Schizophrenie im Autohaus – das erste „geile“ Geschäft 2015 und alle vermuten nur das Schlimmste…

//Schizophrenie im Autohaus – das erste „geile“ Geschäft 2015 und alle vermuten nur das Schlimmste…

Schizophrenie im Autohaus – das erste „geile“ Geschäft 2015 und alle vermuten nur das Schlimmste…

Es gibt so Tage die fangen gut an und enden gut – und es gibt Tage die fangen gut an und enden in einem Irrweg… – Gestern war wieder so ein Tag!

Eigentlich war alles zunächst ganz normal: Kunde kam ins Autohaus, Kunde wurde von verschiedenen Verkäufern angesprochen, wollte sich aber nur „umschauen“ – und als ich irgendwann mal durch den Ausstellungsraum ging sah ich wie er an so einem Cabrio rumstand und grüßte freundlich. Er verwickelte mich gleich in ein Gespräch in dessen Verlauf er irgendwann mal bei mir am Schreibtisch saß und wenig später das Cabrio das da so vor ihm stand im Ausstellungsraum bestellte. Soweit sogut – ich mein das ist mein Job – das kenn ich von mehreren Tausend Kunden vorher – das alleine macht mich nicht irre…

Was mir zumindest ein Bauchgrummeln abverlangte war die Tatsache, dass der Kunde für das Haus unbekannt ist, er nichts in Zahlung gibt und ACHTUNG: BAR den Listenpreis bezahlen will, da wir von Nachlässen etc. gar nicht gesprochen hatten und diese auch nicht wie heißt es so schön: „Kein Bestandteil des Vertrages“ sind. OK – solche Kunden soll es auch noch geben und ich hab halt nun mal (wieder) so einen bekommen. Ich hab natürlich die Daten seines Personalausweises zum Zweck der Zulassung erhalten und wollte nun eigentlich den Auftrag abgeben beim Verkaufsleiter zur Weiterleitung an die Disposition, denn Abholtermin ist für kommenden Freitag vereinbart.

Was ich dann im Büro von meinem Vorgesetzten mitmachte, spottet jeder Beschreibung. Der Herr Verkaufsleiter wittert hinter dem „Geschäft“ alles Mögliche, nur nicht einen Herrn, Mitte 50 der weiß was er tut… Es ist anscheinend wirklich niemand mehr (zumindest in meinem „Autohaus“) es gewohnt dass ein Mensch bar zum Listenpreis ein Auto kauft…

Klar zugegeben, so Kunden findet man nicht an jeder Straßenecke – aber was soll ich machen? Dem Kunden extra einen Bonus „verkaufen“ – ihn extra darauf hinweisen dass alle anderen Kunden bei uns mindestens mit zweistelligen Nachlässen rausgehen?

Wie dem auch sei – ich wurde fast „genötigt“ alles in meiner Macht stehende zu tun, damit ich das alles überprüfe, und so bin ich dann noch beim Kunden zuhause vorbei gefahren mit der fadenscheinigen Ausrede ich bräuchte noch ne Unterschrift wegen der Zulassung. Ich bin also fast wie Sherlook Holmes aus meinem Dienstwagen raus zum Haus vom Kunden, dort alle Klingeln inspiziert was bei einem alleinstehenden Einzelhaus nicht besonders schwer ist – und dann geklingelt. Es empfing mich der Kunde mit Frau – diese wiederum bot mir einen Kaffee an und beide freuten sich sichtlich, dass sie das Auto schon am Freitag bekommen werden.

Überschwenglich gab mir der Kunde eine Kopie der Überweisung seiner Bank, abgestempelt und ausgeführt und ein paar Minuten später war ich auch schon wieder auf dem Weg ins Autohaus. Mittlerweile hatte der Verkaufsleiter Rat bei der Buchhaltung, bei seinem Chef und vermutlich auch beim Papst geholt und wollte mir allen Ernstes erklären dass dieser Vertrag so sittenwidrig ist und er den Vertrag so nicht annehmen wolle…

SITTENWIDRIG…

shizoprenieIch verstand die Welt nicht und nachdem der Herr Vorgesetzte auch noch entgegnete dass er wettet das die Überweisung niemals kommen wird, behielt ich die Kopie der Überweisung dann lieber bei mir, vermutlich hätte er diese erkennungsdienstlich untersuchen lassen…

Meine Freude war schon sehr gedämpft und ich nahm dieses Hick-Hack gestern schön brav mit nach Hause – zur Freude meiner Frau!Bei der heutigen Verkaufsbesprechung von allen Verkäufern mit dem Verkaufsleiter war dieses „Fake-Vertrag“ Hauot-Bestandteil des Meetings und ich musste schon sehr auf die Zähne beissen, damit mir nicht irgendwelche Unflätigkeiten rausrutschten.

Wenig später klingelte mein Telefon und die Buchhaltung fragte mich, ob das Geld welches da angekommen war vielleicht von meinem Kunden kommen könnte, nachdem sie ja noch keine Auftragsbestätigung bzw. Kundenkonto hatte… Kleinlaut und sichtlich zähneknirschend gab mein Verkaufsleiter nun den Vertrag zur Weiterbearbeitung an die Disposition und ich konnte mich nicht frei machen, nochmal verbal ein wenig „hinterherzutreten“. Klar, sicherlich von mir nicht die feine englische Art und Weise – aber das was ich da zwischen Vertragsabgabe und heutigem Geldeingang erlebt habe, ging ganz schön ans Nervenkostüm – mal ganz davon abgesehen, dass mich diese Situation mehrfach blockierte – zum einen musste ich investigative Ermittlungsarbeit leisten, und konnte in dieser Zeit keine Autos verkaufen, zum anderen war natürlich aufgrund der Aufruhr auch ich zwischen Hoffen, Bangen und gutem Bauchgefühl weil Menschenkenntnis…

E Voila!

Der Kunde hat also wirklich alles auf einen Schlag überwiesen – Centgenau! Nix Testkäufer, Nix Fake! Einfach nur ein Mensch der ein Auto kauft – aber mittlerweile sind anscheinend alle schon komplett schizophren wenn ein Kunde dies ohne große und wochenlange Verhandlungen tut! Für mich als Automobilverkäufer ist dies allerdings mit soviel Stress verbunden gewesen, dass ich mir nun wieder ein paar Testkäufer suche, die lösen wenigstens die Situation schnell auf und ich kann mich wieder dem „normalen“ Alltag widmen… 😉

By |2015-03-10T12:00:50+00:0010.03.2015|Allgemein|8 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

8 Comments

  1. Marc 10. März 2015 at 13:43 - Reply

    Nichts für ungut, aber das hätte ich nicht mit mir machen lassen! Nicht nach über 15 Jahren in der Branche.Zum Kunden fahren um „zu gucken“ ob der echt ist – das ist zu viel des Guten. Abwarten bis das Geld kommt und gut ist. So ein „Verkaufsleiter“ entbehrt jeglicher Grundlage, der seine Leute nicht unterstützt sondern auch noch so dumm dreisst ist alles mögliche zu unterstellen.
    In diesem Sinne, immer schön aufmüpfig sein – Rückgrat kann nützlich sein 😉

  2. Createur 10. März 2015 at 21:47 - Reply

    Dein Verkaufsleiter ist nicht mal ein „Zitronenfalter“ sondern einfach, mit Verlaub gesagt.. ein Depp ! Solche Leute rennen bei den bekannten Premiummarken sehr oft rum. Ein Chef sagte mal über seinen eigenen PKW Neuwagen Verkaufsleiter: „der wahr früher Stürmer beim xxx-Fußballclub, Groß + Stark + Dumm ! “ Ich hab solche Verkaufsverhinderer und Zielvereinbarungsonkels auch am Hals gehabt… seit 2 Jahren Gott sei Dank, nur einen Vorgesetzten: meinen mitarbeitenden Chef und Inhaber, und glaubt mir…der hat Durchblick, ist fair und wir haben jeden Tag Spaß!

  3. Ulli 11. März 2015 at 03:50 - Reply

    Naja, schöne Geschichte, aber in welchem Kindergarten arbeitest Du und wie viel Respekt hast Du vor Dir und Deiner Leistung.
    Aber, leider ist es in der Tat so, dass wir Verkäufer zunehmend der
    Spielball für alle Unfähigen über uns sind.
    Dann kommt noch dazu, dass ein Verkäufer, der Jahre oder Jahrzehnte in einem Autohaus gearbeitet hat ja nicht so einfach
    wechseln kann, da er sich ja einen Kundenstamm aufgebaut hat.
    Gute Chef´s und Verkaufsleiter gibt es immer weniger.
    Der Konzern will dies auch nicht mehr. Hier geht es in der Tat nur
    noch um Statistiken und Zahlen. Der Mensch existiert in diesem System nicht mehr.

  4. F1AMG 11. März 2015 at 11:37 - Reply

    Welche Ausbildung hat eigentlich Dein VLP ? Da hätte ich mich entspannt zurück gelehnt und einfach mal den Geldeingang abgewartet.
    Nach verkehrsüblicher Zeit hätte man dann halt reagieren können. Aber so ein Pseudo-Besuch beim Besteller hat für mich schon ne Art Privatsphäreneingriff. Darüber hinaus wurde unnötig Manpower für nichts verschwendet, hört sich stark nach einer NDL an…

  5. Tobi neumeister 13. März 2015 at 08:57 - Reply

    Krasse und Traurige geschichte… aber freut mich das es für dich so positiv ausgegangen sind… gibt es den so oft testkäufe ? das man da angst haben muß ?

  6. Holger P 16. März 2015 at 07:40 - Reply

    Ich bin kein Autoverkäufer habe aber gute Erfahrungen im Mehrmarkenautohaus sammeln dürfen. Zählt nicht jeder Kunde und jeder Verkauf? Kann die Handlungsweise des VLP nicht verstehen.

  7. Martin Reim 16. März 2015 at 17:36 - Reply

    Halleluja
    Es gibt sie doch! Echte Kunde, mit echter Kaufkraft, die sich ihren persönlichen Traum vom Fahrzeug im vorgeschrittenen Alter erfüllen. Kein langes Schnacken, kein zähes Gefeilsche um den letzten Heller, keine Konsumschulden, kein 30-Seiten langes Vertragswerk.

    Einfach unterschreiben, Geld auf den Tisch bzw. direkt überweisen. Geilo. Ich wünsche mir für meine Zukunft, dass ich nur solche Menschen in mein Leben ziehe.

    Mein Beileid zu dem Verkaufslei(d!)er.

  8. Gernod Krämer 22. März 2015 at 13:48 - Reply

    Schön, daß für dich diese Geschicht positiv ausgegangen ist und der Käufer tatsächlich die vereinbarte Summe überwiesen hat, sicher gibt es schwarze Schafe, aber dein Bauchgefühl bezüglich dieses Kunden hat dich ja nicht betrogen.

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