Der Premium-Automobil und Luxus-Verkäufer: der Brandmanager

//Der Premium-Automobil und Luxus-Verkäufer: der Brandmanager

Der Premium-Automobil und Luxus-Verkäufer: der Brandmanager

Letzte Woche war es mal wieder soweit – bei mir klingelte das Telefon und eine sanfte Stimme wisperte mir fragend ins Ohr ob ich gerade Zeit hätte für ein Gespräch – es war natürlich ein Headhunter – ein Mensch der für andere Marken bzw. andere Autohäuser mich abwerben will – diesmal von einer englischen Automarke im Luxussegment.

Was der Junge am anderen Ende der Leitung nicht wusste ist die Tatsache, dass ich gerade vor ner Woche auf einem Geburtstag eines Kollegen mit einem ehemaligen Kollegen von mir ins Gespräch kam der genau bei dieser Marke derzeit als Brandmanager arbeitet.

Wow – Brandmanager – englische Luxusmarke
– klingt gut!
– ist es aber in keinster Art und Weise!

premium

Alles was und wie ich mir den Job in meinen kühnsten Träumen so vorgestellt hatte wurde an diesem einen Abend komplett pulverisiert – komplett Alles! Dabei hatte es eigentlich ganz nett angefangen – denn es war eines dieser üblichen Benzingespräche unter Ex-Kollegen – über die neusten Produkte vom „mir“ und „ihm“ Vorteile, Eindrücke etc.

Seine Miene verdunkelte sich erst, als ich, weil ich sowieso gerade vor das Haus wollte für eine Zigarettenpause, seinen Dienstwagen sehen wollte… Anscheinend habe ich mit dieser unbedarften Frage nach seinem Dienstwagen das Messer in der Wunde umgedreht, denn der Brandmanager der englischen Luxusmarke fährt als Dienstwagen das Einstiegsmodell einer bayrischen Premiummarke – BÄM – das saß – das wäre für mich so als wenn ein Rolex Vertreter mit einer Uhr vom Tchibo rumlaufen würde – oder ein Apple-Mitarbeiter im Apple-Store in Samsung S4 in der verbeulten Jeans hätte – kurzum unvorstellbar.

Vertrieb war für mich „Auf Augenhöhe verhandeln“

Ich bin schon lange im Vertrieb, aber ich dachte immer dass gerade diese Luxus-Marken auch ein Luxus-Paket für Ihre „Brandmanager“ hätten. Vielleicht liegt es an meiner alten Vertriebseinstellung dass man mit dem Kunden immer auf Augenhöhe sein und verhandeln sollte – vielleicht aber auch einfach nur an der Marke deren Stellenwert in meinem automobilen Kosmos doch um einiges höher war und ist, wie es mein Ex-Kollege vertreten kann – und genau hier ist eigentlich der Schlüssel zum Erfolg – denn wenn ein Autohaus Mitarbeiter nicht mit dem passenden Werkzeug ausstattet werden die Mitarbeiter auch keine Top-Leistung abrufen können. Das war so und das ist so – und wer es nicht glaubt kann gerne mal in seiner Werkstatt dem Mechatroniker den Schraubenschlüsselsatz wegnehmen…

Kleinwagen fahren – Luxuswagen verkaufen

Wer ein absolutes Luxusprodukt welches eigentlich total unnötig ist (denn das kann auch nur Passagiere von A nach B befördern) an ein Klientel verkaufen will, die bereit sind hierfür den Wert einer Doppelhaushälfte an der Elbchaussee zu investieren, dem muss ich auch mit allem erdenklichen ausstatten, um dem Brandmanager hierfür überhaupt die Möglichkeiten zu geben. Ich weiss nicht wie viele Autos ich in der Vergangenheit nur deswegen verkauft habe, weil ich immer mit dem neuesten Produkt gleich in der ersten Woche durch die Gegend gefahren bin, und beim Italiener beim Essen, beim Golfturnier aber auch beim Baumarkt damit stand. Oftmals warteten Menschen auf mich am Parkplatz um mit mir ins Gespräch zu kommen über das brandneue Auto…

 Da sein wo der Kunde ist! Unmöglich!

Genauso gehört für mich für einen Brandmanager eines Luxusproduktes neben einem sehr gehobenen Salär natürlich auch die eine oder andere Annehmlichkeit dazu wie die Mitgliedschaft in einem Yacht- oder Golfclub – denn genau dort befindet sich das Kundenklientel die der Brandmanager für das Produkt begeistern soll – aber wie will der Brandmanager sich auf diesem Parkett bewegen, wenn das Einkommen eher nach der Mitgliedschaft in einem Kegelverein als einem Yachtclub bemessen ist?

golfclub

Wie will er mit einem potentiellen Interessenten ins Gespräch kommen wenn er auf dem Parkplatz vom Golfplatz lieber nicht zu seinem Dienstwagen geht wenn daneben gerade der Schönheits-Chirurg mit dem Zahnimplantate-Guru über den Augusta National Golf Platz philosophiert und die Charity-Einladung nach Kitzbühel bespricht.

Ich frage mich wirklich was in den Köpfen der Vertriebszentralen und Autohäusern von diesen Luxusprodukten wirklich vorgeht wenn sie einen Brandmanager der eigentlich nicht mehr ist wie ein ganz normaler Verkäufer eines Mittelklasse-Autohauses derart schlecht bezahlen und ausstatten – oder anders gesprochen:

Wenn man dem vielleicht besten Fussballer der Welt, Lionel Messi die Fussballschuhe wegnimmt und ihn noch dazu unterdurchschnittlich bezahlt wird er sicherlich nicht mehr für eine Mannschaft in der Championsleague antreten… – und wenn doch, wird – mangels Fussballschuhen – aus ihm maximal ein durchschnittlicher Spieler – aber Weltklasse kann nicht erwartet werden…

By |2013-07-29T08:53:39+00:0029.07.2013|Allgemein|2 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

2 Comments

  1. Steve 8. August 2013 at 15:46 - Reply

    Klingt ja interessant 🙂
    Eine gute Marke aufzubauen ist immer von Vorteil !
    Die Beispiele mit dem RolexVertreter und Applemitarbeiter find ich klasse 😀

    Lg Steve

  2. Stephan 16. Oktober 2013 at 13:20 - Reply

    Herrlich !!!!!!!!

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