Die letzten beiden Wochen waren mal wieder geprägt von der Dschungel-Show des Trash-TV-Senders RTL. Irgendwie war es mal wieder wie bei einem schlimmen Autounfall oder anderen Dingen die wir eigentlich nicht sehen wollen, aber nicht wegschauen können.

Ab und zu habe auch ich es mir in den letzten Wochen nicht nehmen lassen und den allabendlichen Klamauk im Fernsehen live verfolgt. Oftmals habe ich mich gefragt, warum sich diese Menschen (auch e-Promies sind Menschen!) das antun. Irgendwann sind mir sehr starke Parallelen aufgefallen zu meinem Beruf und auch ich frage mich persönlich mindestens einmal in der Woche – warum ich mir das antue…

autoverkäuferSowohl Melanie Müller als auch Michi Wendler und ich haben irgendwann mal zusagt bei einer Reality-Show mitzumachen, weil wir am Ende eine Entschädigung in Form von Geld versprochen bekommen haben. Sicherlich ist die Entlohnung zunächst die Motivation Dinge zu tun die wir ohne Entlohnung sicherlich nicht machen würden… – allerdings sollte man immer sich immer selbst hinterfragen ob man in diesem Reality-Format noch mitspielen will und ob der schnöde Mammon es Wert ist das alles auf sich zu nehmen, und viele von uns haben sicherlich mehr als einmal bereits davon geträumt sich in die Mitte des Autohauses zu stellen und den Satz der Sätze zu schreien:

Ich bin ein Autoverkäufer – holt mich hier raus!

Um dann, wenige Minuten später alles hinter sich zu lassen und einfach das Reality-Format „Automobilvertrieb“ zu verlassen. Beim Wendler – da sind sich alle einig – war dieser Zeitpunkt von ihm sicherlich nicht gut gewählt, und er selbst hat für sich auch schon diese Einsicht walten lassen, spätestens als er wieder zurück ins Camp wollte… Wenn ich irgendwann mal soweit bin das ich den Satz der Sätze rufe, möchte ich nicht ein paar Stunden später wieder reumütig bei meinem Verkaufsleiter an der Tür kratzen und meine eigene Entscheidung zu revidieren versuchen.

Jeder muss für sich selber entscheiden wann es reicht, wann man aus der Reality-Show aussteigen will und auch die Gründe für einen Ausstieg muss jeder für sich selber definieren und mindestens einmal im Monat überprüfen ob die Grundlage zum weitermachen noch gegeben ist.

Ich habe für mich und mit meiner Frau eine ganz klare Absprache zur Konsequenz aus meiner persönlichen ToDo-Liste und die lautet schlicht und einfach:

ziele autoverkäufer

Den Inhalt, also das „WAS“ muss wie gesagt jeder für sich selber definieren! Ich für mich habe einen ganzheitlichen Ansatz mit Priorisierung auf die eigene Gesundheit und den Zeitbedarf gewählt und der lautet:

Wenn die tägliche Show im Autohaus mir an meine körperliche Substanz geht, wenn also mein Körper in Form von stressbedingten Zivilisationskrankheiten wie z.B. Neurodermitis, kreisrunder Haarausfall oder als letztes Warnsignal ein Hörsturz mir aufzeigt, dass ich etwas ändern soll, werde ich sofort und auf der Stelle die Reißleine ziehen. Das gleiche gilt, wenn der Job mir die Zeit nimmt, die ich benötige um zu Leben, Zeit die ich gerne mit meiner Familie verbringe, Zeit mich um meine Hobbies zu widmen, aber auch Zeit für mich selber.

Somit überprüfe ich peinlich genau was meine Gesundheit macht und wieviel Zeit mich der Job monatlich über den normalen Zeitaufwand „kostet“. Klar hat hier sicherlich jeder eine andere „Schmerzgrenze“ und damals als ich noch Single war und keine Familie hatte, war das Thema zusätzliche Arbeitszeit gar kein Thema – wenn ein Kunde nur am Samstag nachmittag um 16 Uhr Zeit hat, war das kein Problem für mich, genauso am Freitag abend um 20 Uhr – ich war bereit und da. Dies hat sich sicherlich mittlerweile geändert – und wenn (m)ein Kunde kein Verständnis dafür hat, dass ich am Samstag nachmittag meinen Sohnemann lieber auf dem Fussballplatz zusehe, als ein Auto zu konfigurieren, dann ist das nicht MEIN Kunde – und wir haben sicherlich genug Verkäufer die sich rührend um diesen Kunden kümmern… – gleiches gilt wenn ich am Freitag abend lieber beim Zubettgehen meiner Kinder am Kinderbett Märchen vorlese, als im Autohaus irgendwelche Geschichten… Witzigerweise haben allerdings die meisten Kunden dafür Verständnis, und wie gesagt – wer kein Verständnis hat, wird bei meinen Kollegen besser aufgehoben sein.

Jeder von uns sollte so eine ToDo-Liste haben um dadurch seine persönlichen Ziele / Gründe auf seiner ToDo-Liste „überwachen“. Bewusst habe ich für mich das Thema „Geld“ vollkommen ausgegrenzt – denn wenn ich wirklich den Geldfaktor in meine ToDo-Liste und Überlegungen aufgenommen hätte, hätte ich schon lange den Satz der Sätze rufen müssen. Wenn ich mir vorstelle wie alles um mich rum (auch die Autos die ich tagtäglich verkaufe) immer teurer werden, nur meine Entlohnung eher sinkt und eigentlich wenn man ehrlich ist immer weniger Gehalt am Ende des Monats da ist, und man diese Entwicklung nur durch noch mehr Arbeitseinsatz kompensieren kann, hätte ich sicherlich spätestens kurz nach der Abwrackprämie das Camp verlassen müssen…

Allerdings habe ich sicher auch die Entlohnung auf dieser ToDo-Liste aber mit einer anderen Gewichtung. Ich habe dieses „Schmerzensgeld“ bewusst nicht auf Priorität 1 denn mit Geld kann man sicherlich vieles begründen/aufrechnen bzw. sich selbst solange schönreden bis man es selber glaubt, aber leider – und das ist halt nun mal die Wahrheit: Geld ist nicht alles – und Geld alleine kann viel, aber es kann allerdings weder heilen noch dir das zurück geben was man anderweitig verliert bzw. verloren hat, während man Geld verdienen wollte…

Und so gesehen ist mein persönliches tagtägliches Dschungel-Camp sicherlich anders und sicherlich nicht mit dem zu vergleichen was M. Wendler und M. Müller in den letzten zwei Wochen durchgemacht haben – allerdings – bei denen waren es „nur“ zwei Wochen, mein eigenes Dschungel-Camp läuft bereits im 16. Jahr und ich war sicherlich schon das eine oder andere Mal auf dem Thron aber sicherlich mindestens doppelt so oft auch in irgendeiner Dschungelprüfung – die gleichzeitig auch eine Prüfung für mich, mein Leben als Verkäufer aber auch meiner eigenen ToDo-Liste war und ist.