Am Wochenende trafen gleich zwei Phänomene aufeinander – deren Auswirkungen mich heute, Montag schon in der Früh in den Bann nahmen: Zeitumstellung und Wintereinbruch!

Ich mag es nicht verstehen und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr verstehen, warum ein Automobilverkäufer immer und für alles – was mal auch so gar nichts mit dem Verkauf von Automobilen zu tun hat, kontaktiert wird.

uhr einstellenAm Wochenende wurde in Deutschland wieder von Sommerzeit auf Winterzeit gewechselt, alle Radio- und Fernsehstationen nahmen dieses Ereignis für Berichte dankend auf und eigentlich hätte doch jeder sich mit dieser Umstellung schon bereits spätestens gestern, Sonntag damit beschäftigt haben sollen… – aber anscheinend sind meine Kunden hier anders – sie rufen lieber am Sonntag (!!) den Verkäufer an und sprechen auf die Mailbox dass sie Hilfe bei den Einstellarbeiten der Uhr benötigen! Sonntags…

Bedienungsanleitung? Internet? Foren?

Ich hätte ja die Bedienungsanleitung rausgesucht wenn ich nicht weiter gekommen wäre, oder das Internet oder oder oder – aber Premiumkunden rufen einfach den Verkäufer an, und so begab es sich dass mein heutiger Arbeitsweg ab 08.00 Uhr früh mit fünf Anrufen bzgl. der Anleitung zum Einstellen der Uhr aufgelockert wurde…

Wintereinbruch?

Ein anderes Phänomen heißt Winterreifen! Das ist wie Weihnachten – jeder ist jedes Jahr wieder überrascht dass am 24.12. Weihnachten ist – und so ist es anscheinend auch mit Winterreifen. Das alte Winterreifen-Gesetz von O bis O – also Oktober bis Ostern – wird ad acta gelegt und es wird locker drauf los gefahren bis, ja bis der Wetterbericht plötzlich Schnee ankündigt!

Wetterbericht meldet seit Tagen 100% Schneefall-Wahrscheinlichkeit

Panik macht sich nun unter den Kunden breit, pures Entsetzen ob der klimatischen Situation und sofort wird der Verkäufer kontaktiert – wehe dem, der dann auch noch den einen oder anderen Kundentermin hat und nicht sofort diesen Anruf entgegen nimmt. Am letzten Freitag war es wieder soweit: Schnee war für Samstag Nachmittag angekündigt… seit Montag… – aber am Freitag ab Mittag ging der Telefon-Terror los – zunächst in unserer Service-Termin-Zentrale, und wenig später dann bei mir!

15 Anrufe, 8 Mailbox-Nachrichten

Nachdem ich am Freitag Nachmittag auch noch drei Neuwagen-Auslieferungen hatte – also von 13 Uhr bis 15 Uhr nicht erreichbar war, begrüßte mich mein Firmentelefon mit sage und schreibe 15 Anrufen in Abwesenheit und 8 Nachrichten auf der Mailbox. Es ist wirklich komisch dass sich die Verhaltensmuster meiner Kunden absolut überdecken – ein Sigmund Freud hätte wahrlich seinen Spass dran gehabt die Anrufe zu analysieren – denn alle Anrufe auf der Mailbox galten einem Thema: „Ich brauche dringend einen Termin für den Winterreifen-Wechsel, und zwar noch HEUTE“ – alle Anrufer hatten bereits im Service-Counter angerufen, dort einen Termin in zwei Wochen gesagt bekommen und darauf hin nun halt mich kontaktiert. Begründet wurde dieser „plötzliche“ Wunsch nach geeigneter Bereifung immer mit einer Fahrt in einen Kurzurlaub oder der Fahrt zur Familienfeier anlässlich des 90. Geburtstag der Erbtante mütterlicherseits oder so…

Kein Termin frei – 100% Ohrfeigengarantie!

Ich habe am Freitag noch alle Kunden schön brav zurück gerufen und mir dann allerhand Ohrfeigen eingeholt – denn ein anderes Phänomen meiner Kunden – und Freud könnte mir dies sicherlich erklären – ist nämlich, dass meine Kunden, sobald etwas nicht so geht wie sie es wollen, drohen! In meinem Fall wurde dann sofort die Kaufentscheidung des nächsten Autos oder des Fahrzeugs der Schwester von der Ehefrau oder oder oder zur Diskussion gestellt, und vom Termin zum Winterreifen-Wechsel abhängig gemacht! Ein absoluter Irrwitz!

wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht… wir schon…

Wir hatten ja schon Anfang der Woche auf die Wetterprognosen reagiert – haben die Bühnen-Auslasung neu verplant, haben uns mehrere Leiharbeiter für den Reifen-An- und Abtransport und die Einlagerung besorgt, haben die Mechaniker-Mannschaft eingeschworen am Freitag länger zu bleiben und und und – also wir haben auf die Wetter-Prognose reagiert und zwar frühzeitig und nicht erst am Freitag Nachmittag – umso mehr bestürzt es mich mit welcher Dreistigkeit von den Kunden diese Prognosen anscheinend überhört und dann erst am Freitag Nachmittag Ernst genommen wurden… – fast schon fahrlässig – und mich dann noch bedrohen dass also dann das nächste Auto nicht mehr bei mir gekauft werden kann, wenn ich sie nun heute Nachmittag nicht noch dazwischen reinschieben könnte…

einen Termin als Geschenk

In der Tat ist dann am Freitag Nachmittag noch ein Termin kurzfristig frei geworden, ein Kunde rief an und sagte ihn ab da er noch in einem Meeting aufgehalten war – Prompt habe ich den Termin neu vergeben!

 Welchen Kunden ich angerufen habe und diesen Kurzfrist-Termin „geschenkt“ habe, wollen sie wissen? Einem sehr netten absolut unaufdringlichen Kunden der sehr höflich mich anrief, wohl wissend dass er (eigentlich) keine Chance für einen solchen Last-Last-Minute-Termin hätte, und der mit mir umging wie man mit einem Menschen umgeht – fair, souverän und gelassen! Der hat sich sehr gefreut und schrieb mir und meinem Chef heute früh sogar noch eine Danke-Email!

Alles richtig gemacht dachte ich mir schon am Freitag als ich mit meinem seit zwei Wochen winterbereiften Dienstwagen nach Hause fuhr – und die Email von heute früh bestätigte es mir eindrucksvoll!