Die Arbeitszeiten als Automobilverkäufer – oder: Warum es die 40 Stunden Woche nicht gibt!

//Die Arbeitszeiten als Automobilverkäufer – oder: Warum es die 40 Stunden Woche nicht gibt!

Die Arbeitszeiten als Automobilverkäufer – oder: Warum es die 40 Stunden Woche nicht gibt!

Als Automobilverkäufer hat man (eigentlich) auch einen Arbeitsvertrag – und in diesem sind oftmals so tolle Dinge zu finden die nicht mal die drei Cent wert sind, welche das Papier hierzu kostet! Nachdem die Arbeitszeit schon allein vom Gesetzgeber vorgegebener Bestandteil des Arbeitsvertrags ist, ist diese Arbeitszeit somit auch aufgeführt. Meistens steht in den Autoverkäufer-Arbeitsverträgen sowas drin wie: Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden. Mehrarbeit… blablabla… ist abgegolten.

Schaue ich mir meinen „normale“ Arbeitswoche mal so an – kann ich über so einen Eintrag im Arbeitsvertrag nur milde lächeln. Mein „normaler“ Arbeitstag beginnt gegen 08.30 Uhr, weil ich meinen Kleinsten noch zur Schule bringe und ich als Familienmensch genau diese halbe Stunde in der Früh im Auto mit meinem Sproß mehr als nur genieße – es hat was von diesen Vater-Sohn Momenten! Um 08:30 Uhr bin ich also im Autohaus, was nicht unbedingt heisst, dass ich da erst zum arbeiten anfange, denn schon oft fange ich zum Arbeiten an, wenn mein Kleinster aus dem Auto steigt und ich das Firmenhandy anmache… Meine Mittagspause ist i.d.R. 30 Minuten lang, und das Autohaus verlasse ich gegen 18 Uhr, und gegen 19 Uhr mache ich mein Firmenhandy aus. Summa-Sumarum sind das also täglich 10 Stunden reine pure Arbeitszeit von Montag bis Donnerstag – und somit wäre eigentlich mein Arbeitsvertrag schon am Donnerstag abend erfüllt… Freitags habe ich mittlerweile ein Privileg des Alters – d.h. ich arbeite nur noch ab-und-zu bis 18 Uhr – meistens mache ich schon um 16 Uhr Schluss. Jeden dritten bis vierten Samstag muss auch ich im Autohaus bis 16 Uhr ran.

Wenn man sich also einen feinen Bleistift holt und die einzelnen Zeiten auf einem weissen, karierten Blog notiert fällt schnell auf, dass meine wöchentlichen Arbeitszeiten so in etwa 51 Stunden betragen.

Einer unserer Teampartner, der erst seit zwei Jahren im Autohaus und im Job als Automobilverkäufer ist, kann davon nur träumen… – der werkelt aktuell in der Früh schon vor 8 Uhr, und verlässt das Autohaus auch erst gegen 20 Uhr… – täglich! Nur am Samstag geht er dann auch schon um 16 Uhr – vermutlich aber nur deshalb, weil der Wachdienst genau um diese Uhrzeit die Alarmanlage „scharf“ schaltet – sonst würde er da auch noch bis 20 Uhr durchziehen. Zurückblickend kann ich es natürlich verstehen dass er nach dem Geissen´s Motto „Vun nix kütt nix“ agiert – als Single ohne irgendwelche zwischenmenschliche Verpflichtungen kann er dies sicherlich noch eine zeitlang machen – irgendwann wird er „von oben“ schon seine Warnung bekommen – wie bei uns allen. Ich kenne kaum einen Verkäufer der nicht irgendwann einmal einen gesundheitlichen Warnschuss erhalten hat, und dann plötzlich „aufgewacht“ ist und merkte, dass arbeiten zwar toll ist aber es auch noch was anderes gibt… – das will zwar keiner hören, ist allerdings die Wahrheit! Dieser junge Kerl arbeitet gewöhnlich also ca. 60 Stunden in der Woche… Chapeau!

Ganz bewusst will ich nun nicht auch noch die Stunden addieren, die ich mit VIP-Abenden, Markteinführungen, Golftunieren, Super-Sonder-Schau-Abverkaufsaktionen und Autoschauen am Wochenenden und abends unter der Woche so unter dem Jahr noch an weiterer Arbeitszeit anhäufe… Hier ist es einfach so, dass die Verkaufsleiter uns ja immer und immer wieder sagen, dass sie diese Veranstaltungen immer nur und ausschließlich für uns machen – damit wir Verkäufer was verkaufen können – also glaub ich das natürlich auch! 😉

Ein Kollege von mir vertritt sogar die These, dass „wir“ Automobilverkäufer nur deswegen eine ROLEX SUBMARINER DATE am Handgelenk tragen, um die vielen Blicke auf die Uhr erträglicher gestalten zu können weil uns sonst nix mehr bleibt von der täglichen Arbeitszeit… 😉

Wenn also sich ein (Quer-)Einsteiger für den Job als Automobilverkäufer interessiert, sollte er sich persönlich auch die Frage beantworten, ob er gerade am Anfang die ersten 4-5 Jahre eine wöchentliche Arbeitszeit von ca. 60 Stunden „leisten“ kann… – und das meine ich genau so wie ich es schreibe! Bei einem Einkommen von ca. 2.800 Euro im Monat bedeutet dies nicht nur einen Stundenlohn von ca. 11,66 Euro – es bedeutet auch, dass es viel Entbehrungen gibt, gerade was zwischenmenschliches, familiäres und andere Dinge angeht.

Die sozialen Bindungen leiden unter diesen Stunden genau so wie die körperliche Fitness, die Belastbarkeit und viele viele andere Dinge die man erst dann vermisst, wenn der Leidensdruck steigt. Kurzum: Als Single ohne Nachwuchs, ohne irgendein Hobby, ohne irgendwelche partnerschaftlichen Verbandelungen und ohne Anspruch an ein Privatleben sind 60 wöchentliche Arbeitsstunden über Jahre hinweg machbar. Als Familienvater mit nur einem Nachkommen und einer funktionierenden Partnerschaft sind diese 60 wöchentliche Arbeitsstunden bereits schwer zu realisieren, nicht nur weil sich vielleicht die Prioritäten verschieben, sondern auch, weil durch diese vielen Arbeitsstunden der Druck von Partner und Kind extrem wächst – schließlich wollen die (eigentlich) auch ein Stück vom täglichen Zeitkonto für sich beanspruchen… – und so zerplatzt nach Jahren der Entbehrung oft etwas, was wir „alten Hasen“ bereits mehrfach durchgemacht haben – oder uns gerade noch rechtzeitig ändern konnten… – und mit jeder zerplatzten Partnerschaft kann auch wieder ein Stück Druck mehr auf uns lasten – und das Hamsterrad dreht sich noch schneller…

Im Prinzip kann man den Spruch der für eine Partnerschaft gilt: „Drum prüfe wer sich ewig bindet…“ auch 1:1 für ein vermeintliches Engagement als Automobilverkäufer in einem Autohaus heranziehen – auch hier sollte man sich klar werden, dass die ersten 4-5 Jahre weder finanziell noch was die Arbeitszeiten angeht ein Zuckerschlecken werden! Nur wer dies genau prüft und mit sich, seiner Familie, seinem Hobby, seiner körperlichen Konstitution genau diesen Umstand genauestens prüft, wird in dieser Zeit nicht scheitern – und vielleicht sogar einen tollen Job machen können – über viele viele Jahre hinweg – vielleicht…

By | 2016-02-02T07:33:28+00:00 Februar 2nd, 2016|Allgemein|31 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

31 Comments

  1. Marc 2. Februar 2016 at 08:57 - Reply

    Das ist mal wieder mehr als zutreffend, was du geschrieben hast! Mir ist es inzwischen egal ob ich morgens später komme, weil mir meine Kinder einfach wichtiger sind aber diese Einsicht kommt erst mit dem „Alter“

  2. Georg Friesinger 2. Februar 2016 at 11:34 - Reply

    Hallo Frank,

    das ist eine offene und ehrliche Einschätzung, die mir aufgzeigt, was auf mich zugekommen wäre, wenn ich in den Berufszweig eingestiegen wäre. Ich bin selber leidenschaftlicher Autoliebhaber und all das was dazu gehört. Hatte daher auch überlegt, eine derartige Ausbildung zu beginnen.

    Frage von mir wäre jetzt machst du den Beruf immer noch gerne?

    Gruß Georg

  3. Ralf 2. Februar 2016 at 13:39 - Reply

    Leider ist es genauso wie du schreibst.
    Stunden ohne Ende, gut verdient, privat schickes 3er Cabrio + Dienstwagen mit Tankkarte, super.
    Dann !
    Mit 33 Jahren Herzprobleme. Zwangspause.
    Das war der Schuss vor den Bug!!
    In den vielen Tagen danach überdenkt man so einiges.
    Ich habe gekündigt nachdem aus „meinem“ Betrieb keiner so richtig wissen wollte wie es mir geht sondern eher wann ich wieder da bin, wer die Auslieferung MüllerMeierSchulz macht, welche Preisänderungen anstehen, usw. usw.

    Von den gescheiterten Beziehungen wegen akuter Vernachlassigung spreche ich gar nicht erst.

    Gesundheit ist durch nichts zu ersetzen und Freundschaften sind nicht zu kaufen !!!!!!!!!!!!!!!!!!

  4. Alex 2. Februar 2016 at 19:21 - Reply

    Lieber Frank,

    darf ich fragen, warum Du Dir den Job irgendwann mal ausgewählt hast!?
    Oder anders: warum machst Du ihn überhaupt noch!?
    Du klingst leider nicht glücklich.
    Wie viele Autos würdest Du verkaufen, wenn Du noch brennen würdest oder könntest…?

    Love it!
    Change it!
    Or leave it!

    Schönen Gruß

    • Frank 2. Februar 2016 at 20:33 - Reply

      Doch doch Alex – ich persönlich bin immer noch glücklich in meinem Job! Wieviele Autos ich verkaufe? Genügend, um mich, meine Familie und meinen Verkaufsleiter immer wieder glücklich zu machen – was allerdings nicht wirklich von der puren Stückzahl abhängig ist – dies lieber Alex ist nämlich der Irrglaube dem anscheinend auch Du erlegen bist!

  5. SSZ 2. Februar 2016 at 19:53 - Reply

    Also ehrlich in anderen Berufszweigen als Verkäufer ist es kein Stück anders.
    Ihr seit nicht die einzigsten die Leiden.

    • Frank 2. Februar 2016 at 20:31 - Reply

      Was mich allerdings nicht davon abhält genau darauf hinzuweisen!

  6. Michi 2. Februar 2016 at 22:37 - Reply

    Trefflich und realitätsnah geschrieben! Tröstlich ist die Erkenntnis nach dem man deine Zeilen gelesen hat, dass man nicht der einzige Geisteskranke in dieser weiten Welt ist. So freue ich mich jedes Mal auf deine Ausführungen.

  7. Pascal 3. Februar 2016 at 07:36 - Reply

    Alles völlig korrekt dargestellt. Der Leistungsdruck ist im Automobilvertrieb ungleich höher als bei manch anderen Tätigkeiten, da muss ich SSZ widersprechen. Gerade als Provisionsempfänger mit schmalem Fixum ist man schnell mal auf dem Abstellgleis, da denken Gehaltsempfänger nicht mal dran.

    Lieber Alex, das ist einfach gesagt und ganz sicher kein Freibrief, um alle Missstände und Mehrbelastungen zu legitimieren. Friss oder stirb, nein ganz sicher nicht. Noch sind wir keine Sklaven!

    Ähnliche Verhältnisse erlebt man immer öfter. Der Verkaufsleiter eines Bekannten hat ihm nach 20 Berufsjahren, als er einige Missstände anprangerte, mitgeteilt: „Wir haben doch in Deutschland freie Berufswahl.“

  8. Gustaf Larson 5. Februar 2016 at 21:47 - Reply

    Danke für Ihre Ausführungen. Diese decken sich mit unseren Erfahrungen. Auch können wir unseren Vorrednern zustimmen – der Druck scheint sich aktuell in allen Branchen zu verstärken und setzt sich im Konkreten von Produzenten – über Importeure – Grosshändler bis zu den kleineren Garagisten und Verkäufer fort. Allerdings ziehen auch wir alle an einem Strang und lieben unseren Job. Beste Grüsse aus der Schweiz!

  9. E.Er 18. Februar 2016 at 12:49 - Reply

    Danke für diesen tollen Artikel! Jetzt kann ich mich ein wenig rein versetzen was es bedeutet ein Autohändler zu sein. Als Außenstehender denkt man, es kommen Kunden ins Autohaus, man zeigt 2-3 Autos und zum Schluss wird gekauft. Ich hätte nicht gedacht, dass es so hart ist! Trotzdem wünsche ich dir noch viel Erfolg in diesem Beruf, denn du anscheinend noch gerne machst. Gruß

  10. Marco 22. Februar 2016 at 16:46 - Reply

    Treffend. Aber solange man nicht diesen persönlichen Knallpunkt erreicht hat werden viele nicht wirklich verstehen was Du meinst. Bei mir ging irgendwann nichts mehr. Der Punkt war überschritten und mein Körper hat abgeschaltet. 20 Std Schlaf am Tag, 7 Wochen weg vom Fenster. Heute sind die Prioritäten etwas anders geordnet. Der Job bleibt Zeitintensiv aber er ist nicht alles. Den jeder von uns hat nur ein Leben und meine Familie ist mir dann doch wichtiger als das Bankkonto meines Chefs.

  11. Zilo 22. Februar 2016 at 17:38 - Reply

    Sehr schöner Beitrag, der das Arbeitsleben der Autobilverkäufer einem sehr nahe wiedergibt. Wie E.Er bereits geschreiben hat verkäuft sich ein Auto nicht von selbst.
    Man muss seinen Kunden etwas bieten un ihn zu binden. Ich kaufe heute noch gerne bei meinem Autoverkäufer, mittlerweise ist es fast eine freundschaftliche Verbindung. Ich fühle mich da gut aufgehoben!

  12. G 23. Februar 2016 at 17:40 - Reply

    Hallo Liebe Kollegen,

    ich gebe dem Frank in Hinsicht der Arbeitszeiten recht. Als Verkaufsberater hat man in keinster Weise einen 8 Std. Arbeitstag. Jedoch muss ich dazu sagen, dass wir einen Leistungsjob ausüben. Und unser Geld von verkauften Autos verdienen. Klar kann man seine Zeiten einhalten und nach Hause gehen. Aber ich bin mir sicher, dass die Verkaufszahlen darunter leiden werden. Also muss man sich überlegen, ob man Verkäufer bleiben möchte oder nicht. Dann sollte man doch überlegen, einen Bürojob anzunehmen und dort seine reinen 8 Std. arbeiten, um pünktlich das Licht auszumachen.

  13. Mayer 24. Februar 2016 at 11:13 - Reply

    Hallo Frank …

    Ich bin zufälligerweise auf dieses Forum gestossen ….da ich den Beruf des Autoverkäufers 28 Jahre ausgeübt habe kann ich deine Zeilen leider nur bestätigen. Ich ( 50 Jahre ) hatte das Glück in einer Zeit Autos zu verkaufen , wo es noch lohnenswert war. Diese Sitution wird auch niemals mehr kommen , da es viele Faktoren gibt die dabei ein Rolle spielen. Als erster Grund muss man sehen , wie sich ein Interessent heute gibt ( Rabatt Gespräche , zig Angebote , usw. ) desweiteren sehe ich ein riesiges Problem bei den Marken , die die Händler mit allen möglichen Auflagen konfrontieren ( ISO , Zertifizierung , Pul Lagenwagen…nur um ein paar Dinge zu nennen ) .
    Ein weiteres Problem für unseren Geldbeutel ist die darauf hin konsultierende Marge , die immer geringer wurde und dazu die nicht mehr zeitgerechten Provisionen.
    Im Jahr 2008 war ich auf einem Seminar in Brühl , da äußerte damals ein pfiiffiger Trainer , das der Beruf Automobilkaufmann im Umbruch ist und das es in 15 Jahre diesen Beruf in der Form nicht mehr gibt.

    ich musste oft an diesen Herrn denken , mittlerweile glaube ich auch daran.
    Wenn heute eine junge Person mich nach diesem Berufsbild fragt , kann ich nur verneinen , da Zeitaufwand zu Lohn nicht mehr im Verhältnis steht , bei uns war dadurch eauch eine starke Fluktration des Personals zu sehen , da viele meinten schnelles Geld zu verdienen.

    Alles in Allem kann man sagen das ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe ….man muss schon verückt sein , aber ich trauere heute noch meinem Beruf nach.
    Aufgrund einer Augenerkrankung bin ich in Rente ….

    Alles Gute , viel Gesundheit Ralph452

  14. Daniel Haida 24. Februar 2016 at 14:16 - Reply

    Hallo Frank,

    vielen Dank für diesen ehrlichen Artikel.

    Ich war schon seit ich denken kann ein Auto Narr und habe nach meinem Schulabschluss vor einigen Jahren mit dem Gedanken gespielt, mich als Automobilkaufmann ausbilden zu lassen. Habe den Plan dann allerdings verworfen, als ich die Arbeitsbedingungen in einigen Örtlichen Autohäusern miterleben durfte.

    Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich für diesen Beruf entscheidet.

  15. KlausK 28. Februar 2016 at 12:33 - Reply

    Hoi zsämme,

    der Artikel bringt es so ziemlich auf den Punkt. Ich komme aus der Timesharebranche, und das war schon ein ziemlich harter Verkauf. Zumal die Leute ja „cold“ zu uns kamen, und wir nur einen Showroom und Emotionen hatten. Von daher dachte ich, mich kann nichts erschüttern, als ich für Subaru Schweiz Autos zu verkaufen anfing. Das war dann aber ein Fall von Denkste. Geld verdienen ist in dieser Branche nicht mehr drin. Was es Dir bringt ist in der Regel eine kaputte Beziehung, Kinder, die Dich mit Onkel ansprechen, und eine Gesundheit, die man so nicht mehr nennen darf

  16. Christian 5. März 2016 at 14:21 - Reply

    Hallo,
    klare und ehrliche Worte, vielen Dank für die aufklärenden Worte.
    Bisher war mir nicht bewusst, wie lange Autoverkäufer arbeiten müssen. Das ist echt heftig.
    Gruß
    Christian

  17. Schatten 8. März 2016 at 11:05 - Reply

    Hallo Frank,

    leider sind deine Angaben zutreffend. Besteht jedoch die Situation der Jüngste in einer alternden Abteilung zu sein, kommen gut und gerne noch ein paar Stunden dazu, da die älteren Kollegen gerade Samstags entlastet werden müssen. Ursprünglich habe ich nach dem Abitur bewusst diesen Job gewählt, weil mein Vater gar mythisch von seinen eigenen Berufserfahrungen schwärmte. Eine Zeit in der um den Samstagsdienst gekämpft wurde, da es schon fast eine Garantie für zwei Verträge gab. Die Verkäufer, Männer direkt unter der Geschäftsleitung, angesehen,vermögend,respektiert.

    In der komplett nutz-, und fruchtlosen Ausbildung kam dann die Ernüchterung. Von den zwei Highflyern abgesehen, die Stammgäste beim Kardiologen sind, bestehen die Kollegen aus einem Teil Altverkäufer, die täglich vergangen Zeiten hinterweinen, einem Teil euphorischer Jungverkäufer, die gefühlt wöchentlich wechseln und einem Teil genügsamer Schatten, die nie auffallen und einfach lethargisch ihrem Alltag nachgehen. Die Wertschätzung der Verkaufs- und Geschäftsleitung gegenüber den Verkäufern ist äußerst gering. Ausgezeichnet als bester Azubi meines Jahrgangs wurde ich dann in die Neuwagen- Premiumabteilung unseres Hauses verfrachtet, an einem hässlichen und provisorischen Arbeitsplatz. Zum Ärger der alteingesessenen Verkäufer. Und entgegen meiner Wünsche, denn diese Abteilung war die schwerste zum Einstieg.
    Das ich trotzdem der beste Juniorverkäufer in der Gruppe war, wurde nur in einem Nebensatz erwähnt.
    Mittlerweile orientiere ich mich um. Witzigerweise merken die Chefs, dass es kaum möglich ist kompetente Verkäufer zu finden. Seit einem halben Jahr ist eine Stelle unbesetzt. Wer tut sich auch so einen Job noch an?
    Ich würde jedem davon abraten, besonders von der Ausbildung. Eine absolut lächerlich Nummer.

  18. Bayer 11. März 2016 at 22:31 - Reply

    Ich habe gekündigt. Bin in Zukunft im Außendienst für eine erfolgreiche, große Firma tätig. Verdiene mit dem Einstiegsgehalt deutlich mehr, habe flexible Arbeitszeiten und habe somit in Zukunft das was ich wollte: Eine Entwicklungsmöglichkeit. All das ging mir zuletzt vermehrt auf die Nerven und ich merkte wie es mich auslaugt.

  19. Stefan 15. März 2016 at 13:33 - Reply

    Sehr guter Artikel,

    mich würde mal interessieren wie viel Provision Ihr so bekommt? Damit sich die eventuellen Überstunden überhaupt lohnen?

    Bei meiner letzten Inspektion habe ich auch kurz mit einem Verkäufer gesprochen, der eigentlich nur kurz da war und erst später arbeiten wollten. Aber wie es so ist, waren wir kurz danach in einem 1,5 stündigen sehr informativen Verkaufsgespräch. Da ich allerdings noch nichts kaufen wollte, war es für den Verkäufer letztendlich Mehrarbeit, die sich dann doch nicht gelohnt hat. Da muss man schon viele Gespräche führen.
    Knochjob, es wäre wohl nichts für mich.

    Danke für den augenöffnenden Einblick

  20. Mayer 18. März 2016 at 17:21 - Reply

    Hallo zusammen,
    In der langen Zeit in dem ich den Beruf ausgeübt habe, war immer von fast allen Seiten die einhelige Meinung : lockererr Job, da binde ich mir eine Krawatte um und setzte mich an einen Schreibtisch und plaudere ein bisschen und ruckzuck habe ich mal im Vorbeigehen 200 Euro brutto verdient. Pustekuchen ….getrieben von Kunden, vom Verkaufsleiter , die AQNW Zahlen sind nur 83,5 Prozent , die Reparaturkosten sind bei den GW zu hoch ….ich könnte noch zig andere Sachen aufzählen. Und dann kommt noch eins dazu , das man an der Magnettafel am 15 ten des Monat nur 2 Autos zu verbuchen hat. Gott sei dank war es bei mir in den 30 Jahren nicht so .
    Ich hatte natürlich, das Glück in einer Zeit in der Automobilbranche Autos zu verkaufen wo es noch lohnenswerter war. Ich hatte eine sehr hohe Kundenbindung, für dich ich auch sehr viel getan habe, mit disen Kunden konnte über die Jahrzente gut leben …..Ich war der Einzigste der 14 Tage vor Weihnachten meine ganzen Kunden die ein NW in dem abgelaufen Jahr gekauft haben anzurufen und ihnen mich für den Kauf zu bedanken…..eine Menge Arbeit aber der Einzele Kunde hat es mir oft zurückgezahlt. Ich musste immer wieder feststellen , das Kollegen von mir sich Stunden , so hat es sich angefühlt , mit Interessenten im Laden aufgehalten haben, die gar keine direkte Absicht hatten ein Auto zu kaufen. Zur gleichen Zeit liefen , dann Personen auf sem Freigelände herum , die nicht angesprochen wurden…..da muss ich sagen das ein Verkäufer die Ballance finden muss und wissen muss wann Schluß ist. Der Ein oder Andere Kunde äusserte sich als bei mir : sie haben aber nie lange Zeit für mich. ….Was mir immer wieder aufgefallen ist, das sich viele Autoverkäufer .als Berater sehen, das sagt wo alles , beraten ja aber man muss auch verkaufen. Bei einem von mir besuchten Seminar hieß es vor Jahren ( Französische Marke ) die Beratung ist bei den Verkäufer Note 1/2 , aber von getesteten 300 Verkäufern hatten nur circa 40 Personen eine Abschlußfrage gestellt.
    Das gab mir damals doch sehr zu denken.
    Ein weiterer Punkt ist den ich für sehr wichtig halte ist der Punkt , das man bei Abwesenheit, bei Krankheit, bei Urlaub usw. Den Kunden gebensmühlenartig im beibringt wenn der Kollege das Auto verkauft verdiene ich nichts ich hatte in den 30 Jahren , die ich Autos verkauft habe ich immer meinen Kunden dies eingebläut……ich kann sagen es half ich hatte jedem dies auch unter die Nase gerieben…
    Es ist auch wichtig über sich etwas preis zu geben, das sich auch eine Kunde mit der Person indefiezieren kann.
    Es gibt in dieser Branche manche die verkaufen Montags einen Neueagen und wissen nach fünf Tagen nicht mehr wie der Kunde heisst..
    Bei mir war es bei Verkauf immer so , das es 365 Tage Aktionen gab und man musste auch ab und zu mal bden Vertrag rausholen ohne Aufforderung…
    Ich hatte vor langer langer Zeit , mal ein Bericht im Spiegel gelesen über die stressreichsten Berufe …..da war Automobilverkäufer im Ranking ganz weit oben ,also vorsichtig

    Das wars mal wieder ,meine Augen machen nicht mehr mit

    Gruss an Gilde

  21. Martina A 2. April 2016 at 04:14 - Reply

    Hallo,

    die 40 Stunden Woche ist ein Mythos in allen Dienstleistungsbranchen. Das ist nicht nur bei Autoverkäufern so. Auch in der Hotellerie und Gastronomie würde sich jeder Angestellte über nur 40 Stunden freuen. Meist sind es mindestens doppelt so viel. Einen rechtlichen Schutz gibt es dagegen leider nicht.

  22. Laura 29. April 2016 at 16:10 - Reply

    Hallo,
    ich habe ein Assesment Center bei einer Premiummarke vor mir. Habe gerade durch Zufall diesen Blog gefunden und bin jetzt etwas irritert, weil ich lese, dass es teilweise 60 Stunden in der Woche sind und viele durch diesen Job körperlich oder geistig krank wurden. Ich hab durch die Kommentare bedenken, ob dass dann überhaupt Gesundheitlich zu schaffen ist?!

  23. Felix Br. 6. Mai 2016 at 15:01 - Reply

    Danke für diesen ehrlichen Beitrag! Ich bin seit Kind an größter Autofan, habe mich allerdings „damals“, mit 19 Jahren, für den falschen Ausbildungsberuf entschlossen. Nun, 4 Jahre später ist mir klar geworden, dass ich definitiv Autoverkäufer werden möchte. Die 3,5 Jahre Ausbildung zum Elektriker waren pure Qual. Deine Ansprache mit dem sozialen Umfeld sollte mir normalerweise zu Denken geben, aber nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, bin ich dennoch froh darüber, dass ich mich dennoch dafür entschieden habe, mich Anfang nächsten Jahres zum Automobilkaufmann ausbilden zu lassen. Es ist ein Traum von mir und ich kann es verstehen, wenn wer genauso denkt und in dieser Branche einsteigen möchte.

  24. T.Schrauber 13. Mai 2016 at 15:22 - Reply

    Die 40-Stunde-Woche wird von den meisten nur akzeptiert, da wir eine kapitalistischen Gesellschaft haben. Die meisten Kaufen jetzt und zahlen später. Das ist der Fehler an der ganzen Geschichte

  25. Joseph 28. Mai 2016 at 00:32 - Reply

    40 Stunden Woche – oftmals sind diese Stunden nicht einzuhalten, genau aus diesen Gründen die zuvor genannt würden. Leider sind nicht nur Automobilverkäufer von mehr Arbeit betroffen, auch einige andere Branchen haben darunter zu leiden. Der Automobilmarkt ist, auf jeden Fall eine sehr spezifische Branche – denn ein Auto verkauft sich nicht von selbst. Die Kunden muss man gewinnen.

  26. Paul20 7. Juni 2016 at 14:41 - Reply

    Hallo,
    klare und ehrliche Worte, vielen Dank für den aufklärenden Artikel.
    Bisher war mir nicht bewusst, wie lange Autoverkäufer arbeiten müssen, aber ich hätte mir das denken können. Natürlich muss man bestimmte Chancen nutzen und wenn eventuell Kollegen anrufen oder man ein guten Preis ergattern kann sollte man immer erreichbar sein.
    Wer Druchhaltevermögen zeigt wird aber im Endeffekt belohnt !

  27. Simon 7. Juni 2016 at 18:35 - Reply

    Die 40 Stunden Woche mal wieder. Immer mehr sieht man das viele Firmen einen Zeitlich ausnutzen um Umsatz zu machen. Das ist eben der Nachteil wenn man Arbeitnehmer ist, man kann nicht wirklick bestimmen wie viel und wann man Arbeiten will. Selbstständigkeit ist eine Alternative, aber mit einem zu hohem Risiko für manch einen. Jeder muss selber überlegen was für einen Job man sich ausucht und wie lange man arbeiten will, jeder kann zum Glück für sich entscheiden was man aus seinem Leben macht.
    Alles Gute und schöne Grüße Simon

  28. Andy 25. März 2017 at 07:13 - Reply

    Es wird doch immer schlimmer,
    zuerst war
    Auto verkaufen
    was ist jetzt
    KSB/LrV kaskoschutz und Wartung und Verschleiß, Kaufpreisschutz wenn geht natürlich auch. Aktuell heißt es Reifenpakete. Da wird einfach pauschal gessagt 20 % aller Verkäufe müssen ein Reifenoaket haben.
    Keine Differenzierung ob das überhaupt geht
    Kein Ausgleich dafür das dadurch der Verdienst natürlich sinkt das das konfigurierte Fahrzeuge eben um die Winterreifen günstiger wird also weniger Provision.
    Was mich aber am meisten ärgert ist die selbstverständlichkeit einiger Vorgesetzten die dann erwarten das der Zeitaufwand geschluckt wird. Bei meiner Anzahl an Verträgen und nur 1 Stunde Arbeit bedeutet das mehr als 1 Woche zusätzliche Arbeit. Sry meine Ehe ist letztes jahr zerbrochen, aufgrund des Drucks in Behandlung und wöchentliche Arbeitstunden Richtung 60 Stunden ist normal.. Ja ich verdiene für einen Autoverkäufer sehr gut. Dafür habe ich mehrere jahre hart gearbeitet um jetzt sagen zu können vielleicht schaffe ich ein 6 stelliges Jahresgehalt.
    Aber was passiert den wirklich. Nach meinem Urlaub dieses Jahr der aufgrund Alturlaub etwas länger ausfiel wurde am 2 Tag bereits erwartet das die Abteilung wieder läft. Über 500 Mail, offene Kontakte über 300 im Verkaufsprogramm, dazu Auschreibungen, KBA und natürlich normale Kundschaft. Jetzt ist der 25.3 und ich kann sagen: Termine erledigt, E-Mails Abgebaut, Ausschreibungen raus und zum Teil gewonnen, unterm Tisch gut 30 verkaufte Fahrzeuge. einsatz von 12 Stunden und mehr, Mein Firmenhandy ist auch mein Privathandy, das klingelt Samstag Abend um21.00 das Telefon, oder mittlerweile Whattsap Anfragen. Diese Stunden werte ich schon nicht mehr. Wenn man mir die Frage stellen würde 3.000 Brutto für 200 Stunden ? Niemals. Die Putzfrau bekommt mehr. Und genau das ist das Problem. Immer mehr Jungverkäufer die weniger gehalt und Provision für verkaufte Fahrzeuge bekomme werden gegen die alten Hasen aufgehetzt.

    • Frank 28. März 2017 at 06:17 - Reply

      ohhh – ja – das Problem kenne ich persönlich nur zu gut! Vielleicht war dies einer der Gründe warum es diese Internetseite hier gibt!

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