Verkaufspsychologie im Autohaus made by me!

//Verkaufspsychologie im Autohaus made by me!

Verkaufspsychologie im Autohaus made by me!

Ich bin ja einer, der immer mal wieder was Neues ausprobiert – vielleicht nicht ganz „Autohaus“ bzw. „Marken“ oder „CI“-konform, aber wenn der Zweck die Mittel heiligt, dann sind auch meine Methoden plötzlich „von oben“ abgesegnet. Genug dem Vorgeplänkel – hinein in „meine Verkaufspsychologie“…

Angefangen hat alles bei meinem letzten Besuch beim Zahnarzt. Als ich im Wartezimmer mit einer uralten Brigitte-Zeitschrift so dasaß und immer wieder auf die einzig wirklich lesenswerte Zeitschrift (auto motor sport) im Schoß einer älteren Dame gegenüber von mir sinnierte schweifte mein Blick im Warteraum umher und blieb – in Ermangelung von anderen „Interessantem“ zwangsläufig auf so einem Aufsteller hängen. Ich meine die Aufsteller die man selbst gestalten kann und in meinem Fall bewarb der Zahnarzt seine Prophylaxe-Behandlung und den Umstand, dass die Krankenkassen meist mindestens einen Teil dieser Behandlung übernehmen.

Wenig später, nachdem Zahnschmerz aufgrund einer kleinen Füllung wieder weg waren, ertappte ich mich doch dabei, dass ich genau wegen dieser Prophylaxe-Behandlung mit meinem Zahnarzt ins Gespräch kam, und er mir dann sogar – am Empfangstresen – einen Termin zu dieser Behandlung mit mir ausmachte. Dieser kleine Aufsteller hatte es also bewirkt dass wir beide zunächst ein gemeinsames Thema hatten, und er nun einen weiteren Auftrag.

Ich war noch nicht wieder ganz im Autohaus und die Spritze war auch noch nicht gänzlich wieder in der Wirkweise aus meinem Kiefer verschwunden, da habe ich auch schon nach diesen Aufstellern ausschau gehalten. Ich wusste bis jetzt nicht, dass diese Informations-Aufsteller gar „Kundenstopper“ heissen – tun sie aber! Ein Kundenstopper… – naja – ein komischer Name, aber vermutlich hatte irgendjemand die Beobachtung gemacht, dass Kunden zum Lesen der Informationen zunächst im Lauf gestoppt werden… – mir eigentlich egal!

Wenige Tage später war also der Kundenstopper bei mir im Autohaus – und nun saß ich also vor meinem weissen, übergroßen Papier und überlegte so vor mich hin, was ich wohl auf diesen Kundenstopper schreiben könnte, damit Kunden auch wirklich „stoppen“ – wobei für mich klar war, dass meine Kunden nicht stoppen sollten, sondern eher – so wie ich beim Zahnarzt – während dem Blättern in uralten Zeitschriften (ja, die haben wir auch…) seine Gedanken und Augen durch Zeit und Raum laufen lassen sollte um dann schließlich an „meinem“ Kundenstopper hängen zu bleiben…

Nachdem mir nix einfiel bin ich dann in die Werkstatt Annahme gegangen und habe mir mal die morgigen Kundentermine angesehen – und siehe da – es war eindeutig eine Mehrheit zu verzeichnen an Kunden, die ihren Midsize-SUV zur Hauptuntersuchung angemeldet hatten. Fahrzeugalter: 5 Jahre. Bingo! Also pinselte ich auf meinen Kundenstopper mit der Hand ein wirklich interessantes Angebot für einen neuen Midsize-SUV, da mein Hersteller gerade meinte er müsste den Absatz dessen, fördern… – Knackiges Leasingangebot bzw. monatliche Rate inklusive – und schon stand der Kundenstopper in der Wartezone – und zwar so, dass er von jedem Platz aus „wahrgenommen“ werden konnte. Meinen Chef weihte ich ein, damit meine Kollegen nicht wieder mit dem Finger auf mich zeigen können, denn natürlich habe ich meinen Namen unter das Angebot geschrieben…

Es dauerte nicht lange und schon stand der erste vor meinem Schreibtisch und wollte weitere Informationen zu meinem Angebot haben. Nachdem dieser Werkstattkunde alle Kanäle in seiner Kundenbefragung irgendwann einmal mit Unterschrift gekappt hatte, hätte ich den Kunden niemals nicht kontaktieren können – also eine zweifache Chance – denn er hat seit Jahren durch die Kappung der Kontaktkanäle sowieso keinen Kontakt mehr mit uns Verkäufern gehabt, war also uninformiert und hatte ja augenscheinlich Interesse an den großen Lettern die ich da auf den Kundenstopper gepinselt hatte…

Mittlerweile habe ich durch diesen Kundenstopper wirklich mehrere Fahrzeuge verkauft – man könnte sagen, im Monat mindestens ein Auto… – Nicht viel, aber auch nicht wenig – zumal ich die Kunden oftmals auch nicht hätte kontaktieren können, in Ermangelung von Datenschutz-Einwilligung. Mein Chef hat mir mittlerweile die totale Freigabe für meinen Kundenstopper erteilt, ich darf den haben, während meine Kollegen mit den Zähnen knirschen wenn sie sehen wieviele Kunden dadurch an meinen Schreibtisch kommen… – aber vielleicht lassen die sich ja dann bei meinem Zahnarzt behandeln der verkauft auf seinem Kundenstopper gerne seine Prophylaxe-Behandlungen 😉

By |2015-07-13T06:25:59+00:0013.07.2015|Allgemein|2 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

2 Comments

  1. Bayer 13. Juli 2015 at 08:54 - Reply

    Hoffentlich hast du die Verbrauchswerte mitangegeben. Fast jede Form der Eigeninitiative kann durch Bürokratie im Keim erstickt werden.
    Ansonsten gute, kleine und feine Idee!

  2. Olof Persson 2. August 2015 at 22:15 - Reply

    Eine sehr gute Idee! Das werde ich bei uns im Hause auch mal andenken und ausprobieren. Hier ist man neuen Ansätzen gegenüber Gott sein Dank sehr aufgeschlossen.
    Beste Grüsse aus der Schweiz!

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