Derzeit suchen anscheinen viele Autoverkäufer einen neuen Job – und viele „Quereinsteiger“ drängen auf die frei werdenen Plätze. Hierzu gibt es zwar keine repräsentative Statistik, es ist eher so eine Mischung aus meinem eigenen Bereich, aus den Gesprächen mit Kollegen von anderen Häusern / Marken und natürlich nicht zuletzt auch genährt von den vielen Emails und Facebook-Messenger Nachrichten die mich in den letzten Wochen erreichten.

Übrigens: An dieser Stelle einfach mal ein großes Dankeschön dass ihr meine Arbeit so schätzt und mit viel Zustimmung in diesen Emails immer wieder bekundet! Vielen Dank hierfür!

Autoverkäufer sind zwar auf Jobsuche kurioserweise sind derzeit gerade die 35-45 Jährigejobsuchen Verkäufer aber nicht mehr bereit in der Branche zu bleiben, denn wenn man mal nach ein-zwei Bierchen mit dem (bereits innerlich zum gehen bereiten) Verkäufer spricht, wird schnell klar, dass viele nicht mehr bereit sind innerhalb der Branche zu wechseln, oder innerhalb der Marke, sondern eher einen Wechsel weg vom Verkauf von Automobilen erwägen, und oftmals auch von Gehaltsmodell „Provision plus Fixum“! Eines scheint immer klarer zu werden:

Andere Töchter von hübschen Müttern kochen auch nur mit Wasser!

Und somit wird schnell klar, dass ein Wechsel zu einem Markenkollegen oder einem anderen Hersteller oftmals keinerlei wesentliche Effekte bringt – der Markt bleibt gleich – oder wie ein Kollege mir treffend sagte: Ich wechsle dann nur das Pferd muss aber auf der gleichen Bahn im Galopp durchs Ziel und gleichzeitig wird weder Druck noch Einkommenssituation ( = Schmerzensgeld) besser.

Natürlich kennt jeder irgendwo irgendjemanden der heute noch RICHTIG GELD verdient, aber ich bin mir sicher, irgendwann wird man auch diesem Verkäufer sein Gebiet, seine Kunden oder seine Vermittler so lange teilen bis er diese wieder „marktgerecht“ betreuen kann – denn, wer jedes Jahr 150 und mehr Einheiten rauskloppt kann ja nicht mehr ordnungsgemäß seine Kunden betreuen… dies ist ja immer der beste Grund um aus einem Highflyer wieder einen „normalen“ Verkäufer zu machen.

Ich kenne genug Standorte und Abteilungen in denen in den letzten Jahren aus 5 Automobil-Verkäufern 10 Verkäufer gemacht wurden bei nahezu gleichen Marktbedingungen was –Anteil und –Ausschöpfung angeht. Der Kuchen wurde nicht größer, aber die Einkommens- und Verkaufsdruck-Situation wurde erhöht, drastisch sogar.

Erst letzte Woche war ich wieder mit so einem Ex-HighFlyer-Verkäufer lange zusammengesessen – und oftmals kann ich die Floskel nicht mehr hören, aber im Bereich des Verkaufs von Neuwagen stimmt es einfach nun mal (leider) immer noch: „Früher war alles besser!“: Der Junge hat richtig Stückzahlen verkauft, 200 Einheiten im Premium-Segment  – viele dicke Dinger, tolle Leasinggeschäfte, niedrige Nachlässe, war immer um 08:00 Uhr da und ging abends um 19:30 Uhr – vieles ist aber durch bzw. wegen diesem Fleiß auf der Strecke geblieben, seine Ehe zum Beispiel, weil wenn eine Ehe nur aus ein paar Stunden am Wochenende besteht bleibt vieles auf der Strecke…

Aus 200 mach 80 in 3 Jahren

autoverkäufer-frustriertNun hat man ihn mittlerweile soweit demoralisiert und immer weiter an seinen Stückzahlen rumgeknabbert, Gebiete umstrukturiert und aus „normalen“ Kunden, Großkunden gemacht, zwei weitere Verkäufer in den Laden gesetzt, bis von den vormals 200 Einheiten nur noch 80 Einheiten übrig blieben… Zu dem Verlust von 60% der Stückzahl gesellte sich noch eine Reduzierung der Provision je Fahrzeug – und somit ist das derzeitige Einkommen auf 35% seines damaligen Einkommens zusammengeschrumpft. Spass an der Arbeit fühlt sich sicherlich anders an, und so kann man es ihm nicht verdenken dass er mittlerweile Dienst nach Vorschrift macht, pünktlich den Kugelschreiber niederlegt und lieber seine Freizeit genießt.

Der gute Junge ist 44 Jahre alt, hat also nicht mehr viel Zeit für einen Wechsel und will diesen nun aber unbedingt vollziehen:

Raus aus dem Vertrieb von Neuwagen!

 Ein Verkäufer durch und durch – ein geborenes Talent, einer der dem Eskimo… aber lassen wir das… – der will nicht mehr – hat die Schnauze gestrichen voll! Prima, gut gemacht liebes Autohaus!

Klar dass so ein Verkäufer eigentlich überall gesucht wird – und auch klar dass viele Autohäuser so einen Verkäufer zuhause abholen würden, wenn sie ihn bekommen würden, aber er will nicht mehr in einem Autohaus arbeiten, er sucht derzeit einen Job in dem sein Wissen, seine Kompetenz aber auch seine Ausstrahlung und Einfühlungsvermögen gepaart mit dem verkäuferischen Talent noch gesucht wird, aber wo er nicht mehr 60-70 Stunden in der Woche mit ungeregeltem Verdienst und Samstags-Arbeit verrichten muss – und: Wo er und seine Tätigkeit anerkannt und geschätzt wird!

Wenn er so einen Job gefunden hat, wird er es mir sicherlich sagen, und ich werde euch diesen Tipp garantiert weitergeben, versprochen!

Jobsuche: Auf der Suche nach einem zukunftssicheren Job…?

Zukunftssicherheit gibt es nirgends mehr und somit ist die Jobsuche an sich gar nicht sooo einfach in der heutigen Zeit, indem man eigentlich keine langfristigen Planungen mehr anstellen kann… Wenn ich mir alleine die Horrormeldungen der letzten Wochen im Bezug auf Stellenabbau bei Siemens, MTU, EADS und anderen namhaften DAX-Konzernen so ansehe wird eine zukünftige Jobausrichtung mit einer Laufzeit über 2 Jahren ja schon pure Illusion – und natürlich auch die angekündigte Niederlassungs-Zusammenlegung und Wegspaltung von der Konzernmutter Daimler treibt dem einen oder anderen, gut informiertem Autoverkäufer bereits die Schweißperlen auf die Stirn.

Der Ex-HighFlyer-Verkäufer ist also nun auf der Jobsuche, hat innerlich schon gekündigt und wird sicherlich bei der ersten Gelegenheit zuschnappen die ihm in die Hände fällt – so Benefits wie Betriebsrente lassen ihn mittlerweile kalt, denn mit 44 Jahren hat er noch ca. 23 Jahre zu arbeiten, und mit einem Einkommen knapp über dem Garantiegehalt will er lieber wieder an der derzeiten Einkommensschraube drehen als später ein paar Hundert Euro zusätzlich zu bekommen…

Welche Antriebe hat ein Automobilverkäufer für Neuwagen?

Wenn ich meine persönlichen Antriebe reflektiere dann stehe ich am Morgen auf und gehe in die Arbeit weil sie mir:

a)      Mir und meiner Familie ein Einkommen bietet

b)      Die Tätigkeit mir Spass macht

c)      Das Umfeld (Kollegen, Arbeitsplatz) mir Freude bereitet

 Wenn einer dieser Faktoren wegbricht, wird es sicherlich ganz schwer werden, sich täglich zu motivieren. Meine Motivation schöpfe ich aus diesen drei Punkten – täglich! Ein Wegfall würde auch mich zum situationsbedingten Umdenken bringen, ohne Zweifel!

Die Neu-, Auf- und Quereinsteiger

Natürlich wird der Platz vom Ex-HighFlyer-Verkäufer sicherlich nach dessen Weggang wieder neu besetzt, vielleicht mit einem Verkäufer, vielleicht aber mit zwei und mehr, weil ja der Ex-Kollege soooo viel Potential auf der Strecke gar nicht erkannt hat…

Der Ersatz wird entweder über ehemalige Juniorverkäufer, oder Autoverkäufer aus Segmenten unterhalb von Premium oder Quereinsteigern aufgefüllt. Für den einen oder anderen kann es wirklich noch eine Verbesserung sein, andere werden zunächst dem Schein der tollen Premiumwelt erliegen bis sie irgendwann aufwachen und merken dass sie hier weder das erhalten was sie vermeintlich gedacht, oder in den Bewerbungsgesprächen in Aussicht gestellt bekommen haben, und andere werden dem Einkommens- und Erfolgsdruck schnellstens ausweichen indem sie sich wieder anderweitig orientieren.

wal gestrandetEs ist die traurige Momentaufnahme der Ist-Situation im Vertrieb von neuen Automobilen – ungeschönt – es sind so die letzten Zuckungen eines gestrandeten Wal an der Küste der noch mit Wasser beträufelt wird, aber dessen Schicksal eigentlich schon besiegelt ist, denn eines dürfte selbst dem blauäugisten Automobilverkäufer mittlerweile klar sein – aus dem „Verkäufer für Neuwagen“ mit Provisionsanspruch wird in den kommenden Jahren (meine persönliche Zeiteinschätzung: innerhalb von 3-4 Jahre) ein Berater für Neuwagen mit Fixgehalt.

Hoffentlich hat mein Ex-HighFlyer-Verkäufer bald den passenden Job-Tipp für mich, denn dies will ich persönlich nicht mehr erleben (müssen), bzw. wie meine ü45 Kollegen, die Schultern hochziehen und bereits heute wissen dass sie am Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben dieser jobveränderten Zukunft durch einen Jobwechsel entgegen zu wirken!