Hochsommer – keine Kunden im Autohaus aber Krawattenzwang bei 30 Grad?

//Hochsommer – keine Kunden im Autohaus aber Krawattenzwang bei 30 Grad?

Hochsommer – keine Kunden im Autohaus aber Krawattenzwang bei 30 Grad?

Es ist Sommer – endlich! Es hat ja lange genug gedauert – und sicherlich ist diese Jahreszeit gerade in unseren Breitengraden von nur kurzer Dauer, aber dennoch für Automobilverkäufer im Ladenverkauf eine sehr kritische Zeit!

Bei Temperaturen über 30 Grad verirren sich ganz wenig Personen in ein Autohaus – sondern genießen diese wenigen schönen Tage an Seen, in Freibädern oder Gärten oder Balkonien. Die Telefonaquise läuft auch nur bedingt weil viele Kunden auch verreist sind, Neuwagen werden aufgrund von Werksferien nicht produziert und das was vorher bereits produziert war wurde bereits geliefert – schließlich will der Kunde ja mit dem neuen Fahrzeug in den Urlaub fahren… Ich empfinde den Hochsommer als Phase zum Luftholen zum Urlaub machen, zur Vorbereitung auf den Jahresendspurt und auf die neuen Modelle die dann im Herbst präsentiert werden – sowohl bei „meiner“ Marke als auch beim Mitbewerb.

Deshalb war ich letztens, auf dem Weg nach der Arbeit zum Badesee noch auf einen Kurzbesuch in einem größeren Autohaus eines Mitbewerbes. Beim Bau dieses tollen, imposanten CI-konformen Neubaus wurde aber anscheinend vergessen eine Klimaanlage oder irgendetwas für die Raumtemperatur im Showroom einzuplanen denn bereits an der Eingangs-Schiebetür lief ich in eine Luftwand von sehr warmer, stickiger Raumluft. Eigentlich wollte ich mir noch ein spezielles Modell kurz genauer ansehen, aber als ich die Fahrertür öffnete sah ich im Instrumentenkombi die Aussentemperatur von 29 Grad aufleuchten – Aussentemperatur bedeutete in diesem Fall Raumtemperatur!

Ich ging noch schnell zu einem Verkäufer und wollte einen Prospekt holen, als mein Besuch nicht unerkannt blieb – ein ehemaliger Kollege hatte in der Zwischenzeit in diesem Autohaus angeheuert und erkannte mich. Nach dem kurzen Smalltalk schaute ich ihn mir genauer an: Wie aus dem Herrenausstatter-Katalog stand er vor mir – im Anzug, mit langärmligen Hemd, mit Krawatte – ich weiß nicht, was mir mehr Schweissperlen auf die Stirn zauberte – sein Outfit oder die Kombination Outfit und Raumtemperatur – aber ich beschloss das Gespräch nun schnellstmöglich zu beenden und in mein klimatisiertes Auto zu steigen bevor ich in meinem eigenen Saft vor mich hin schmorrte – aber dennoch erzählte er mir beim Rausgehen und nachdem ich ihn auf sein Outfit angesprochen hatte, dass dies Wunsch der Autohausleitung wäre – eine Premiummarke verdiene dieses Outfit! Aha…

Beim Rausgehen sah ich noch den Verkaufsleiter, ohne Krawatte, kurzärmlig, ohne Sakko – Vorleben von Firmenwerten und –philosophien sieht anders aus dachte ich mir und war froh dass meine Klimaanlage mich schon nach wenigen Metern wieder runterkühlte – ohne Kravatte!

By |2012-08-22T17:16:11+00:0022.08.2012|Allgemein|4 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

4 Comments

  1. Derek Finke 22. August 2012 at 18:17 - Reply

    Frank, das ist schon abenteuerlich. Am Bankschalter renn die Leute ja auch so herum, aber da ist es in der Regel klimatisiert. Aber im Autohaus? Mal ganz unabhängig von diesem Unsinn namens „Premiumgehabe“ frage ich mich, wer jemals die Kunden danach gefragt hat, ob sie einen Autoverkäufer so erwarten?!

    Und was den Verkaufsleiter betrifft: So was geht ja gar nicht. Wasser predigen und Wein trinken.

  2. Frank 22. August 2012 at 18:23 - Reply

    Nein Derek, gefragt hat die Kunden vermutlich niemand, und selbst gehen die Kunden ja auch Premium hin Premium her nicht (mehr) davon aus – das sehe ich tagtäglich an meinen Kunden und wie die mir gegenübertreten… Stichwort: Flip-Flops und kurze Hosen…

  3. Marc 20. September 2012 at 21:35 - Reply

    Ich und das restliche Team von rund 30 Verkäufern eines bedeutenden Amerikanischen jedoch Inhabergeführten Automobilherstellers in Norddeutschland, haben mal zu hören bekommen, dass das Sakko immer anbleibt. Dass das Hemd immer lange Ärme zu haben hat, das verstehe ich noch, aber Sakko bei über 30°C grenzt schon an vorsätzlicher Körperverletzung! Ich persönlich habe es immer drauf ankommen lassen – Sakko nicht an, ab 12h Krawatte ab – frei nach dem Motto : Schmeiss mich doch raus wenn Du meinst einen besseren zu finden der das machen will 🙂
    PS. schlimmstes Wort in Deinem Beitrag: Telefonaquise (kalt vielleicht auch noch?)mfg

  4. Frank 20. September 2012 at 22:46 - Reply

    Naja… – diese „Schmeiss mich doch raus…“-Taktik kann gut gehen, muss aber nicht! Ich weiss sowieso nicht warum man erwartet dass ein Automobilverkäufer in Anzug und Krawatte dem Kunden gegenübertritt – oder anders gesprochen – die Kunden kommen in kurzen Hosen und T-Shirt und ich bezweifle dass die einen Verkäufer erwarten der seine Kompetenz über die Krawatte bzw. den Anzug zur Schau stellt…

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