Habt ihr schon mal wirklich ein Elektroauto verkauft?

//Habt ihr schon mal wirklich ein Elektroauto verkauft?

Habt ihr schon mal wirklich ein Elektroauto verkauft?

Letzte Woche war es mal wieder soweit – ein Kunde betrat den Schauraum und wollte weitere und nähere Infos über ein Elektroauto haben. Ich musste zunächst überhaupt mal die Unterlagen im Prospektearchiv suchen gehen um sie dann auch noch von der zentimeterdicken Staubschicht zu befreien. Während ich also pustete und mit einem Lappen (zum Glück liegt in jedem gut angelegtem Prospektearchiv immer (!) ein Lappen, wischte – holte ich mein gleichfalls verstaubtes Grundwissen aus einer der letzten Verkäuferschulungen hervor…

Ich übergab die Unterlagen dem Kunden und es kam wie es kommen musste – er verwickelte mich in ein Vorteil-Nachteil Gespräch… – Soweit eigentlich auch bei anderen Autos die ich so anbieten kann, üblich, wenn ich bei dem Elektroauto nicht nur die Nachteil-Argumente hätte auffüllen können – aber so sehr ich mich auch bemühte in meinem Spontan-Erfahrungsschatz nach Argumenten zu suchen, die für ein Elektroauto sprechen könnten, so wenig konnte ich hervorbringen. Es gibt irgendwie bei uns aktuell dieses Elektroauto irgendwie nicht so, wie es sich die Planer und Denker in den Konzernzentralen vorstellen.

Für mich persönlich hat dieses Elektroauto in der Form wie es derzeit angeboten wird lediglich zwei Gründe: a) Verbesserung der Klimabilanz bzw. des CO2 Ausstoßes in der Flottengesamtbetrachtung des jeweiligen Herstellers und natürlich B) irgendwas zwischen Innovation und Abstrahleffekt in Richtung Marketing das man Klimaziele und technische Innoationen irgendwie verstanden hat – oder um es mit meinen Worten zu sagen:

So ein Elektoauto beruhigt das herstellereigene Gewissen ungemein ohne zu schaden!

Mir kommt es ein wenig so vor, als ob alle deutschen Automobilhersteller zwar derzeit wirklich in der Lage wären, so ein Elektroauto produzieren zu können, aber schlußendlich sowohl Infrastruktur als auch Hardware derzeit noch nicht in der Lage sind, dieses Konzept massentauglich zu machen. Alleine wenn ich mir das leidige Thema „Elektrotankstelle“ ansehe, dann wird schnell klar, dass so ein Elektoauto aktuell gar kein Massenprodukt werden kann und darf, denn die Möglichkeiten zur Wiederaufladung sind sogar in den deutschen Großstädten so rar gesäht, dass man mit der Reichweite eines solchen Elektroautos oftmals gar nicht von der einen Tankstelle zur anderen kommt – und irgendwo unterwegs „mal schnell“ nachtanken, konnte zwar damals Berta Benz, aber mit einem Elektroauto ist dies so einfach nicht möglich… Auch weil ich im Internet dann weitere Informationen zur Elektromobilität recherchieren wollte – das durchschlagende „Must-Have“ Argument gibts von keinem deutschen Automobilkonzern zum aktuellen Stand der Elektrofahrzeuge.

Wie so ein flächendeckendes Elekto-Tankstellennetz europaweit funktioniert zeigt der Elektrofahrzeugpionier Tesla sehr eindrucksvoll. Aktuell bietet Tesla 459 Supercharger-Stationen mit 2.565 Supercharger-Ladeplätzen – das kann so weder ein deutscher Autobauer noch ein Tankstellenbetreiber anbieten – Tesla macht´s und sichert sich so wichtige Vorteile in einem Markt der vielleicht in den nächsten Jahren zu einem wichtigen Markt werden könnte.

Hier haben die deutschen Hersteller einfach mal gar nichts vorzuweisen, sondern verweisen immer gerne auf andere. Der Autobauer auf den Tankstellenkonzern – der Tankstellenkonzern auf die Nachfrage – und der Kunde auf die mangelnde Unterstützung in Form von Subventionen sich mit dieser Form der Mobilität anzufreunden.

Allerdings, selbst wenn die Versorgung mit Tankstellen gewährleistet wäre, hilft es recht wenig – denn den aktuellen Elektroautos fehlt es nicht nur an der Infrastruktur, sondern auch an der Hardware – denn wenn im Winter bei Minus 20 Grad mit Heizung und Licht die Rechweite eines Elektroautos die eines herkömmlichen Fahrzeug mit zwei Litern Resttreibstoff im Tank nicht übertrumpfen kann, wird auch dem innovativsten Menschen schnell klar, dass Elektomobilität hier nicht wirklich mit Mobilität zu tun haben kann – denn bei Reichweiten unter 50km sprechen wir eher von immobilität…

Vielleicht liegt es daran, dass ich schon seitdem ich in der Branche bin sowohl den Benzingeruch als auch diesen Sound eines 8 oder 12 Zylinders liebe, aber ich habe noch kein Elektoauto verkauft – ihr?

By |2015-07-08T19:09:28+00:0008.07.2015|Allgemein|3 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

3 Comments

  1. AntecZ 16. Juli 2015 at 07:32 - Reply

    Hallo Frank,

    ja, ich habe schon einige Elektrofahrzeuge verkauft. Renault hat den Vorteil, dass die Battiere nicht gekauft wird sondern monatlich geleast – das senkt den reinen Fahrzeugpreis enorm. Wirklich positive Argumente gibt es dafür tatsächlich noch nicht, jeder der des Taschenrechners mächtig ist kann sich selbst ausrechnen dass hier von wirtschaftlichkeit keine Rede sein kann – Ammortisieren tut sich da genau garnichts, es sei denn du legst järhlich deine 40.000 km zurück. Und das bei realitischen 200 km reichweite mit einem 8 Stunden Ladestop. Wer will das schon?

    Unser Kundenanteil besteht zu 90% aus Firmenkunden, die solche Fahrzeuge aus Publicity-Gründen kaufen. Stadtwerke, ein Hörgeräte-Spezialist der damit wirbt, wie leise das Auto ist (der hat nen ziemlich guten Spruch auf die Fahrzeuge geklebt, a là „Wie sie hören, hören Sie nichts – bei dem Auto ist das ok, bei allem anderen bitte zu uns kommen“. Ganz kriege ichs aber nicht mehr zusammen.

    Die einzigen Privatkunden die wir haben sind die absoluten Grünfinger die das Fahrzeug nur kaufen in dem Glauben, der Umwelt damit etwas gutes zu tun, was natürlich genauso Schwachsinn ist – nachweislich erzeugt die Produktion und Entsorgung solcher Fahrzeug erheblich mehr Emissionen als ein thermisches Fahrzeug über seine gesamte Lebenszeit.

    Einzige Ausnahme bildet der Twizy, unser 4-Rädriger Elektro Roller. Das Teil ist a) „günstig“ (unter 10.000€) und b) wird es an der normalen Steckdose geladen; somit sind hier deutlich mehr Käufer für das Fahrzeug begeistern. Wobei wir bei „deutlich mehr Käufer“ von vielleicht 10 Verkäufen pro Jahr sprechen – für insgesamt 12 Verkäufer in 5 Autohäusern.

  2. Rudi 31. August 2015 at 14:36 - Reply

    Ja, in diesem Jahr bereits 3 e-Golf verkauft. Alle an große Firmenfuhrparks, mit einem kleinen Unternehmen hier im Ort sind grad ernste Gespräche. Auch meine Kollegen haben schon ein paar verkauft. Interessant finde ich dabei die Argumentation von AntecZ: denn grade weil die Akkus nicht zusätzlich gemietet werden müssen sondern schon zum Auto gehören, haben sich die Kunden für eben dieses Fahrzeug entschieden. Aber so teilen sich die e-Kunden eben auf und irgendein Hersteller bietet dann das „bessere“ Konzept.

  3. Mario P. 3. Oktober 2015 at 08:57 - Reply

    Hallo zusammen,

    die Gewohnheit ist wie immer fest im Menschen verankert. Viele Autofahrer sind noch nie ein Elektroauto gefahren, urteilen jedoch voreilig. Jeder der zum ersten Mal ein Elektroauto fährt, ist begeistert. Meine erste Fahrt im BMW I3 war genial. Dieser wahnsinnige Vortrieb, welcher durch das Drehmoment der Elektromotoren erzeugt wird und das leise dahingleiten ist wirklich ein Erlebnis. Als Stadtauto ist ein Elektroauto aus meiner Sicht heute schon sinnvoll. Für längere Strecken gibt es oft vom Hersteller günstige Angebote für eine Kurzzeitmiete. Die Angst, dass das Auto zu klein ist und mit der noch geringen Reichweite eine Fahrt in den Urlaub unmöglich ist, kann somit genommen werden. Schließlich muss man nicht das ganze Jahr einen 1800kg Kombi durch die Stadt fahren, nur weil man einmal im Jahr in den Urlaub will. Was die Ladestationen angeht, besteht in der Tat noch Handlungsbedarf. Ich bin gespannt wie es weiter geht.

    Viele Grüße
    Mario

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