Heute ist der 2. Mai – gestern war somit der 1. Mai – deutschlandweit ein gesetzlicher Feiertag – überall – in jedem Bundesland – für jeden…

Als ich heute in der Früh mein Firmenhandy anschaltete begrüßte es mich neben den üblichen Tönen mit der Nachricht dass zwei Anrufe auf meiner Mailbox wären… Zwei Anrufe, am Tag nach einem Feiertag zu so früher Stunde?
Ich tippte auf die Mailbox-Taste und hörte die nette Stimme sagen, dass der erste Anruf gestern, am ersten Mai um 8:13 Uhr war… – Am Feiertag um kurz nach acht Uhr morgens… – kopfschüttelnd hörte ich dann folgenden Text den mir ein Kunde auf der Mailbox hinterließ: „Guten Tag Herr XXX, mein Name ist YYY, wir haben doch morgen bei Ihnen im Haupthaus eine Probefahrt…“ – ich drehte den Radio leiser damit ich mich auf den nun kommenden essentiellen Inhalt besser konzentrieren kann – „und da wollte ich fragen, ob die Zufahrt zu Ihrem Haupthaus derzeit aus der nördlichen Richtung aufgrund der Baustelle in der ZZZ-Strasse auch möglich sei…“
Mir fiel fast meine Kaffeetasse aus dem Hand… Am FEIERTAG um kurz nach acht Uhr MORGENS mich anzurufen um mir eine Frage zur städtebaulichen Veränderung in der innerstädtischen Verkehrsführung zu fragen… – Wahnsinn…

Feiertag, Kundenerwartungen und mein Privatleben

Aber es kam noch besser: kaum hatte ich diese Nachricht gelöscht, kam natürlich die nette Dame von der Mailbox mit der zweiten Nachricht an mein Ohr: „Empfangen am 1. Mai um 19:32 Uhr“ – und, wie könnte es anders sein, gleicher Kunde (!) rief mich noch mal (!) an um noch mal die selbe Frage zu stellen! – am Feiertag, am Abend, um 19:32 Uhr.

Umgang mit Menschen ist nicht gleich Umgang mit Verkäufern

Keine Entschuldigung dass er am Feiertag anriefe, kein Hinweis dass er überhaupt wisse dass ein Feiertag wäre, keine Entschuldigung für die Uhrzeit, nichts… Selbst wenn ich Tags drauf mit einem Spezl mich zum Essen verabredet hätte und nun nochmal eine Rückfrage gehabt hätte, würde ich nie auf die Idee kommen vor 11:00 Uhr und nach 18:00 Uhr am Feiertag bei ihm anzurufen – das ist im normalen Umgang zwischen Menschen auch – wie ich finde – ein ungeschriebenes Gesetz – aber anscheinend gilt soetwas nicht für die Beziehung zwischen Kunden und Verkäufern.

Kundenerwartung vs. Taktgefühl

Es ist gelinde gesagt eine Frechheit mich wegen diesem „Grund“ überhaupt anzurufen, getoppt wird das ganze dann aber über die Zutaten „Feiertag“ und „Uhrzeit“! Die Kundenerwartung ist hier anscheinend gewesen, dass ich zu jeder Tages- und Nachtzeit an jedem Tag im Jahr für den Kunden sämtliche städtebaulichen Veränderungen mit der Verkehrsleitzentrale der Stadt abgestimmt habe um dann, wenn diese Frage kommen würde schnell und kompetent Auskunft zu geben…

Ehrlich, selbst wenn ich ans Telefon gegangen wäre, hätte ich diese Frage nicht beantworten können da ich am Tag vor dem 1. Mai nicht im Haupthaus war und somit auch die in Frage gestellte Strassenbaustelle zuletzt vor vier Tagen befahren habe – und da war sie befahrbar…

was bitte denkt sich so ein Kunde bei so einem Anruf wirklich – oder denkt er überhaupt was? Welche Erwartung verknüpft so ein Kunde mit diesem Anruf?

Ein Haupthaus, ein Brandcenter ein größeres Haus also mit einem größeren Kundenaufkommen wird niemals von der Außenwelt abgeschnitten sein, wenn irgendwelche Straßenbauarbeiten durchgeführt werden – niemals! Und wieso ruft er deswegen den Automobilverkäufer an, der mit ihm lediglich eine Probefahrt vereinbart hat?

Kopfschüttelnd sitze ich auch jetzt noch vor dem Rechner! Ich bin nur froh dass schon seit Jahren eine ganz strikte Trennung zwischen Firmenhandy und Privathandy habe. Dies hat mehrere Vorteile, unter anderem den, dass ich mich erst heute über diesen Anruf ärgern musste und nicht schon gestern – am Besten noch um 8:13 Uhr am Feiertag… – meine Frau hätte sich schönstens bedankt, wenn wir beide wegen dieser „lebensnotwendigen Frage“ aus den Träumen an einem Feiertag gerissen worden wären…

Die Kundenerwartungen werden größer, aber auch schlimmer

Die Kundenerwartung hierbei kann ich nicht nachvollziehen, aber ich bin stolz darauf, dass ich schon vor langer Zeit begriffen habe, dass auch Automobilverkäufer „nur ein Job“ ist – und kein Lakaien oder Sklaventum. Somit werde ich auch weiterhin mein Firmenhandy ca. eine Stunde nach Dienstschluss ausschalten und an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen ausgeschaltet in der Schublade belassen!