In einer Pressemitteilung verkündet Mobile.de spätestens ab Herbst 2013 eine Neuwagenbörse im Internet zu integrieren! Solche Nachrichten sollten uns Autoverkäufer wachrütteln!

Für einen Autoverkäufer der Neuwagen verkauft gibt es eigentlich nur ein Reizwort welches seine ganze Ausbildung, sein Tun und die berufliche Zukunft in Frage stellt: INTERNET – oder konkretisiert:

Neuwagen-Angebote im Internet

Das Internet verändert alles – und eigentlich sind wir Automobilverkäufer ja immer noch in einer Branche inder das World-Wide-Web noch nicht so gnadenlos zugeschlagen bzw. durchgeschlagen hat, wie in anderen Branchen – Noch! Denn nachdem im Buch / CD / Bekleidungsvertrieb die Recourcen nahezu ausgeschöpft sind orientieren sich Branchengrößen mittlerweile verstärkt anderweitig und was liegt näher als der Automarkt.

Kennt Ihr noch die Schwacke-Liste?

schwacke-listeIm Gebrauchtwagenbereich kennen wir dies schon seit langem – da hat die gute alte Schwacke-Liste – dieses monatlich erschienende Machwerk welches für einen Automobilverkäufer wie eine Bibel war (nicht nur wegen der dünnen Seiten…) schon lange den beiden Internet-Börsen Autoscout24.de und Mobile.de den Platz zur Preisermittlung überlassen – und alles und jeder orientiert sich nur noch an diesen beiden Börsen – Einkäufer (also Kunden) und Verkäufer.

billig, billiger, am billigsten

Ich persönlich verstehe ja nach-wie-vor nicht warum diese beiden Internet-Gebrauchtwagen-Börsen auch noch neben dem Preis (den billigsten zuerst) andere Listen-Sortierungs-Kriterien anbieten – denn: nachdem jemand alle ihm wichtigen Suchkriterien eingestellt hat und auch die regionale Reichweite in Kilometern bestimmt hat regiert eigentlich nur noch ein Thema – finde den günstigsten Gebrauchtwagen!

So machen es Einkäufer im Autohaus, Käufer von Gebrauchtwagen und auch Verkäufer die dem Kunden den Altwagen in Zahlung nehmen wollen – Jeder! Witzigerweise denke ich dass die Sortierungsfunktion die teuersten Gebrauchtwagen absteigend anzuzeigen nur noch von Inzahlungnahmekunden benutzt wird damit sie eine Gesprächsgrundlage bei der Verhandlung haben könnten… könnten – denn ein Klick weiter wird ihnen der Verkäufer diese Illusion vom hohen Preis zerstören indem wieder der günstigste bzw. billigste in der Liste ganz oben steht…

Aber ich schweife ab!

Neuwagen im Internet sollte ja das Thema sein… – So neu ist das Thema im Grunde genommen eigentlich nicht, denn schon seit Jahren haben gewiefte Autohändler diese Gebrauchtwagenbörsen dazu benutzt ihre Lagerwagen mit anzubieten. So Floskeln wie „wird als Vorführwagen zugelassen“, „abzugeben nach 3 Monaten“ oder „Tageszulassung“ machten aus Neuwagen vermeintliche Gebrauchtwagen und so mancher Abmahnverein machte sich einen Spass daraus hier ein unlauteres Angebot zu erkennen. Nun sollen also Neuwagen auch als Neuwagen angeboten werden – Löblich!

Lagerwagen und Händler-Erstausstattungen sind prädestiniert für ein Internet-Portal

Viele deutsche Automobilhersteller unterscheiden sich im Vertrieb vom Automobil-Importeur dahingehend dass sie die Fahrzeuge noch individualisiert bauen (können) – und somit der Kunde sich genau sein Wunschauto zusammenstellen kann. Diese Sonderausstattungs-Schlacht ist aber eigentlich vom Hersteller nicht mehr gewollt – denn dadurch produziert zwar ein Hersteller Fahrzeuge bei denen er sich sicher sein kann dass die sofort verkauft werden und nicht (!) auf Halde stehen, aber durch diese extreme Individualisierung hat ein Hersteller neben dem täglichen Kampf mit dem Zulieferer natürlich auch das Problem dass er die Produktion gleichmäßig auslasten muss – und somit werden Fahrzeuge auf Halde produziert – Lagerwagen also die sicherlich eine gute, wenn auch einheitliche Ausstattung und Farbe haben.

Nachdem aber Lagerwagen auf Käufer warten müssen kosten diese Geld – und zwar doppelt und dreifach – denn durch diese extreme Sonderausstattungs-Schlacht passt eigentlich ein Lagerwagen nie (!) auf die Wünsche des Käufers – und so muss der Käufer mit tollen Marketingmaßnahmen dazu bewegt werden dass ihm ein Lagerwagen dann doch passt. Hier sind unsere Importeure deutlich effektiver – max. 4-5 zusätzliche Sonderausstattungen bzw. Pakete, 8 verschiedene Lackierungen, Punkt. Das was sich aufgrund des langen Transportweges nur so darstellen ließ hat sich in vielen Ländern etabliert – oder glauben sie, dass jeder (!) Käufer in China oder USA bei der Sonderausstattung in den deutschen Premiumprodukten individualisieren kann?

Ende der Sonderausstattungs-Individualisierung-Schlacht

Wir Automobilverkäufer können bereits heute davon ausgehen dass diese Sonderausstattungs-Schlacht bald zu Ende sein wird – wer es noch nicht glauben will denkt mal über „Flottenpakete“ nach. Es hat sich einfach bewährt bestimmte Fahrzeuge mit gewisser Sonderausstattung „von Haus aus“ auszustatten und nur bestimmte Farben für Flotten freizugeben, sowohl im Restwert und / bzw. somit im Abverkauf als gebrauchtes Fahrzeugs nach der Leasingzeit beim Flottenkunden.

identische Fahrzeuge zum identischen Preis

Unsere Kollegen im Gebrauchtwagenverkauf „leiden“ nämlich heute schon darunter wenn 300 identische Gebrauchtwagen auf neue Käufer warten… – denn, was wird wohl das entscheidende Kriterium beim Kauf sein wenn 300 identisch ausgestattete Fahrzeuge mit ähnlichen Kilometerständen angeboten werden? Richtig: der Preis!

Neuwagenbörse = Händlernetzbereinigung durch Dritte

mobile - neuwagenbörseWenn also nun Mobile.de in der Pressemitteilung die Lancierung einer Neuwagenbörse propagiert sollten bei uns Automobilverkäufern und deren Arbeitgebern, den Autohäusern die Alarmglocken schrill läuten, denn dies ist nichts anderes als eine weitere Runde in der Händlernetzbereinigung – denn in einer Neuwagenbörse wird dem vermeintlichen Käufer, der am Küchentisch in Castrop-Rauxel nach einem Neuwagen Ausschau hält natürlich die „verderbliche“ Ware, die Lagerwagen nun mal darstellen, offeriert. Zig identisch ausgestattete Fahrzeuge – bis auf die letzte Schraube gleich ausgestattet und auch preislich absolut identisch!

Der Käufer am Küchentisch in Castrop-Rauxel hat keine Unterscheidungskriterien mehr – es ist ja alles identisch – somit wird das gleiche passieren wie im Gebrauchtwagengeschäft mit Flottenfahrzeugen: Der Preis entscheidet! Er muss ja nicht mehr ins Autohaus und sich mit Autoverkäufern unterhalten – er hat ja alles auf dem Bildschirm was er braucht!

Autoverkäufer, Glaspaläste? Wozu?!?

Er kauft den silbernen XXX mit Paket YYY und bezahlt dafür ZZZ. Die Auslieferung kann dann der Händler vor Ort übernehmen – der dann zum ersten Mal den Kunden sieht (und vielleicht auch zum letzten Mal…) – ansonsten kann der Kunde auch noch in den werkseigenen Auslieferungszentren sein Fahrzeug übernehmen und sucht sich „sein“ Autohaus erst zur Inspektion.

Halt, Stop

– vielleicht sieht der Verkäufer den Kunden doch noch vor der Inspektion – und zwar bei einer Probefahrt die er im Internet gebucht hat… – oder bei der (Nach-)Erklärung von gewisser erklärungsbedürftiger Sonderausstattung… – und somit wird schnell eins klar – Neuwagenbörsen werden zum Jobkiller bzw. zunächst zum Gehaltskiller von Automobilverkäufern!

Natürlich wird man ihnen erzählen dass sie ja die Chance haben bei der Probefahrt eine Kundenbeziehung aufzubauen die den Kunden dann schlussendlich dazu bewegen soll doch bei ihnen zu kaufen – dieses Märchen hat auch mein örtliches Reisebüro geglaubt bei dem ich immer meine Kataloge abgeholt habe um dann die Reise IM INTERNET ZU BUCHEN. Mittlerweile bietet er Reisen in seinem Reisebüro eigentlich gar nicht mehr aktiv an sondern ist eine GLS-/Hermes und Postfiliale bei dem man auch einen Reisetipp bekommen kann…

Google & Co. kommen erst noch

Spätestens wenn der Suchmaschinen-Monopolist GOOGLE auf den Zug aufspringen wird und auch in Germany eine Autobörse im Internet offeriert wie er es bereits in anderen Kontinenten derzeit sehr erfolgreich testet, werden Automobilverkäufer zu Auslieferern und Probefahrts-Übergebern.

Neuwagen-PreisvergleicheNach den Neuwagenbörsen werden sicherlich Preis-Vergleichsportale wie billiger.de, check24.de, trivago.de etc. dann auch noch die Auto-Angebote miteinander vergleichen und mit diesen Tools am Küchentisch in Castrop-Rauxel hat der Kunde den wir gar nicht kennen, nicht sehen und auch keine Beziehung aufbauen können uns Autoverkäufer endgültig abgeschafft!

Horror-Szenario? Was denkt ihr?