Mythos Einkommen / Gehalt: Die Garantieprovision

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Mythos Einkommen / Gehalt: Die Garantieprovision

Die Garantieprovision ist anscheinend auch immer noch ein Mysterium und nachdem ich immer wieder Zuschriften bekam, denke ich, es ist an der Zeit noch mal auf dieses Thema einzugehen.

Viele Fragen kamen – meist von Interessierten die als Quereinsteiger als Automobilverkäufer anfangen wollen – wie denn ein Automobilverkäufer abgesichert ist, wenn er über Monate zwar verkauft, aber kein Fahrzeug liefert. Für diesen Fall hat sowohl der Gesetzgeber, als auch die Gewerkschaftsvertretung ein sogenanntes Garantiegehalt eingeführt. Das Garantiegehalt ist somit die Grundabsicherung für den Fall dass ein Autoverkäufer keine Fahrzeuge ausliefert um seine Grundbedarfe decken zu können.

Konkret setzt sich das Garantiegehalt aus zwei Teilen zusammen: Dem Fixum und der Garantieprovision. Was das Fixum ist, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, deswegen möchte ich die Garantieprovision hier erklären: Die Garantieprovision ist ein Dispokredit des Arbeitgebers. Dieser Dispokredit wird gewährt um die Grundabsicherung wie Miete, Lebensversicherung, Haushaltskosten etc. überhaupt bezahlen zu können.

Ein konkretes Beispiel? Monatliche Garantieprovision i.H.v. €2500.-, der Verkäufer hat lediglich einen Provisionsanspruch für die gelieferten Fahrzeuge i.H.v. €1.200.- – nun „leiht“ der Arbeitgeber dem Autoverkäufer die Differenz zu €2.500.- in unserem Beispiel €1.300.-. Dieses zinslose Darlehen fordert der Arbeitgeber sofort wieder zurück, wenn der Verkäufer einen Cent über die Garantieprovision drüberkommt – kommt er in unserem obigen Beispiel im darauffolgenden Monat auf einen Provisionsanspruch i.H.v. €3.200.- wird somit die Differenz zu €2.500.- vom Darlehen abgezogen und es verbleibt somit noch ein Rest-Darlehen i.H.v. €600.- für den Verkäufer für den kommenden Monat.

Gelingt dem Verkäufer die Rückzahlung nicht, weil er auch im Folgemonat zu wenig Provisionsanspruch generieren konnte wird das Darlehn kumuliert. So passiert es des öfteren dass Verkäufer bedingt durch Lieferzeit, Modellwechsel oder Jahreszeiten 4-5 Monate lediglich das Garantiegehalt beziehen, und die Rückzahlung dann erst in den darauffolgenden Monaten kommt – heisst der Verkäufer liefert viel, hat einen hohen Provisionsanspruch, muss es aber mit dem kumulierten Darlehen der letzten Monate verrechnen.

Meistens gibt es zu einem Stichtag im Jahr (oftmals am 31.12.) eine Kappungsgrenze – d.h. das Darlehen wird dann wieder auf Null gestellt, auch wenn der Verkäufer das Darlehen nicht vollständig zurück gezahlt hat.

By |2012-07-16T11:46:05+00:0016.07.2012|Allgemein|18 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

18 Comments

  1. Observer 15. Oktober 2013 at 17:31 - Reply

    Dann könnte der Mindeststundenlohn dieses System abschaffen?

    • Frank 15. Oktober 2013 at 18:19 - Reply

      Kommt auf die Koalitionsverhandlungen an! 😉

  2. Nico 6. Januar 2014 at 12:54 - Reply

    Hallo zusammen,
    wie könnte es denn aussehen, wenn der Arbeitgeber die Höhe der Garantieprovision, die er bereits seit mehreren Jahren zahlt (jeweils am Jahresende für das Folgejahr neu bestätigt ) plötzlich drastisch reduzieren will ? Wie sieht die Regelung des Gesetzgebers aus ? Kann mir hierzu jemand eine Auskunft geben ?

    • Frank 6. Januar 2014 at 20:12 - Reply

      Hallo Nico,
      wie dies rechtlich aussieht kann ich (leider) nicht beurteilen… – das einzige was sicherlich auch in diesem Fall interessant ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohn#Deutschland – genaueres kann Dir sicherlich ein auf Arbeitsrecht spezialisierter Anwalt sagen… – wenn es nicht nur dich betrifft, kannst du ja mit den anderen Verkäufern gemeinsam zum Anwalt, dann wirds günstiger…

  3. Ramm 13. Februar 2014 at 20:35 - Reply

    Guten Abend, wo ist rechtlich in Schriftforn geregelt, dass eine Verrechnung des Garantieausgleichs erfolgen darf? Eine Vereinbarung in diese Richtung habe ich nie getroffen, es findet dennoch eine Verrechnung statt. Die rechtliche Grundlage dafür kann mir jedoch niemand vorlegen. Bitte um kurze Antwort. Vielen Dank und Gruß

    • Frank 13. Februar 2014 at 21:40 - Reply

      Die Grundlage kann Dir eigentlich jeder in Deinem Autohaus vorlegen – es heisst: Tarifvertrag – und je nachdem wo ihr seid gilt der entsprechende Vertrag als Grundlage

  4. Tim 14. Februar 2014 at 09:53 - Reply

    Veto! Zitat: „Konkret setzt sich das Garantiegehalt aus zwei Teilen zusammen: Dem Fixum und der Garantieprovision.“ Das mag vielleicht auf dich und einige andere zutreffen, aber es ist nunmal kein Standart. Ein Fixum hat nicht jeder Verkäufer, Provisionsmodelle gibt es wie Sand am Meer. Gerade weil du hier auch für Quereinsteiger Informationen geben willst, kannst du das als eine mögliche Vertragsart darstellen – aber nicht als allgemein gültig.
    Sonst sitz nachher noch der nächste, angehende Verkäufer in einem Bewerbungsgespräch und beharrt auf ein Fixum 😀
    PS: Genauso verhält es sich mit dem Tarifvertrag: Nur wenn das Autohaus im Arbeitgeberverband ist, gibt es einen. Und wie kommst du drauf, dass es eine gesetzliche Regelung für das Garantiegehalt gibt?

    • Frank 14. Februar 2014 at 10:56 - Reply

      Tim, Veto (eingeschränkt) angenommen!
      Ich bin kein Arbeitsrechtler – aber es ist schon so das ein sozialpflichtig angestellter Mensch von seinem Arbeitgeber ein Gehalt erwarten kann – aus welchen Komponenten sich dieses Gehalt zusammensetzt ist individuell – aber Geld bekommt er immer! Siehe auch hier: http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__612.html

      Konkret:

      In Deutschland ist die Tarifautonomie grundgesetzlich – Art. 9 Abs. 3 GG – garantiert, das heißt, die Regelungskompetenz für Löhne liegt bei den Tarifparteien. Einen allgemeinen, für alle Arbeitsverhältnisse gültigen und durch Gesetz verordneten Mindestlohn, wie er seit einigen Jahren von den Gewerkschaften gefordert wird, gibt es nicht. Durch Tarifverträge können aber branchenspezifische Mindestlöhne festgelegt werden, insbesondere dann, wenn von den Tarifvertragsparteien ausgehandelte Lohntarifverträge durch einen staatlichen Rechtsetzungsakt, die sog. Allgemeinverbindlicherklärung, als allgemeinverbindlich erklärt werden, d. h. die tarifvertraglich nicht gebundenen Arbeitgeber und Arbeitnehmer dieser Branche werden dadurch dem Mindestlohn des Tarifvertrags unterworfen.
      Für bestimmte Branchen ergibt sich die Rechtsverbindlichkeit aus § 3 Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) in Verbindung mit der Allgemeinverbindlicherklärung des Tarifvertrags nach § 5Tarifvertragsgesetz oder – alternativ – in Verbindung mit einer nach § 7 AEntG erlassenen Rechtsverordnung.[32] Die Branchenmindestlöhne gelten auch für (Leih-)Arbeitnehmer, wenn und solange sie durch ihren Arbeitgeber (Verleiher) einem anderen Arbeitgeber (Entleiher) überlassen werden, der in den Geltungsbereich eines Mindestlohns fällt (§ 8 Abs. 3 AEntG). Daneben kann für die Branche der Arbeitnehmerüberlassung selbst ein Mindestlohn-Tarifvertrag durch eine Rechtsverordnung nach § 3a Abs. 2 AÜG[33] allgemeinverbindlich werden.
      Ein gewisser Mindestschutz hinsichtlich der Höhe des Arbeitsentgelts ergibt sich aus dem Verbot sittenwidriger Löhne (§ 138 Abs. 1 BGB). Sittenwidrige Löhne sind nichtig. An ihre Stelle tritt ein Anspruch auf die übliche Vergütung nach § 612 Abs. 2 BGB.[34] Als sittenwidrig werden Löhne jedenfalls dann betrachtet, wenn sie mindestens ein Drittel unterhalb eines in der betreffenden Branche und Wirtschaftsregion üblicherweise gezahlten Tariflohns liegen.[35] Eine Entgeltvereinbarung kann aber schon bei einem Entgelt sittenwidrig sein, das weniger als ein Drittel vom üblichen Lohn abweicht, denn der Inhalt der guten Sitten im Sinne von § 138 Abs. 1 BGB wird auch durch die Wertungen des Grundgesetzes und einfachgesetzliche Regelungen konkretisiert.
      Aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohn

      Wie du nun die Gehaltsbausteine nennst ist wieder eine ganz andere Baustelle – der Baustein „Fixum“ ist in unserer Branche sehr sehr weit verbreitet – könnte aber genausogut „Garantie“ „Grundgehalt“ oder „Lebensabsicherung“ oder „Abdeckung der innerbetrieblichen Arbeiten“ heißen.

  5. Cali 9. April 2014 at 20:52 - Reply

    Hallo zusammen,
    ich möchte Automobilverkäufer werden und habe das erste Gespräch bei einem Mercedes Vertragshändler in NRW hinter mir und werde in der nächsten Woche dann mein zweites Gespräch haben wo es wohl konkret wird. Ich bin Quereinsteiger 25jahre alt männlich, habe ein abgeschlossenes BWL Studium und einige Praktika im Kfz Bereich.
    erste Frage wie hoch soll das fixum sein (mindestens)
    Zweitens soll ich Neuwagen oder Gebrauchtwagen verkaufen (wurde im Gespräch gefragt und meinte ich kann mir beides vorstellen) was ist besser bzw aktuell lukrativer?
    Und welche Garantie Provision ist angebracht?

    Für eure Unterstützung wäre ich sehr dankbar!!!

    • Frank 9. April 2014 at 21:23 - Reply

      Hallo Cali,
      Also zunächst kannst du dich eigentlich vollkommen frei machen von irgendwelchen Forderungen – es ist alles reglementiert – vorallem beim Stern… – somit wird Dein Gehalt als Nachwuchsverkäufer ca. 2.500 Euro brutto betragen – und während Deiner Ausbildung zum Nachwuchsverkäufer brauchst Du dir keine Gedanken machen was Du zukünftig verkaufen sollst / darfst. Nach Deiner Nachwuchsverkäufer-Ausbildung wirst du ein Gehalt von 460.- Euro brutto als Fixum bekommen, den Rest verdienst Du Dir über die Provision.

  6. Cali 9. April 2014 at 21:47 - Reply

    Besten Dank für die rasche Antwort.
    In deinem Forum habe ich ja von der Garantieprovision gelesen, gibt es diese so gar nicht bei Mercedes? Verdiene ich rein das Fixum plus Provision?
    Und ich muss doch nochmal nachfragen, was denn generell lukrativer ist wenn man sich denn entscheiden kann – also Neuwagen oder Gebrauchtwagen Verkauf? Oder kann man das pauschal nicht sagen? Viel läuft ja auch über Leasing ab, dürfen das beide Verkäuferarten abschließen oder gibt es da auch bestimme Regelungen?
    Ich will wirklich Vollgas geben und ein guter Verkäufer werden, hättest du noch eins zwei gute Tipps für mich.
    Will halt nicht so unwissend starten!!

    Und noch ein Frage. Gibt es da eigentlich eine Unterteilung der Verkäufer
    also Nr 1 verkauft nur a b klasse Nr2 nur s klasse Nr 3 nur ML G etc. Oder verkauft jeder alles?
    Wie ist das bei gebrauchten bekommt man da sein gebrauchten zugeteilt so dass ich sagen kann das ist mein Fahrzeug oder gilt da, dass jeder jeden gebrauchten verkaufen kann.

    Nochmals besten Dank und ja Sorry für die zahlreichen fragen aber du hilfst einem wirklich sehr weiter!!! Top !

    • Frank 9. April 2014 at 23:42 - Reply

      Während der Ausbildung zum Nachwuchsverkäufer erhälst du ein Festgehalt, keine Garantieprovision, kein Fixum – nur ein ganz normales Einkommen welches für die Zeit Deiner Ausbildung fix ist. Ob Neuwagen oder Gebrauchtwagen hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab dass hier wirklich keinerlei Aussagen getroffen werden können – wir kennen weder den Standort, noch die Einkaufs- und Verkaufspolitik, wir kennen keine Daten wie Stückzahlen, Standzeiten oder Deckungsbeträge, sodass hier wirklich nichts fundiertes gesagt werden kann.

      Für kommende Nachwuchsverkäufer habe ich hier alles Wissenswerte zusammengeschrieben: http://automobilverkaeufer-blog.de/meine-tipps-fuer-nachwuchsverkaeufer-bzw-juniorverkaeufer-der-zusammenfassung/

      Noch gibt es keine zugeordneten Verkäufer für spezielle Baureihen… – also alle „dürfen“ alles – sowohl bei GW als auch bei NW – allerdings sind gerade beim Neuwagen-Bereich Tendenzen zu spüren dass bald nicht mehr jeder alles verkaufen kann…

  7. PaRi 12. Mai 2014 at 11:45 - Reply

    Hallo,

    ich suche nach Informationen zu den Verdienstmöglichkeiten als Automobilverkäufer bei BMW in Deutschland (RLP).

    Mein Mann hat in dieser Woche (Mittwoch) eine Vertragsverhandlung, er wurde durch ein Headhunting abgeworben. Da er in dem jetzigen Autohaus (italienische Modelle) sehr wenig verdient, ist es schwer abzuschätzen mit welcher Vorstellung zum Jahreseinkommen (Fixum) man überhaupt in die Vertragsverhandlung geht…..

    Hoffe so sehr hier Info’s zu bekommen….

    Tausend Dank im Voraus und viele Grüße!

    • Frank 12. Mai 2014 at 12:13 - Reply

      Hallo PaRi,
      Wenn es eine BMW-Niederlassung ist brauchst Du Dir bzw. dein Mann keine Gedanken für irgendwelche Gehaltsforderungen machen – da ist alles standardisiert – heisst Fixum und Provision etc. stehen in Stein gemeißelt fest – da gibts nix zum Reden und auch nix zum Verhandeln – und meines Wissen ist die Verhandlungsbasis bei den großen BMW-Gruppen ähnlich bei Null – weil alles standardisiert!

      • PaRi 12. Mai 2014 at 12:20 - Reply

        Hui, danke für die schnelle Antwort.

        Es ist ein Familienbetrieb, keine eigene BMW Niederlassung. Ein Betrieb mit Neuwägen/Gebrauchtwägen/Mini und i-Serie. Ausschließlich BMW. Der Betriebsleiter meinte es ist eine Verhandlungssache und am Mittwoch ist der Termin mit dem Personalchef….

        • Frank 12. Mai 2014 at 15:15 - Reply

          Hallo PaRi, also alles was ich weiß ist das auch für die Handelsbetriebe ziemlich reglementiert und standardisiert bzw. eher noch schlechter wie bei einer Niederlassung. Fixum bewegt sich bei ca. 600 Euro, Provision bei ca. 1,2% + Bank-Prov. (meistens 0,5%). Das einzige was man wirklich verhandeln kann ist die Zeit und die Garantieprovision – also das Gehald bis die ersten Provisionszahlungen kommen.

          Wenn Du es genauer haben willst, eröffne einfach einen neuen Thread im Forum: forum.automobilverkaeufer-blog.de – denn hier kommt nur der „vorbei“ der sich mit Garantieprovision auseinandersetzt und deswegen meinen Beitrag liest…

  8. Jennii 2. Februar 2015 at 07:28 - Reply

    Hallo!
    Ich habe eine kurze Frage zu diesem Artikel… Ich bin keine Automobilverkäuferin aber arbeite auch mit Provision aber beziehe auch Festgehalt. Das Arbeitsverhältnis beginnt am 1. März. Das Festgehalt liegt bei 1.000 € und durch das MiLoG müsste ich eine Garantieprovision von 400 € (38 Std/Woche) bekommen. Wenn ich jetzt mehrere Monate unter meiner Garantieprovision arbeite und dann beschliesse das Arbeitsverhältnis zu beenden, was passiert dann mit meinem „Darlehen“? Muss ich das zurück zahlen oder habe ich dann einfach keinen Anspruch auf mein letztes Monatsgehalt.

    • Frank 2. Februar 2015 at 18:55 - Reply

      Also – lt. Gesetz musst du nichts bis zur gesetzl. Mindesthöhe zurückzahlen – die ist mittlerweile fest zementiert durch das Gesetz.

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