Irgendwie reizt mich dieser Werbeslogan von Dacia schon seit langem mal einen Beitrag hier in meinem Blog zu schreiben… – Alleine der Slogan an sich ist schon Reizthema genug – und wie Mehmet Scholl, selbst mehrfacher Millionär, weil erfolgreicher Fussballer – diesen Slogan mit der Marke verkauft, sicherlich ein geschickter Schachzug von Marketing-Strategen.

Klar, zugegeben, diese Modelle von Dacia sind wirklich sehr preisgünstig – äußerst preisgünstig sogar – und ja, die bringen einen auch von A nach B – die können auch Lasten transportieren und nun gut, soooo schlecht schauen die nun auch nicht mehr aus…

Ich bin der Meinung, dass die Käufer eines Dacia bewusst diese Marke gekauft haben – und somit ist ja der Werbeslogan ein Wiederspruch in sich, denn somit ist so ein Duster natürlich auch ein Statussymbol!

Die Definition von dem Wort Statussymbol lt. Wikipedia:

„Als Statussymbol oder Statusobjekt wird ein Objekt bezeichnet, das den gesellschaftlichen Stand oder sozialen Status seines Besitzers oder Trägers zum Ausdruck bringt oder zum Ausdruck bringen soll.“

Wenn wir uns also diesen Satz mal ein wenig näher beleuchten und mit unserer täglichen Praxis „vergleichen“ wird schnell klar welchen Status, welchen gesellschaftlichen Stand und sozialen Status diese Käufer (vermutlich) haben.

Ich bin erst letzte Woche mit so einem Käufertyp „konfrontiert“ worden. Der Mann, in meinem Alter, von Beruf Fliesenleger mit kleiner Familie, 1 Sohn 6 Jahre, 1 Tochter 2 Jahre, war eher zufällig mit einem Spezl in meinem Autohaus.

Der Spezl hat sein Auto vom Service geholt und er hat mich ganz höflich gefragt, ob er sich einmal ein wenig die Exponate anschauen darf, auch wenn er nichts kaufen könne bzw. wolle… Das hat natürlich meinen Instinkt geweckt – „nicht können“ – wie?

Also hab ich nachgefragt – und ja, er hat Recht – wenn das was er mir erzählte alles wirklich so stimmt – und er hat es echt glaubhaft geschildert – dann kann ich mit meinen Neuwagen-Kombis die jenseits der 30´Euro Marke erstmal anfangen ihm genauso wenig was verkaufen, wie mit meinen Gebrauchtwagen, die weil gut ausgestattet, wenig Kilometer und erst drei Jahre alt, auch jenseits der 20´Euro Marke anfangen.

statussymbol

Der Familienvater hat mir – während sein Spezl nochmal Auto und Rechnung mit dem Meister komplett „durchging“ dargelegt, dass es einfach nicht geht!

Klar hätte er Interesse an einem Auto „meiner Marke“, aber Miete und Familie benötigen nahezu alles an Geld, was er als Handwerker und Alleinverdiener so monatlich nach Hause bringt – und somit bleibt es einfach beim Interesse und resultiert nicht in einem Kauf, einer Finanzierung, Leasing oder was auch immer!

Wir würden hier auch von „frei verfügbaren Einkommen“ sprechen. Der Mann hatte einfach einen anderen Lebensplan, er will, dass seine Kinder „zuhause“ aufwachsen, nicht in einer Kita, Krippe oder Nanny – und deswegen hat seine Ehefrau die Erziehung übernommen ist also ohne Einkommen, aber dafür muss er diese Leistung alleine stemmen.

Er wirkte aber keinesfalls unglücklich – im Gegenteil! Ich würde mir öfters mal solche Kunden wünschen die genau so mit sich und mir umgehen – ehrlich, fair, modern mit Lebensplan. Ich kann das was er mir erzählt hat alles gut nachvollziehen und somit entwickelte sich ein echt gutes Gespräch unter Männern.

Natürlich wollte ich irgendwann mal wissen, WAS er denn wohl für ein Auto fährt oder ob er alles mit dem öffentlichen Nahverkehr bewerkstelligt – und tataaaa… – da war er der der Dacia Duster Fahrer! So sehen die also aus die kein Statussymbol brauchen… – sympathisch!

Eine Mischung aus „Geiz ist Geil“ und „sozialer Verantwortung“

Klar haben wir dann auch wieder über Autos gesprochen, auch weil sein Spezl irgendwann zu uns dazu kam und er – eingefleischter Fan „meiner Marke“ und somit „Markenrepräsentant im eigenen Freundeskreis“ sofort mit „den können sie nicht zu einem richtigen Auto überzeugen, der spart lieber…“. Bähm!

Das sitzt natürlich – aber ganz ehrlich betrachtet der spart nicht nur, sondern setzt das was er zur Verfügung hat, so ein wie er es sich leisten kann… – im Prinzip ist es die logische Konsequenz aus dieser „Geiz ist Geil Mentalität“ – und ich kann es ehrlich gesagt dem Mann nicht mal als Fehler auslegen – im Gegenteil!

Er hat einen Lebensplan, eine Familie und somit auch für sich ein Finanzkonzept entwickelt dass ihm seinen Lebensplan so ermöglicht ohne irgendwo drastische Einsparungen in elementären Dingen tätigen zu müssen.

Und so ein Duster fährt nun mal auch von A nach B – hat ziemlich ausgereifte Serientechnik von Renault an Bord und kostet neu das, was „meine“ Autos nach 6-7 Jahren noch kosten… Ich brauche keine ausgefeilte Excel-Tabellenkalkulation betreiben, um zu wissen, was er meinte, als er mir mit zwei Argumenten erzählte: 3 Jahre Garantie und jährliche Kosten…

Klar könnte ich nun mit den „nur zwei Airbags beim Duster“ Argument ihm versuchen ein schlechtes Gewissen beim Thema Sicherheit einzuimpfen – aber wozu? Er hat mir ja dargelegt, dass sein Duster, wenn er 5 Jahre das Fahrzeug fährt, und dann noch 1000 Euro am Gebrauchtwagen Markt dafür erzielen würde, im Jahr 3000 Euro an Wert verliert… – Verschleißkosten hat er immer – ob bei „meiner Marke“ oder bei seinem Duster – und somit beschränkt sich sein finanzieller Aufwand für das reine Auto auf den Wertverlust i.H.v. 250 Euro im Monat…

Wenn ich mir dann wieder den Slogan mit dem Statussymbol durch den Kopf laufen lasse wird schnell klar, dass sein sozialer Status einem Handwerker, Familienvater und Alleinverdiener entspricht der lieber seine sozialen Verpflichtungen an Familie und Kinder hinterher kommt. Ich bin mir seit dem wirklich tollen Gespräch nicht mehr sicher, ob dies der eine oder andere meiner Kaufkunden überhaupt jemals schon soweit zu Ende gedacht hat…

Fakt ist aber, dass ein Auto schon lange kein Statussymbol mehr ist und nur noch in ganz wenigen ländlichen Gegenden oder Industriezweigen bzw. Unternehmen als solches gilt.

Ich war sowieso noch nie jemand der unbedingt, auf „Teufel komm raus“ einen Kunden in eine Finanzierung gequatscht hatte die offensichtlich so nicht „klappen“ kann – da habe ich an mich schon seit je her den Anspruch, lieber ein Geschäft nicht zu machen, bevor ich mir nicht mehr im Spiegel ins Gesicht schauen kann, weil sich schon wieder irgendjemand „wegen mir“ über die Ohren verschuldet hat – aber dieses Gespräch mit dem Dacia Duster Fahrer wirkt bei mir dennoch nach und hat meine soziale Verantwortung wieder (ein bisschen mehr) wachgerüttelt!