolles Wort ^^). Der Vorteil des GW Kollegen der Preis. Jetzt kommt es wieder drauf an, wer was daraus macht. Ich wünsche eine erfolgreiche Woche

  3. Wolfgang Ebert 8. April 2014 at 04:09 - Reply

    Als Gebrauchtwagenverkäufer, der nicht die Halbjahreswagen der Hersteller vermarktet, sondern, das, was die Niederlassungen regelrmäßig an den Gebrauchtwagenhandel versteigern, also richtige Gebrauchtwagen, hast Du genauso Deine Programme am PC und kannst alle Finanzdienstleistungen anbieten – nur natürlich nicht von Herstellerbanken, sondern von speziellen Banken , die auch das Lesding mit anbieten sowie das Programm eines Garantieanbieters – also die volle Palette.

  4. dalow 8. April 2014 at 15:43 - Reply

    Herrliches Thema … ich bin so ein in „Jeans ohne Krawatte-Rumläufer“ und liebe es. Gerade weil ich gerne mit der Ware, also den Autos direkt, zu tun habe, bin ich so gerne Gebrauchwagenverkäufer. Ja und das mit dem Schnee kenn‘ ich auch nur zu gut 🙂 Ja und meine Hände wasch ich zig mal am Tag weil die mal schwarz sind. Weil ich ständig unter den Motorhauben hänge, rote Nummern ranhänge, Räder hin und her wuchte, I LOVE IT!

    Das schöne am Gebrauchtwagenverkauf ist halt das bodenständige kaufmännische Grundprinzip. Man hat seinen Einkaufspreis, man hat seine Kosten und man hat einen Markt in dem man bestehen muss. Manchmal macht man miese, manchmal aber eben auch richtig Ertrag. Es ist einfach eine schöne transparente Kalkulation … und nicht so ein Irrsin wie im Neuwagenvertrieb wo die Autos bei manchen Herstellern teilweise unter EK vertrommelt werden um noch irgendeine Mengelstaffel zu erreichen um dann doch nur gerade so eben +/- rauszukommen … Prämien hier, Subvention da …

    Im Gebrauchtwagenverkauf gibt’s nur den Kunden, das Auto und mich als Verkäufer. Ggf. noch die Bank die finanziert. Aber es gibt keinen Hersteller der mich Irre macht mit Millionen Fragen die ich stellen soll usw … ist bei mir auf jeden Fall so.

    Ich würde für kein Geld der Welt wieder in den reinen Neuwagenvertrieb wechseln. NEVER!

    Bin Glücklich damit das ich nur und ausschließlich Gebrauchtwagen verkaufe. Dienstwagen hab ich auch. Vernünftigen Arbeitsplatz. Alles was ich brauche.

  5. Tommy 7. Februar 2015 at 09:03 - Reply

    Musste über deinen Artikel auch etwas schmunzeln. Ich bin 25 Jahre alt, habe als Azubi im Gebrauchtwagenbereich VW angefangen und bis zum Ende der Ausbildung nichts anderes kennengelernt. Dann kam der Vorschlag der damaligen Geschäftsleitung als Neuwagenverkäufer durchzustarten.

    Was soll ich sagen?…ich habe nach kanpp 1 1/2 Jahren das Handtuch geworfen…

    Mittlerweile bin ich um einige Erfahrungen reicher und bin in einem kleineren Autohaus gelandet, wo sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagenverkauf von mir erwartet wird.

    Beides hat sein Für und Wider…

    Ein Neuwagen hat seinen eigenen Charaker und nichts ist schöner, als dem Kunden mit guter Beratung zum Wunschauto zu verhelfen…allerdings macht der von euch genannte Herstellerirrsinn da kaum noch Spaß.

    Da find ich das GW-Geschäft einfach angenehmer. Direkt am Auto, unvergleichbar und einzigartig.

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