Ich beschwer mich jetzt auch mal… ;-)

//Ich beschwer mich jetzt auch mal… ;-)

Ich beschwer mich jetzt auch mal… ;-)

Liebe Mitstreiter um den automobilen Kaufkunden ich glaub ich werde mich jetzt auch mal beschweren – ich weiss zwar noch nicht wo und wie und auch nicht warum – aber ich glaube man hat einfach Vorteile in der Welt der Dienstleistung wenn man dies tut…

Wieso ich auf diesen schmalen Grat komme?

Ganz einfach – weil ich es (mal wieder) am eigenen Leib und schlußendlich am eigenen Geldbeutel gemerkt habe, dass es was bringt sich zu Beschweren – also mir persönlich hat das gar nichts eingebracht, ausser nen Haufen Ärger, Schreibkram und weniger Provision – aber dem Kunden hat´s ne ganze Menge eingebracht…

Es gibt so Tage und Stunden da weiß man eigentlich schon nach den ersten beiden Sätzen die man mit einem „Interessenten“ gewechselt hat, das wird nix! Psychologen können das erklären – das hat viel mit Harmonie, Sympathie, Sprache, Geruch etc. zu tun. Der alte Spruch

„die können sich nicht riechen“

kommt eigentlich genau aus dieser These – aber natürlich gilt das für uns Verkäufer nicht – wir müssen jeden „riechen“ können… – weil wir sind ja Schauspieler – jeder von uns – und auf unserer „Bühne“ Autohaus und Schreibtisch gibt es das „nicht riechen können“ einfach nicht – also es gibt es schon – aber sowohl Dienstleistungsgedanken, Provisionsdruck als auch Verkaufsleiter machen uns klar dass es dieses Phänomen nicht gibt – wir müssen mit JEDEM können… – ein Unding, aber es ist nun mal so – und so lange sich dies in den Köpfen von uns und unseren Vorgesetzten, ja sogar unserer Gesellschaft nicht anders einnistet habe ich nun mal mit jedem zu können – aus basta!

Im Privatleben suche ich mir die Menschen die ich an mich ran lasse gezielt aus, und noch gezielter wirds bei Menschen die mir nah und näher kommen… Ich hatte mir zwar mal in der Pubertät eingebildet ich könnte auch mit jeder… bin damit aber schnell auf die Schnauze geflogen und die Körbesammlung wuchs und wuchs… – aber ich schweife ab, obwohl -> vielleicht war es diese Körbesammlung die mich geprägt hat, und die mir gezeigt hat: Nein, ich kann nicht mit Jeder/Jedem…

Nun ja, was soll ich sagen – ich hatte also mal wieder so einen vor mir sitzen – und ich glaube wir beide waren uns von Anfang an unsympathisch… Aber nachdem ich ja schauspielender Dienstleister mit äußerst niedriger Schmerzgrenze bin und ich unbedingt diesen Monat noch einen Lagerwagen verkaufen wollte um unbedingt dieses Incentive (nochmal 400.- Euro pro Fahrzeug Provision on top) haben wollte, musste ich ran, obwohl ich eigentlich nicht wollte, nicht konnte…

Jaja – der schnöde Mammon…

Das Ende vom Lied bzw. von der Verkaufsverhandlung war, dass wir meilenweit auseinander lagen – monatlich fast 90 Euro netto und beim Inzahlungsnahmepreis auch nochmal ein Garantiegehalt eines Ladenverkäufers… – als ich mich preislich nicht mehr bewegen konnte, stapfte er wütend aus dem Autohaus und ich machte brav meine Eintragung mit CRM-System. Mittlerweile bin ich ja sehr „brav“ geworden mit meinen Eintragungen, denn früher hatte ich schon öfters mal Kraftausdrücke etc. benutzt… – aber man(n) lernt ja nie aus – und somit schrieb ich nur: „Kunde hat überzogene Preisvorstellungen beim Altwagen und stellt sich eine L-Rate vor die um 90 Euro unter dem Angebot mit xxx% liegt.“ Fertig.

Business as usual. Denkste!

Die Eintragung war noch keine 24 Stunden alt, als mich mein Verkaufsleiter zum Diktat, ähhh… zum Gespräch bat – und mir eine zweiseitige E-Mail vorlas… Ich mag das ja, wenn man mir was vorliest, das erinnert mich immer wieder an damals als ich Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen bekam – und so eine Gute-Nacht-Geschichte war dies auch – ein Märchen: Bis auf seine Preisvorstellungen war alles aus der Phantasiewelt!

„Schriftsteller“ bekommen bessere Konditionen

ich-beschwer-mich-jetzt-auch-malNachdem wir in unserem System ja alle Angebote dem Verkaufsleiter zeigen können bzw. er Zugriff darauf hat (btw. hab ich eigentlich dies datenschutzmäßig erlaubt…) ist er dann in mein Angebot gegangen und hat mit viel Stirnrunzeln die Kalkulation angeschaut. Ja, sie war am Limit kalkuliert – und der Altwagen war – vorbehaltlich der Begutachtung auch schon am Limit kalkuliert… soweit sogut – ich habe mir nichts vorzuwerfen, aber anscheinend brauchte mein Verkaufsleiter die Stückzahl noch dringender wie ich – und deshalb ging das Gefeilsche nun los – mit der Bank, mit der GW-Abteilung, mit dem Papst (…oder so…) und irgendwann – ich war immer noch gegenüber von ihm gesessen, schnürte er mir dann ein preisliches Paket für diesen Kunden, bei dem so mancher VIP sicherlich blaß, ganz blaß und übellaunig werden würde, nämlich ganz weit weg von meinen Vorgaben, von den Vorgaben des Hauses und der Marke…

Mit einem „Na also“ zeigte er mir die Kalkulation und bat mich nun den Kunden anzurufen. Pflichtbewusst tat ich wie mir befohlen und rief im Beisein der Verkaufsleiters beim „Unsympathen“ an – natürlich freundlich, natürlich nett – um dann kurz nach dem „Hallo..“ ihm die freundige Botschaft zu übermitteln dass wir nun „fast“ auf seine Forderungen eingehen und er bitte Stift bereit legen soll, damit er die Bestellung die in den nächsten Minuten kommt sofort unterschrieben zurücksenden kann – dem konnte er kaum wiedersprechen, denn das Angebot war echt Hammer! Dementsprechend bekam ich die Zusage, und wenige Minuten später auch die unterschriebene Bestellung die mein Verkaufsleiter wieder mit „Na also“ quittierte.

Rohertrag bei Fast-Null

Beim Blick auf die Provision für dieses „Geschäft“ wurde meine Laune auch nicht gerade besser – ein hoher zweistelliger Betrag bei einem Lagerwagen i.H.v. 50´Euro… – Mit einem Blick auf den ausgelobten Incentive den ich damit erreichte nahm ich das ganze zähneknirschend hin, wohl auch wissend, dass ich den Vertrag nun fertig mache, aber mein Vorgesetzer die Auslieferung und Rücknahme selbst übernehmen will bzw. muss, da ich im Osterurlaub bin… – und schließlich will der Verkaufsleiter diesen Kunden ja „persönlich emotional abholen“ – na dann…

Ich hab mir auf jeden Fall mal eine Kopie des Kundenschreibens unter meine Schreibtischunterlage gelegt – es kommt bestimmt der Tag da werde ich mich beschweren – aber sowas von… – und wenn ich dann auch diese Extrem-Sonderkonditionen bekomme, soll es mir Recht sein – der Zweck heiligt (anscheinend) immer noch die Mittel… Wer schreibt bekommt bessere Konditionen – ein umgekehrtes „Wer schreibt, der bleibt“.

Vielleicht finde ich ja zu Ostern nun ein Produkt dass ich unbedingt kaufen will… – das wird meine Oster-Such-Challenge…

– in diesem Sinne: Frohe Ostern!

By |2015-03-31T09:22:38+00:0031.03.2015|Allgemein|5 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

5 Comments

  1. hannes 31. März 2015 at 10:30 - Reply

    Super Frank, tolle Geschichte.
    Live aus dem realen Verkäuferleben.
    Wer dieses Theater mitmacht lässt dich zu einer prostituierenden Marionetten degradieren.

  2. Bayer 31. März 2015 at 17:05 - Reply

    Ist doch super! Erstell dir ein Musterschreiben mit eben jenen Einwänden und überreich es jedem Interessenten falls du wieder einmal Stückzahlen brauchst! Tip: immer vor deinem Urlaub 🙂 Spieß umgedreht. Ach, noch etwas: Schlag deinem VKL mal vor, er soll sich mal Gedanken machen was „verkaufen “ eigentlich bedeutet. Einmal mit Profis arbeiten…

  3. Gernod Krämer 13. April 2015 at 20:34 - Reply

    ´Leider gibt es immer wieder vereinzelte Kunden, die nicht bedenken, dass preiswert nicht gleich geschenkt bedeutet. In solch einem Fall muss man sich dies als Verkäufer immer wieder bewusst machen, auch wenn man selbst überlegter als Kunde auftreten würde.

  4. Ralf 22. Juni 2015 at 12:55 - Reply

    Das ist kein Einzelschicksal.

    Gebrauchtwagen verkauft im Februar 2015 mit 24368km auf dem Tacho.
    Seither knapp 18000km gefahren.
    Jetzt quitscht die Bremse. Ergebnis: Bremse vorne ist runter…

    Beschwerde vor Ort mit meinem Hinweis das die Bremse nicht auf Garantie getauscht werden kann da es sich um ein Verschleißteil handelt.

    Gespräch mit dem VKL

    Brief an die Geschäftsleitung

    Ergebnis: neue Bremsen kostenlos

    Begründung: Der Kunde ist ein Meinungsbildner in einer großen Firma mit fast 800 Angestellten

    Ich wußte bisher nicht das ein Auslieferungsfahrer auch Meinungsbildner sein kann.

    Man lernt nie aus

    • Michi 29. Juni 2015 at 20:20 - Reply

      Solche Kandidaten sind mitunter der Grund, weshalb wir (wie andere Gebrauchtwagenhändler auch) nur an gewerbliche Exportkunden verkaufen… und das ist gut so!

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