Also als Neuwagen-Verkäufer wie es ich einfach mal bin blickt man schon mit einer gewissen Bewunderung auf die Kollegen von der Buntmetall-Abteilung – also die Damen und Herren Gebrauchtwagenverkäufer! Bewunderung deshalb, weil die eigentlich noch weniger in die Waagschale werfen können wie wir vom Neuwagenverkauf.

Warum? Ganz einfach: Die Ware die diese Kollegen am Markt anbieten ist eigentlich fast noch vergleichbarer wie das was wir anbieten können – fast… – also mal abgesehen von irgendwelchen Lagerwagen die von den Werken in 1000er Auflage bereits vorproduziert wurden… Ansonsten ist das Angebot das bei meinen Kollegen auf Käufer wartet eigentlich nie gänzlich gleich. Während der Kunde bei einem Neuwagen den Zustand „Neu“ einfach als gegeben annehmen kann, hat jedes (!) Fahrzeug, welches schon mal auf den Strassen bewegt wurde eine Historie – und wenngleich die Aufbereiter immer wieder versuchen dieses Vorleben so gut es geht wieder „schön“ zu machen, so ist es dennoch gegeben…

Ich komme ja eigentlich nicht in die „Verlegenheit“ irgendwelche Gebrauchtwagen zu verkaufen – ich geb den eingetauschten Altwagen einfach in der Gebrauchtwagen-Abteilung ab, die erledigt den Rest – von Abmeldung, Aufbereitung bis zum Verkauf… – allerdings sollte man dennoch immer mal wieder in die Verkaufswelt der gebrauchten Automobile eintauchen, das fördert das Wachstum des dicken Fells ungemein! So geschehen bei mir, als ich mir nach meinem August-Urlaub nun vornahm meinen Familien-SUV zu verkaufen… Nach „alter Schule“ habe ich nach dem Urlaub den familiären Lastenesel nach dem Urlaub zum Aufbereiter gebraucht – das hätte das Auto sowieso nötig gehabt, aber nachdem ich ihn nun verkaufen wollte, habe ich beim Aufbereiter nun nicht nur das Urlaubsspuren-beseitigen Programm gebucht, sondern das „Verkaufsfertig-machen“.

Als er wieder vom Aufbereiter kam sah er wirklich sehr gut aus – zwar nicht neu, dafür haben Frau und Kinder bereits im Vorfeld reichlich gesorgt, aber zumindest so, dass der SUV nun denjenigen anlächelt, der so einen SUV sucht. Also noch schnell ein paar ausssgefähige Bilder gemacht und abends beim Feierabendbier mit Fahrzeugpapieren vor Mobile hingesetzt und das Auto online gestellt. Mobile.de führt wirklich sehr gut durchs Programm – gibts nix auszusetzen und ich war gerade dabei mal zu überprüfen ob die Anzeige nun schon online ist, da klingelte schon das Telefon – und auch die nächsten Stunden klingelte es – und wenn es nicht klingelte, dann signalisierte es mir, dass eine neue SMS reingekommen war… Ich hab mal die Reaktionen gezählt die in den ersten 5 Stunden auf mein Inserat kamen: 23 Anrufe und 15 SMS

Was sich zunächst wie eine tolle Nachfrage darstellt wird bei näherem Hinsehen eine Farce – denn NIEMAND interessierte sich wirklich für das Auto – die einzige Frage die alle beschäftigte war: „Was ist ihr letzter Preis?“. Teil mit gebrochenem Deutsch, teils fliessend – aber mehr interessierte anscheinend nicht – oder interessiert nur dann, wenn mein „letzter Preis“ so tief unter dem Marktpreis ist, dass der Anrufer es dann genauer wissen will… Ich war schon ein wenig erschüttert und bin Tags drauf zu den Kollegen in der GW-Abteilung zum Frühstückstisch gegangen um der Erlebte besser verarbeiten zu können – aber die grinsten mich nur an und sagten mir, dass sie dies tagtäglich am Telefon erleben. Europaweit hat sich also mittlerweile eine Autohändler-Spezies auf das Portal Mobile.de eingeschworen die – gesteuert durch gute Analysesoftware – mit extremer Geschwindigkeit versuchen an Gebrauchtwagen-Schnäppchen zu kommen – das wäre auch nicht weiter schlimm, würden sie ihr Geschäftsmodell in gewissen Teilen nochmal überdenken…

Wieso soll ich ca. 5 Minuten, nachdem ich ein Fahrzeug zum Verkauf anbiete bereits den Angebotspreis drastisch abschwächen und „meinen letzten Preis“ benennen? Ist es nicht vielmehr so, dass diese Händler einen absoluten Denkfehler haben, und „der letzte Preis“ sich viel besser realisieren lassen würde, wenn man Verkäufer anruft, die bereits seit mehreren Wochen erfolglos ihr Fahrzeug offerieren? Nachdem auch am zweiten Tag mein Telefon nicht still stand und sich diese eine alles umfassende Frage „Was ist ihr letzter Preis?“ bei mir fast schon Bauchgrummeln heraufbeschwor war ich schon im Internet unterwegs und habe das Internet nach seriösen Gebrauchtwagen-Aufkäufern durchsucht – okay – oftmals ein Wiederspruch in sich – das ist mir schon klar – aber dennoch eine beruhigende Alternative, wenn nicht als erstes sofort „Was ist ihr letzter Preis?“ durch den Hörer schallt.

Irgendwann kurz vor der absoluten „Verzweiflung“ rief mich dann aber ein Mensch an der sich wirklich für das Auto, seinen Zustand und all das was ich darüber zu erzählen hatte, interessierte! WOW! Was für eine Wohltat. Schlußendlich haben wir beide dann am darauffolgenden Tag einen Termin gefunden, er war pünktlich vor Ort – begutachtete den Family-Transporter und machte sogar die Preisverhandlung sehr angenehm. Mitten im Feilschen konnte ich nicht umhin und musste fragen, was mein Gegenüber wohl beruflich macht. „Ich bin im Vertrieb tätig deshalb weiß ich auch wie man eine harte Verhandlung angenehm machen kann“ er grinste – und ich grinste auch, als ich ihm sagte dass ich das gleiche berufliche Schicksal erleiden darf. Somit trafen wir uns in der Mitte zwischen seiner Zahlvorstellung und meiner Wertvorstellung und gut wars. Alles in allem nicht mal 15 Minuten – das Ausfüllen der Verträge danach hat länger gedauert – aber nach dem Geldwechsel verließen er und ich die Arena mit einem Siegerlächeln!

Er war noch nicht richtig zur Einfahrt draussen, klappte ich den Laptop auf und löschte das Inserat – es war eine Wohltat plötzlich wieder Ruhe am Telefon zu haben und nicht jeden Anruf mit „Hallo…? Was ist ihr letzter Preis?“ entgegennehmen zu müssen…