Überführungskosten? Ist ein Ende in Sicht?

//Überführungskosten? Ist ein Ende in Sicht?

Überführungskosten? Ist ein Ende in Sicht?

Ich habe es in meiner langjährigen Praxis noch nie verstanden und werde es vermutlich auch nicht mehr, warum Neuwagen immer Überführungskosten als zusätzliche Kosten haben.

Überführungskosten? Warum eigentlich?

überführungskosten im NeuwagenverkaufAuch viele meiner Kunden können es nicht verstehen, und nehmen es zähneknirschend hin, wohl aber des öfteren mit dem Hinweis dass sie einen Joghurt in einem Supermarkt auch zu dem Preis der auf dem Produkt steht kaufen und nicht plus Überführungskosten – und ich muss ihnen (eigentlich) Recht geben…

Egal an welches Produkt ich so in meinem Konsumverhalten denke, bis auf Neuwagen kenne ich nichts für was ich explizit Überführungskosten zahlen muss. Klar sind die Kalkulationen für ein Produkt so aufgebaut dass die Kosten fürs Handling, für die Spedition etc. berücksichtigt sind, aber sie sind es bereits IM PREIS und nicht ausgewiesen.

Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang ein aktuelles Urteil des LG Nürnberg indem ein Händler nun den beworbenen Preis inklusiv den Überführungskosten anzugeben hat – es wird spannend wie die Automobil- und Marketingwirtschaft auf dieses Urteil reagiert

– hier das Urteil in Auszügen:

Im Verhandelten Fall hatte ein Händler mit Preisen „ab xyz Euro“ geworben. Nicht enthalten waren dabei jedoch die Überführungskosten. Dagegen wurde vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth Klage eingereicht.

Das Urteil:

Die Richter sahen die Klage als berechtigt an. Der Verbraucher gehe davon aus, dass der Verkauf eines Autos als einheitliches Leistungsangebot erfolge, so die Richter. In diesem Zusammenhang sehe der Kunde die Überführungskosten nicht als gesonderte Leistung. Generell müssen Händler die Preise einschließlich der Umsatzsteuer und „sonstiger Preisbestandteile“ angeben. Letztere beinhalten alle zusätzlichen Kosten, die ein Händler in die Kalkulation seiner Endpreise einbezieht. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 16.12.1982 (Az. I ZR 155/80) zählt die Überführungskosten für ein Neufahrzeug explizit zu diesen „sonstigen Preisbestandteilen“. Eine Aufgliederung des Endpreises ist zwar möglich, der Endpreis des Fahrzeugs muss jedoch ebenfalls angegeben und besonders hervorgehoben sein (§ 1 Abs. 6 Nr.2 PreisAngV).

Es wird also spannend wie sich die Automobilindustrie und deren Werbeabteilungen sich nun darauf einstellen, denn somit gibt es eigentlich keinen einheitlichen Preis mehr für ein Fahrzeug innerhalb Deutschlands sondern je nach Region, Spedition und Handling immer wieder einen anderen Preis in den Werbeanzeigen.

Es bleibt spannend!

By |2012-08-29T10:25:05+00:0029.08.2012|Allgemein|8 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

8 Comments

  1. Derek Finke 2. September 2012 at 20:03 - Reply

    Frank, das wird tatsächlich spannend. Wenn dann noch die UPE unter die Räder kommt, bekommt der Wettbewerb einen neuen Schub.

    • Frank 3. September 2012 at 20:26 - Reply

      In der Tat wird das spannend. Das ist in meinen Augen der erste Schritt zum Kippen der UPE – denn – der Händler in Flensburg wird in Zukunft einen anderen Preis angeben müssen als der Händler in Garmisch – oder vielleicht doch nicht, aber dann müssen die Automobil-Vertriebsorganisationen den Transport quasi zentralseitig übernehmen sodass nicht jeder Händler seine eigenen Transportkosten mit dem Spediteur verhandeln muss.

  2. […] habe ich im Blog von Frank, dem bloggenden Automobilverkäufer, etwas zum Thema Überführungskosten gelesen. Er berichtet, dass das Landgericht Nürnberg darüber zu befinden hatte, ob die […]

  3. Stephan 17. Oktober 2013 at 08:28 - Reply

    Ganz einfache Rechnung:
    UPE – Nachlass + Transport und schon mach ich ein Angebot inkl. Überführungskosten und gehe dem leidigen Thema aus dem Weg.
    Hört sich meiner Meinung nach auch besser dem Kunden gegenüber an wenn ich Ihm einen Preis nenne der alles beinhaltet.
    Gruß

    • Frank 17. Oktober 2013 at 09:08 - Reply

      Gute Idee… – die Rechnung geht aber nur auf wenn der Kunde nicht im Werk abholen will… oder?

  4. Stephan 17. Oktober 2013 at 10:38 - Reply

    Großes Glück….
    nach nunmehr 12 Jahren im VK bei einem Deutschen Hersteller der seine Verkäufer knechtet wie der Hirte sein Vieh bin ich in der glücklichen Lage bei einem Hersteller zu sein, wo der Kunde nicht wählen kann zwischen WO, IN oder sonstwo. Habe fast alle Modelle ( überwiegend Nutzfahrzeuge ) vor Ort. Kann meine Banken oder Leasingunternehmen frei wählen, kann für den Kunden ( auch meist Gewerbliche ) das Optimum bieten.
    OK, trage keine Anzüge mehr, freue mich aber mittlerweile wieder jeden Monat auf meine Abrechnung….

    Gruß

  5. Kippen jetzt die Überführungskosten und dann die UPE? | Derek Finke 6. Januar 2014 at 17:55 - Reply

    […] habe ich im Blog von Frank, dem bloggenden Automobilverkäufer, etwas zum Thema Überführungskosten gelesen. Er berichtet, dass das Landgericht Nürnberg darüber zu befinden hatte, ob die […]

  6. Johannes 3. März 2014 at 13:11 - Reply

    Habt ihrs gewusst? In österreich werden die überführungskosten nicht separat ausgewiesen. Ein freund von mir, der bei bmw Österreich arbeitet, konnte seinen ohren nicht trauen 😉 lg

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