Telefon-Aquisition – machen sich Automobilverkäufer strafbar?

//Telefon-Aquisition – machen sich Automobilverkäufer strafbar?

Telefon-Aquisition – machen sich Automobilverkäufer strafbar?

Telefonieren Sie noch mit Ihren Bestandskunden – oder sind Sie schon abgemahnt worden?

Früher war alles besser 😉 Man erhielt täglich oder wöchentlich eine Liste von Namen mit Telefonnummern und diese wurden durchtelefoniert – manch einer hatte sich mal vor Jahren für das Model XX interessiert andere waren irgendwann mal im Autohaus um eine Glühbirne wechseln zu lassen und andere haben sogar mal vor Jahren ein Auto gekauft – egal – alle wurden in der Datenbank des Autohauses gespeichert um dann vom fleißigen Automobilverkäufer irgendwann mal angerufen zu werden, und wenn der Kunde signalisierte dass er gerade eben kein neues Fahrzeug benötigt, dann entsprechend weiterterminiert. Ganz gewiefte Verkäufer ließen sich weitere Interessenten von Kunden empfehlen und sprachen diese dann an.

Ohne Datenschutzeinwilligungs-Erklärung kein Anruf!

Egal wie das Autohaus zu der Adresse nebst Telefonnummer gekommen ist, eins haben (fast) alle diese Adressen gemeinsam: Sie DÜRFEN nicht für Werbezwecke genutzt werden! Seit 2009 regelt das Bundesdatenschutzgesetz ganz klar, dass eine Einwilligung des Kunden vorliegen muss bevor ein Werbeanruf erfolgt!

Konkret heißt dies, dass sowohl das Bundesdatenschutzgesetz als auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG) in der zentralen Vorschrift für Telefonwerbung ganz klar regelt, dass ein Werbeanruf ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung nicht stattfinden darf.

Nicht nur Privatkunden, auch Geschäftskunden benötigen eine Einwilligung!

Bildquelle: Benjamin Thorn  / pixelio.de

Bildquelle: Benjamin Thorn / pixelio.de

Was viele nicht wissen: Auch bei der Telefonaquise von Geschäftskunden sind sie auf ganz dünnem Eis – denn Telefonwerbung bei Geschäftskunden ist zulässig, wenn Sie das Einverständnis des Angerufenen vermuten können. Das ist dann der Fall, wenn Sie ihm Lieferungen oder Leistungen anbieten, die er für sein Kerngeschäft benötigt – und jeder Richter zerpflückt diese Argumentation wenn Sie behaupten dass ein Bäckermeister ein Automobil für sein Kerngeschäft benötigt…

Abmahnungsgefahr für Autohäuser!

Somit bedeutet dies für Automobilverkäufer die einfach Ihre Listen abarbeiten, dass sie somit das Autohaus der Gefahr einer Abmahnung bis zu 50.000 Euro aussetzen, wenn der Kunde keine Einwilligung erteilt hat und nun gegen diese Form der Werbung klagt – inwieweit der Automobilverkäufer im jeweiligen Autohaus bei einer solchen Abmahnung geschützt ist, vermag ich nicht zu sagen

– allerdings wäre es mal eine Interessante Frage die sie Ihrem Verkaufsleiter stellen sollten!

By |2013-02-03T22:19:53+00:0005.02.2013|Allgemein|7 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

7 Comments

  1. Derek Finke 5. Februar 2013 at 16:43 - Reply

    Frank,

    die Datenschutzproblematik ist ja nicht neu. Denjenigen Autohäusern, die trotz aller Warnungen, Hinweise und Berichte in den letzten Jahren (auch in unserer Fachpresse) noch immer keine datenschutzrechtliche Einwilligungserklärung von ihren Bestandskunden eingeholt haben, ist eben nicht mehr zu helfen.

    Die ausführenden Autoverkäufer sehe ich hierbei nicht in der Haftung, da sie auf Anweisung handeln. Allerdings kommt bei möglichen Abmahnungen meist so richtig der Stein ins Rollen, denn nur wenige Autohäuser haben einen Datenschutzbeauftragten, der diesen Titel auch dem Gesetz entsprechend verdient. Das ruft dann gern neben dem Abmahnungsproblem auch gleich noch die zuständige Landesbehörde auf den Plan.

    Was mich interessiert, wie macht Ihr das denn in Eurem Betrieb? Habt Ihr Einwilligungserklärungen oder verzichtet Ihr inzwischen auf diese Art von Telefonakquise?

    Viele Grüße,
    Derek

    • Frank 5. Februar 2013 at 16:59 - Reply

      Hallo Derek,
      die Datenschutz-Einwilligungserklärung ist sicherlich der richtige Weg – diese sollte (!) allerdings schriftlich vorliegen und in einem CRM-System sollte diese Datenschutz-Einwilligungserklärung auch hinterlegt sein, bzw. zumindest der Hinweis darauf dass sie für alle (!!) Kanäle vorliegt… – aber aus meinen vielen Gesprächen mit Kollegen anderer Marken und Häuser kann ich Dir verbindlich sagen dass eben dies nicht der Fall ist… und sogar Verkäufer in Ihren Jahreszielen eine Anzahl von Kontakten hatten / haben – ohne jemals auch nur mit einem Auge auf die möglichen Kontakte mit bestehender Datenschutz-Einwilligungserklärung geschielt zu haben…

      Es gibt sogar Autohäuser die fragen die Datenschutz-Einwilligungserklärung am Telefon ab – doch ist bereits dieser Anruf abmahnfähig… – aber viele Autohäuser wissen immer noch nicht mit der Problematik umzugehen und die Kunden wissen oftmals nicht dass es überhaupt eine Datenschutz-Einwilligungserklärung gibt – und getreu dem Motto: „Wo kein Kläger da kein Richter“ wird einfach weiterhin der Telefonhörer gezückt und weiter ganz braf irgendwelche Listen abtelefoniert.

      Ich persönlich finde es befremdlich wenn ein Mensch etwas tut was er Kraft Gesetzes nicht tun darf… – und Aquiseanrufe ohne Datenschutz-Einwilligungserklärung gehören nunmal spätestens seit dem Jahr 2009 dazu – inwieweit sich Automobilverkäufer dann rausreden können sie hätten „auf Anweisung gehandelt“ gehandelt vermag ich nicht einzuschätzen – aber ich weiß dass eine Straftat auch dann eine Straftat bleibt wenn mir jemand die Anweisung gibt diese zu unternehmen…

  2. […] ich nun aufgrund der vielen Verkäufer-Reaktionen auf meinen Beitrag Telefon-Aquisition – machen sich Automobilverkäufer strafbar? lesen konnte, ist gerade im Gebietsverkauf durch das Datenschutzgesetz mittlerweile absolute Flaute […]

  3. Philipp 2. März 2013 at 11:01 - Reply

    Hallo Zusammen,

    ich arbeite seit Jahren mit einem Call-Center zusammen, das für die Autohäuser eine Fuhrparkanalyse bei Gewerbebetrieben und Firmen durchführt. Auf diese Weiße erfährt man schnell, welche Unternehmen welche Fahrzeuge im bestand haben und wann Neuanschaffungen anstehen.
    Wie hier schon richtig angemerkt wurde, dürfen Privatkunden nur nach einer schriftlichen Einverständnisserklärung angerufen werden. Bei Privatleuten kann auch das Call Center leider nichts machen. Hier würde ich empfehlen zukünftig allen Neukunden eine Einwilligungserklärung auszuhändigen und bitten, ob sie diese unterschreiben würden. Und wenn die Bestandskunden sich einmal wieder in das Autohaus „verirren“, am besten auch nach der Einwilligungserklärung fragen, ob das ok wäre.

    Liebe Grüße

    Philipp

  4. Philipp 16. April 2013 at 20:11 - Reply

    Hi Frank, ich habe deinen Blog in meinem neusten Artikel, in dem ich das Thema Rechtssicherheit bei der Telefonakquise bei Autohäusern noch mal aufgriffen und einen Link zu deinem Blog gesetzt habe erwähnt. Ich hoffe das ist ok 😉

    http://www.telefonverkauftraining.de/start/allgemein/ist-die-kaltakquise-fuer-autohaeuser-ein-guter-weg-zur-neukundengewinnung/

    Lieber Gruß

    Philipp

    • Frank 16. April 2013 at 20:16 - Reply

      Hallo Philipp,
      vielen Dank für Deinen Backlink und natürlich auch weil Du dieses wirklich brandheisse Thema nochmal aufgegriffen hast! Deine Ausführungen sind wirklich sehr gut und treffen den Kern der Sache! Was derzeit für Verkäufer bleibt ist somit nicht viel – denn hier müssen ersteinmal die Marketing-Abteilungen ran und wieder eine Grundlage schaffen damit überhaupt wieder telefoniert werden kann.

      Was Du vielleicht noch bei Dir aufführen könntest sind die wirklich interessanten Ausführungen von Rechtsanwalt Frank Richert:

      Rechtliche Aspekte in der Telefonakquise. Interview mit Rechtsanwalt Frank Richert

      Gruß
      Frank

  5. Veit 8. Mai 2014 at 13:06 - Reply

    Hallo Frank und Leser, mich würde interessieren wie Ihr bei Gewerbetreibenden Akquise betreibt? Ich habe keine Angst vor Telefonakquise bzw. Kaltakquise,ich möchte Autos verkaufen.

    Wie macht ihr das?

    Und gelten diese Datenschutzbestimmungen auch wenn ich einen Geschäftsführer bzw. Selbstsändigen im Aussendienst besuche?

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