Ich komme gerade von einer Vergleichsfahrt… Ja, auch wir Autoverkäufer machen Probefahrten, aber eigentlich nur noch bei Verkäuferschulungen und eigentlich sind diese Probefahrten was das Produkt angeht kaum aussagekräftig.

Zu zehnt hintereinander in verschiedenen Produkten

vergleichsfahrtDiese Vergleichsfahrten auf den Schulungen laufen bei allen Herstellern mittlerweile nahezu identisch ab: Vorne fährt ein Pace-Car und hinten nach fahren die eigenen Produkte schön durchgemischt mit den Produkten der Vergleichsklasse bzw. Konkurrenz. Wer im ersten Moment an eine Situation wie in der Formel 1 denkt wo Bernd Mayländer das Feld öfters mal rundenweise in seinem Pace-Car anführen darf, dem sei gesagt, dass der Unterschied hier darin liegt dass bei den Vergleichsfahrten das schwächste Auto von der Motorisierung her das Pace-Car ist und war und das absolut stärkste Auto dann sofort hinter dem Pace-Car von uns Verkäufern gefahren werden darf – was zur Folge hat, dass hier schon mal der Motor nicht wirklich getestet werden kann, da meistens der Scheibenwischermotor kraftvoller ist, wie der Antriebsmotor beim Pace-Car 😉

Nachdem ich diese Vergleichsfahrten also mittlerweile als „sinnfrei“ ansehe suche ich mir immer an Anfang der Fahr-Session einen (meistens jungen) Verkäuferkollegen der noch richtig „geil“ aufs Fahren ist, und dem biete ich an, dass er alle Fahrzeuge fahren darf 😉

Er fährt, ich spiel

Dieses Jobsharing hat den Vorteil dass ich mich somit während dieser Vergleichsfahrt intensiv mit den einzelnen Systemen vertraut machen kann, die ein Beifahrer so zu bedienen hat, bzw. bedienen kann. Technisch sind die Autos wirklich alle auf dem letzten Stand und egal was ich in letzter Zeit auf diesen Vergleichsfahrten zum Spielen vom Beifahrersitz unter die Finger bekam, alles war top, ausgereift und bestimmt auch auf den Kunden abgestimmt der dies alles wirklich braucht – aber… selbst ich, der ja nicht nur Autoafin ist sondern auch seit zig Jahren sich damit eigentlich auskennen soll(te) – tue mich immer schwerer diese ganzen technischen Finessen und Einstellungen so auf Anhieb zu finden, zu bedienen und einzustellen – und wenn ich mich schon schwer tu, was macht dann wohl mein Kunde??? Bei meinen Mittelklasse-Kunden mache ich immer wieder die Erfahrung dass die gar nicht all die von hoher Ingenieurkunst entwickelten Spielereien haben wollen, obwohl sie sicherlich technisch ähnlich ticken wie ich…

Braucht der Mittelklasse-Kunde die Spielereien auch?

Genau das ist das Problem – viele Kunden wollen bzw. brauchen dieses technische High-End gar nicht – und oftmals wenn ich mir die seitenlangen fahrzeugspezifischen Angebote auf mobile.de so durchlese wo wieder diese „Werkstestwagen“ bzw. „Direktionswagen“ auf einen neuen Kunden lauern wird mir schnell klar, dass anscheinend deutschlandweit die Kunden gar nicht auf so viel Sonderausstattung Wert legen. Vermutlich „vergessen“ dies auch gerne so „Fachmagazine“ wie das Handelsblatt die dann diese Mittelklasse-Bomber einem Gebrauchtwagen-Check unterziehen, denn diese „Testwagen“ werden oftmals mit einer geringen KM-Leitung bereits zu Nachlässen angeboten wie „eigentlich“ (prozentual vom Neuwert) der 2-Jahreswagen angeboten wird – also eigentlich ein Schnäppchen – eigentlich… – denn zahlen muss er die Sonderausstattung ja dennoch, wenn sie auch extrem rabattiert ist…