Diesel, Diesel, Diesel… Wie man Autokäufer in die Verunsicherung treibt

//Diesel, Diesel, Diesel… Wie man Autokäufer in die Verunsicherung treibt

Diesel, Diesel, Diesel… Wie man Autokäufer in die Verunsicherung treibt

Wenn man sich die Schlagzeilen der Tageszeitungen und Internetportale ansieht ist man geneigt als Autoaffiner Mensch, nur noch einem Thema hinterher zu hecheln: Skandale um Dieselfahrzeuge. 

…und ich mein nun mal gar nicht das immer noch aktuelle Thema Diesel-Gate in allen Auspräungen und allen Tests, Nachtests, Berichten und aktuellen Gerichtsurteilen – ich meine eher die aus dem Diesel-Gate sich nun entwickelndenden Hasstiraden auf den Selbstzünder.

Wenn das so weiter geht, dann wird aus dem einstmals so erfolgreichen Konzept das 1893 von Rudolf Diesel erfunden wurde, und in der Höhe seiner Entwicklung fast schon 2/3-tel Marktanteil beim Fahrzeugantrieb hatte, bald nicht mal mehr ein Ladenhüter sondern eine „machina non grata“ – und die ersten Anzeichen dass dieses Szenario bald so kommen könnte, sind mehr als vorhanden.

München & Stuttgart

Während der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit seiner grün-schwarzen Landesregierung schon im Februar beschlossen hat, dass Fahrzeuge ohne die strengste Abgasnorm Euro 6 dürfen in Zukunft bei Feinstaubalarm auf besonders belasteten Straßen nicht mehr fahren dürfen, denkt nun Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter auch schon laut über Zufahrtsbeschränkungen für Diesel-Fahrzeuge nach, die nicht der neuesten Abgasnorm Euro 6 entsprechen…

Es ist komisch, dass DIE beiden Städte, die mit ihren Einzugsgebieten als Heimat von DEN deutschen Autobauern gelten, nun so einen Schritt wagen könnten. Nicht nur Mercedes, BMW, Audi und Porsche sind empört und entsetzt – sie geben bereits heute düstere Prognosen ab wenn diese Zufahrtsbeschränkung deutschlandweit in immer mehr Städten Anwendung findet. Zurecht!

Bereits 2015 berichtete der Focus über den Anteil der Selbstzünder:

Audi: In der Kompaktklasse (A1, A3, Q3) liegt der Anteil der Diesel-Motoren bei rund 45 Prozent, in der Mittelklasse (A4, A5, Q5) bei rund 80 Prozent und in der Oberklasse (A6, A7, Q7, A8) sogar bei 85 Prozent.
BMW: In Deutschland beträgt der Selbstzünder-Anteil knapp 70 Prozent, weltweit liegt er knapp unter 40 Prozent.
Mercedes: Eine offizielle Stellungnahme lehnte der Hersteller ab. Aus Konzernkreisen ist zu erfahren, dass Daimlers Diesel-Anteil bei ungefähr 60 Prozent liegt.

Wenn also nun so ein Zufahrtsverbot kommt, müssten die Kunden die vor 3-4 Jahren noch einen Diesel der damaligen EU-Norm 5 gekauft haben, ihr Fahrzeug schnellstmöglich verkaufen um dann ein „sauberes“ Fahrzeug der EU6 Norm zu kaufen… In meinen Augen ist dies eher ein versuch eine andere Variante einer City-Maut wie in London durchzudrücken – natürlich auf dem Rücken der Autofahrer…

Seien wir uns mal ehrlich – schon jetzt sind die Diesel Fahrzeuge als Gebrauchtwagen nicht wirklich die wertstabilsten Fahrzeuge – und der Restwert ist in den Tabellen der konzerneigenen Banken mittlerweile so weit in den Keller gerutscht, dass man für die grafische Darstellung ein nach unten ausklappbares DinA 4 Papier bräuchte – und was meinen nun die Herren aus den Rathäusern, wie sich dieser Trend wohl verhalten wird, wenn nun nach Stuttgart, München auch noch eine Metropole wie Berlin oder Hamburg diesen Diesel-Bann ausrufen wird…?

Natürlich wird sich ein Markt auftun für diese „alten“ Dieselfahrzeuge < EU6 – und ich kann eigentlich jetzt schon vom Schreibtisch aus sagen WO dieser Markt sein wird… Sicherlich im nahen Ausland, sicherlich innerhalb der EU – und somit wird sich dieser Markt nur über den Marktwert regulieren lassen – heisst: Wenn viele Bewohner ihre Fahrzeuge verkaufen, weil sie mit diesen Fahrzeugen nicht mehr in die Metropolen fahren können wird es eine zu erwartenden Dieselfahrzeug-Schwemme geben – viele Autos, sehr viele Autos wollen von den Besitzern verkauft werden – und da brauch ich jetzt auch ein Prophet sein, oder 12 Semester BWL studieren, damit ich somit mir denken kann wohin nun der Preis für so viele Fahrzeuge wohl tendieren wird… – richtig! Nach unten!

wirtschaftlicher Schaden in der Volkswirtschaft

Heisst, der Kunde bzw. Autofahrer alleine hat diesen wirtschaftlichen Schaden, der ursächlich in den Rathäusern stattgefunden hat, auszubaden… Ohne schon feste Prognosen abzugeben, wird vorraussichtlich der gemeine Autofahrer der vielleicht sogar Pendler ist und täglich 100km in die Stadt und 100km nach Hause fährt, hier einen Wertverlust bei einem Mittelklassefahrzeug von ca. 4-5.000 Euro alleine zu stemmen haben… – wie gesagt – so einfach aus dem Bauch raus, fundierte, belastbare Zahlen hab ich (noch) nicht… Er „verliert“ also Geld um sich ein Auto anzuschaffen, was noch gar nicht als Anschaffung geplant war… – vielleicht sind noch nicht mal die Ersparnisse für so ein neues Auto schon in ausreichender Höhe zurückgelegt – wie auch – wenn man nach dem momentanen Wiedermotorisierungszyklus von im Schnitt 6-7 Jahren ausgeht…

…und dann kommt dazu, dass der Kunde aufgrund der ganzen Thematik und Verunsicherung ja gar nicht weiss WAS er sich für die Zukunft kaufen soll… – soll er sich wirklich einen Diesel mit EU6 kaufen – klar – wirtschaftlich betrachtet wäre es über die täglichen Pendler-Kilometer sicherlich ratsam – aber wer weiss was in den Rathäusern, in den Regierungen und im Europaparlament noch so alles, angetrieben vom VW Dieselgate, sich ausgedacht wird…

Ich hatte in den letzten Wochen viele Gespräche mit meinen Kunden – viele sind verunsichert und suchen nach Rat, nach Argumenten – und ich kann ihnen ehrlicherweise kein einziges liefern was aktuell jetzt im Moment hieb und stichfest die Zukunft des Selbstzünders in den Städten und Metropolen prognostiziert. Dieses „Was wäre wenn“-Szenario macht meine Kunden aktuell genauso unsicher wie ihre Kaufentscheidung…

Klar wäre es jetzt noch der Beste Zeitpunkt den Altwagen abzustossen – jetzt, wenn eben noch viele Bürgermeister „nachdenken“ und noch nicht die Fahrverbote ausgesprochen haben – aber klar ist auch, dass die Kunden wirklich und ehrlicherweise nicht wissen WAS sie sich an Stelle ihres EU5 Diesel nun in die Garage stellen…

Vielleicht sollte unsere Politik erstmal mit den Autobauern die Möglichkeiten ausloten die es aktuell gibt um einem Pendler eine wirkliche Alternative anbieten zu können – die staatliche Förderung von Elektrofahrzeugen ist es zumindest nicht – soviel ist sicher! Und sicher ist auch dass die meisten Eletromobile aktuell nicht dazu taugen für Pendler wirkliche alternativen in der Mobilität darstellen zu können – und die Reichweite ist nur eines der Themen die sich daraus ergeben…

Vielleicht sollte unsere Politik erstmal die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten schaffen um Alternativen zu einem EU5-Diesel Einfahrtsverbot den Menschen anbieten zu können, und zwar Lösungen die tragfähig und nachhaltig sind – die auch ökologisch auf Dauer vertretbar sind… – und die auch Leistbar sind für den „normalen“ Angestellten Pendler der täglich 100km zur Arbeit fährt – denn genau für den haben wir Automobilverkäufer nur ein Fahrzeug: Einen EU56-Diesel – der vielleicht morgen schon einen Schummelskandal haben könnte weil irgendeine Getriebesteuerung oder irgendein Relais dann doch noch dem Motor funkt, dass er bitte auf Sparflamme verbrennen soll…

Ich habe die ersten Pendler die sich nun von Ihrem EU5-Fahrzeug getrennt haben, und für den Verkaufserlös nun in einem gebrauchten, benzinangetriebenen Fahrzeug täglich in die Stadt fahren und hoffen die kommenden Jahre den wenigsten, den geringsten Verlust gemacht zu haben…
Klar ist, dass der Diesel sich „über die Fahrleistung rechnet“ – so haben wir es gelernt – aber was bringt es, wenn ich zwar bei einer jährlichen Fahrleistung von 30.000km über den Spritpreis viel Geld sparen könnte, wenn ich dies beim Tausch meines Fahrzeugs von EU5 auf EU-Keineahnung-Antrieb doppelt und dreifach draufzahle…? Ob dies der Weisheit letzter Schluss ist, kann ich nicht beurteilen, aber ich kann jeden meiner Kunden verstehen, die sich aktuell dagegen wehren einfach mal viel viel Geld zu verlieren, bloß weil in irgendwelchen Rathäusern die Bürgermeister mal wieder nicht mit Bleistift und Taschenrechner umgehen können… – und das ist ja nicht wirklich eine Neuigkeit wie wir an so vielen Beispielen tagtäglich sehen – da muss ich nicht mal auf den weltweit ersten CO2-neutralen Flughafen in Berlin blicken…

By | 2017-06-15T07:39:52+00:00 Juni 15th, 2017|Allgemein|2 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer.
Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

2 Comments

  1. Jörg 15. Juni 2017 at 09:46 - Reply

    Hallo lieber Autor,

    ich kann Deiner Argumentation sehr gut folgen. Und Deine Probleme, und die Deiner Kunden, voll nachempfinden.

    Andererseits kann es so, wie die Hersteller und Kunden es gehalten haben, nicht weitergehen.
    Es muss Konsquenzen geben, um die Emmission nachhaltig zu senken.
    Kunden können auch nicht alles auf die Hersteller abstellen.
    Man merkt doch das man mehr in den Tank schüttet als im Prospekt steht. Und dass ich bei höherem Verbrauch auch mehr ausstoßen werde als im Prospekt ist auch klar.

    Ich habe den Job selbst 15 Jahre lang gemacht und der Gesundheit willen aufgegeben. Ich kann mich aber auch an die meisten Kunden erinnern, die bei sparsamen Motoren die Nase rümpfen: „Es soll aber schon vorwärts gehen und 130 PS müssen es schon sein…. “

    Ja, die Hersteller haben uns belogen, wir haben es aber bereitwillig hingenommen, obwohl unsere Autos alle einen höheren Verbrauch und Ausstoß haben. Keiner kann sagen er hätte es nicht gewusst, oder gehahnt.

    Alle müssen das Problem anpacken, Hersteller, Kunden und Politik. Es müssen nachhaltige, ehrliche und Konsquente Lösungen her.
    Bestandsschutz, Keine Neuzulassungen für Modelle die den Bestimmungen widersprechen und die Hersteller in die Pflicht nehmen einen Anreiz zum Entsorgen oder Umrüsten Alter Modelle zu liefern.

    Zum Glück muss ich aktuell nur Auto fahren.
    Mein Passat Variant TDI ist ein Dienstwagen und der A3 meiner Frau ein Benziner. Unseren Privaten haben wir, Gott sei Dank, geleast und brauchen uns um die Vermarktung keine Gedanken machen.
    Der Nächste wird auch wieder im Leasing angeschafft. Bei der Marktlage will ich nicht Eigentümer eines Autos sein.
    Klar wird sich die Marktsituation auf die Restwerte auswirken, in der monatlichen Rate wird es aber nicht so schlimm.

    Ich wünsche Dir viel Kraft im täglichen Geschäft…..

  2. Frank 17. Juni 2017 at 17:53 - Reply

    Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, Politiker benehmen sich manchmal so als würden wir in eine Glaskugel leben. Währen wir hier auch Strengste Abgasnormen achten gehen andere ganz anders und überhaupt nicht Zimperlich mit unsere Umwelt um.

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