Selbstständiger Autohändler für Gebrauchtwagen – Der Traumberuf meines Ex-Kollegen

//Selbstständiger Autohändler für Gebrauchtwagen – Der Traumberuf meines Ex-Kollegen

Selbstständiger Autohändler für Gebrauchtwagen – Der Traumberuf meines Ex-Kollegen

Selbstständige Autohändler – also „freie“ Händler die lediglich mit Gebrauchtwagen handeln werden immer seltener – vor allem die seriösen – aber anscheinend gibt es der Gebrauchtwagenmarkt immer noch her sich in die Selbstständigkeit zu stürzen ohne diesen Schritt zu einem Abendteuer werden zu lassen.

Zwei meiner ehemaligen Kollegen haben sich mit dem Handel von Gebrauchtwagen in den letzten drei Jahren selbstständig gemacht und ich schaue immer wieder bewundernd und auch – ich geb es zu – auch neidisch bei Ihnen vorbei! Es ist so ein „Ausflug“ in eine heile Welt, eine Reminiszenz an die „gute alte Zeit“ – und wer so wie ich schon so lange im Automobilvertrieb tätig ist der weiß wie schön es „damals“ war und wie wir eigentlich täglich öfters zurückschauen… mit Wehmut!

Ich weiß es noch wie heute – mit Einführung der Kundenzufriedenheits-Abfrage entschied sich damals einer meiner Kollegen mit dem ich nicht nur mein Büro teilte sondern durch diese Büroehe auch eine Freundschaft entstanden war und meine Kinder mit seinen Kindern und seine Frau mit meiner Frau gut konnte – diese telefonische Kundenbefragung als Aufhänger zu nehmen um mit dem Verkauf von einem Neuwagen-Premiumprodukt als Angestellter aufzuhören!

Es war wie ein Paukenschlag – einer der besten Autoverkäufer hörte auf – kündigte bei einer deutschen Premiummarke und einem deutschen Konzern und drehte den konzerneigenen Vorteilen den Rücken zu – mit knapp über 30 Jahre… Viel Unverständnis innerhalb meiner Kollegen machte sich breit – keiner konnte sich einen Reim darauf machen und die wildesten Gerüchte machten die Runde – auch, weil dieser Kollege (bis auf mich) niemanden in seine Zukunftspläne einweihte.

Damals wurde man noch – wenn man kündigte – sofort freigestellt – und am übernächsten Tag war er schon bei der Bank und dem Gewerbeamt und meldete sein Gewerbe an: Handel von Fahrzeugen!

Er hatte natürlich ein Netzwerk welches er über die Jahre sich aufgebaut hatte und so bekam er schon schnell seine ersten Fahrzeuge die er (auch heute) noch „von zuhause“ weiter verkaufte – und er kaufte nur das was er auch finanziell sich leisten konnte – keinen Euro von der Bank auf Pump war sein Motto – und ich hab ihn damals öfters beim Mittagessen getroffen, er mit lässiger Jeans, coolem Hemd und Lederjacke ich mit Anzug, zugeknöpft mit Designerkrawatte – und er war entspannt – lachte, scherzte, hatte Zeit… – und ich war wie einer der Gejagt und auf der Flucht ist.

Auch jetzt, drei Jahre nach diesem Schritt als selbstständiger Autohändler einem Autokonzern den Rücken zu kehren, bereut er keinen Tag – das spüre ich förmlich wenn wir uns am Wochenende mit den Familien treffen oder uns mal zu ner Runde Herrengolf verabreden. Er arbeitet immer noch alleine von zuhause aus, ohne Angestellte, hat sich nen  Auto-Transporter gebraucht angeschafft da er mit dem dann die Fahrzeuge abholen kann und somit für diese Hin-und-Herfahrerei auch niemanden benötigt – er hat meistens so 2-3 Fahrzeuge im Bestand und einen Auftrag von einem Großkunden erhalten um dessen Fuhrpark nach der Nutzung schnellst- und bestmöglich zu verkaufen und ist mit sich und der Welt zufrieden.

Letzte Woche erzählte seine Frau meiner Frau (mal wieder) wie schön es ist dass er nun viel mehr Zeit mit ihr und den Kindern verbringen kann – schon alleine weil er viel zuhause ist und natürlich fast nie am Samstag arbeiten muss… – Zuhören kann auch weh tun 😉

By |2013-05-17T11:29:25+00:0016.05.2013|Allgemein|12 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

12 Comments

  1. leser 17. Mai 2013 at 08:44 - Reply

    wie schön dieses artikel zu lesen, er spricht mir aus der seele, 1 zu 1. Kompliment an den Verfasser.

    So und nicht anders sehe und erfahre ich die Situation auch seit ich die Wet des Automobilvertriebs kennengelrnt habe als 17 jähriger der sich durch den An- und Verkauf seine wunsch und wahlfahrzeuge leisten wollte, nicht nu das es möglich war, man erwirtschaftete sogar ein kleines plus, durch das netzwerk was man sich dann durch ansprahcn am wochenende in der waschhalle aufgebaut hatte konnte man ein einblick in die welt der gw verkäufer , plätze erhalten. wenn ich diese situation nutzen aufwand in den vergleich setze zum gebunden Vertragshande kann ich sagen, das ich jeden tag bereue an den ich nicht den mut und das problem der liquidität aus den weg räumen kann um mit meinen now how im gw vertrieb den spass an der leidenschaft und darüber hinaus ein weitaus besseren verdienst zu erfahren…

  2. BenM 17. Mai 2013 at 15:33 - Reply

    Danke für 5 Minuten Träumerei… sehr schön geschrieben…

  3. Guido 19. Mai 2013 at 18:17 - Reply

    Erfolgsgeschichten hört man leider viel zu selten. Ich denke dein Kollege hat hart dafür gearbeitet und verdient jede freie Minute. Mut und Durchhaltevermögen können sich eben durchaus auszahlen.

  4. Patrick 22. Mai 2013 at 16:49 - Reply

    Also wenn er wirklich nur 2-3 Autos im Bestand hat, dann muss er entweder eine verdammt niedrige Standzeit und hohen Umschlag haben oder er bekommt seine Fahrzeuge extrem günstig. Kann mir nicht vorstellen, dass man mit 2-3 Fahrzeugen überleben kann.

    • Frank 22. Mai 2013 at 18:19 - Reply

      Hallo Patrick,
      ja 2-3 Autos – mehr Platz hat der gar nicht… – und ja vermutlich ist es eine Mischung aus Einkaufspreis und guten, schnellen Abnehmern. Gewieft war er schon immer… Überleben kann er anscheinend mehr als vorher (was aber mittlerweile auch kein wirklich großer Akt ist – die meisten Premium-Verkäufer verdienen derzeit lediglich 3-3.5 BRUTTO…)

  5. VERKÄUFER 24. Mai 2013 at 11:41 - Reply

    2-3 Fahrzeuge halte ich für zu gering. Welche ertäge werden mit 3 Fhzg gemacht, das hiesse ja, das er eine Umschlqagszahl hat von wenigen stunden/tagen…

    3.500 ca gehalt im preium bereich. da gehen die verhältnisse aber weit auseinander , vk im speckgürtel geht im schnitt mit ner 2.500 nachhause….

    wo liegt da die motivation premium zu verkaufen, ein endlosen thema

    ich würde gerne die anregung eines neuen themas in den raum stellen, welches brand aktuell ist, was haltet hr von den neuen trend von der aufkäufern , aramis auto, wirkaufendeinauto.de, welche sich an endkunden wendet, erfolgsmodell aus england und frankreich…

    ich würde brennend gerne eure einschätzung dazu hören….

  6. Georg 29. Mai 2013 at 16:29 - Reply

    Erfolg bedeutet in jeder Branche drei Dinge:
    1. Harte Arbeit
    2. Harte Arbeit
    3. Harte Arbeit

    Gruß
    Georg

  7. Noka 15. September 2013 at 19:11 - Reply

    Hallo Frank,

    es war ein sehr schöner Beitrag über Deinen Kumpel.
    Ich selbst ertappe mich jeden Tag dabei, zu überlegen diesen eigentlich von mir
    geliebten Job bei der deutschen Premiummarke an den Nagel
    zu hängen.
    Es ist schon zum Kotzen die Erwartungen zu CSS und 16 ( durchschnittlichen) Kundenkontakten zu befriedigen.
    Die Arbeit ist durch die Dokumentationsflut und Controllingscheisse
    nicht mehr zu schaffen.Für den eigentlichen Job, Autos zu verkaufen und Kunden zu begeistern,bleibt uns keine Zeit mehr.
    Die Autos sind schlichtweg katastrophal aufbereitet und nie 110punkte gecheckt, da es nur noch Subunternehmer und kein Personal mehr gibt.Alles bleibt an uns hängen und wir sind für alles verantwortlich.

    Da kann man sich ja wirklich gleich selbstständig machen um nicht mehr von Ahnungslosen und Obrigkeitshörigen VKL rumgescheucht zu werden.
    So Sorry für den kleinen Exkurs und dem von der „Seele schreiben.“

    Liebe Grüsse an alle Leidensgenossen,die mehr können, als das was
    die Kasper der Konzerncontolller von ihnen „heutzutage“
    erwarten.

    Karpat

  8. Klaus-Peter 16. September 2013 at 07:12 - Reply

    Sicherlich war und wird der Traum der Selbständigkeit immer vorhanden sein. Die Abhängigkeit von anderen ist aber damit nicht beendet. Es müssen gute Einkaufsquellen vorhanden sein, d.h.. stetiges Suchen im Internet, vorhandene Händlerbeziehungen nutzen ( welcher Händler gibt schon gerne Schätzchen ab), Versteigerungsbörsen ( sehr umstritten).Die Margen sind durch den tranzparenten Markt sehr niedrig und nur durch erhöhte Stückzahlen lässt sich halbwegs Geld verdienen. Dazu kommt noch, daß Fahrzeuge sehr schnell „gedreht“ werden müssen, damit sie auch für die anderen noch interessant sind. Ich war 37 Jahre Gebrauchtwagenhändler und freue mich auf meinen wohlverdienten Ruhestand.Wünsche alle „Mutigen“und „Fleißigen“ viel Erfolg, denn dem Tüchtigen steht auch heute noch die Auto-Welt offen.

  9. Wolfgang Ebert 18. September 2013 at 12:28 - Reply

    Solange war ich auch Gebrauchtwagenhändler. Das mit den 2 – 3 Autos geht nur, wenn er sich als „Privater“ ausgibt. Sobald er in die Mühlen von Sachmängelhaftung und Garantie kommt, ist das Ganze nicht mehr zu kalkulieren. Als Selbständiger Händler kann er so nicht überleben.

  10. Ronald 29. Oktober 2013 at 08:33 - Reply

    Ein sehr interessanter Artikel. Ich denke auch, das man schon ein sehr guter Verkäufer sein muss, um seine Autos bzw. andere Produkte und Dienstleistungen abzusetzen. Autos egal ob Gebrauchtwagen oder Neuwagen kann man doch schon so fast an jeder Ecke kaufen. Ich lese zwar hier oft harte Arbet und arbeiten narbeiten, aber das machen andere auch. Man muss schon Glück haben und es anderes machen, besser als die Konkurrenz, wie in jedem anderen Business auch. Der EX-Kollege hat es eben was anderes gemacht und auch gut Vitamin B und Netzwerk, auch sehr wichtig. Klasse 🙂

  11. Raphael 23. April 2014 at 16:47 - Reply

    Habe es genauso gemacht (vor 9 Jahren). Mein damaliger Kollege hat sich auch nicht „getraut“. Sitzt immer noch da. Inzwischen ist der komplette Laden verkauft. Neue große Gruppe und die „Probleme“ bleiben die Gleichen. Statt Premium (BMW) zu verkaufen, mache ich heute die von mir damals so geringschätzig eingeschätzten Nutzfahrzeuge (vor allem Mercedes Sprinter) und

    würde es wiedermachen.

    Wie sagt mein Schwager (auch selbstständig, aber nicht im Autohandel): „Wir sind nicht so gut, sondern nicht so schlecht wie die anderen.“ 😉

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