Die Automobilhersteller rüsten auf – das digitale Autohaus ist in aller Munde, spätestens seit Audi in London sein neues Showroomkonzept eröffnet hat und für 2013 einen weiteres digitale Autohaus in Berlin angekündigt hat. Das Projekt trägt den vollmundigen Namen  „Audi-City“ – denn dieses neue Showroom-Konzept bietet mehr als nur eine toll konzipierte Neuwagen-Präsentation: So lassen sich sämtliche Modelle in allen Ausstattungsvarianten in Lebensgröße mit interaktiven Modulen an der „Powerwall“ darstellen und von  Ipad-ähnlichen „Multitouch-Tables“ aus bedienen.

(c) Audi AG via Standard-YouTube-Lizenz

Das Ziel ist ganz klar – es sollen vor allem jüngere Kunden mit dieser digitalen Auto-Boutique angesprochen werden – denn gerade diese Käuferschicht bricht dem klassischen Autohaus immer mehr weg – und wird über den autorisierten Autohandel nur noch unzureichend erreicht. Es ist der Versuch der Internet- und Multimedia-affine Käuferschicht einen echten Mehrwert zu bieten der gleichzeitig fasziniert und an die Marke bindet.

multimediale Bedarfsermittlung

Sollte der Kunde nach der Mulimedia-Show Interesse bekunden, wird er dem Automobilverkäufer zugeführt – somit dient der digitale Showroom auch der Neukunden-Aquise und direkten Kundenansprache – doch was bedeutet dies im Endeffekt für den Automobilverkäufer? Im Grunde genommen übernehmen „Powerwall“ und „Touch-Devices“ die Bedarfsermittlung denn der Kunde kann sich intensiv im Vorfeld über „sein“ Fahrzeug informieren, zusammenstellen, betrachten, ändern etc. – also alles was die Car-Konfiguratoren im WWW zwar können sollten, aber leider nur unzureichend (vielleicht bisher gewollt…) beherrschen.

das digitale AutohausDie klare Trennung zwischen sog. „Kunden-Beziehungs-Managern“ und Automobilverkäufern bringt dem Automobilverkäufer eine große Chance mit: er kann sich wieder um das pure Verkaufen kümmern – das Vorspiel übernimmt der „Kunden-Beziehungs-Manager“. Der Verkäufer erhält also vorinformierte Kunden und einen vorkonfigurierten Fahrzeugwunsch – denn er lediglich noch kontrollieren kann und ggf. feinjustierend beratend in der Kaufberatung auf den Kunden eingeht.  Die Chance hier punktgenau ein auf die Bedarfe des Kunden individualisiertes Fahrzeug anbieten zu können, steigt dadurch natürlich immens – allerdings bricht die Beziehungsebene die sich während der Bedarfsermittlung sonst zwischen Verkäufer und Interessenten entwickelt, immer weiter weg – und die Preisverhandlung rückt noch mehr wie jetzt in den Vordergrund.

Das digitale Autohaus verlagert Kaufströhme

Durch die Präsenz dieser digitalen Autohäuser in den Metropolen verlagert der Automobilhersteller gezielt Kunden- und schlussendlich auch Kaufströme zu Lasten der Autohäuser und Vertragspartner außerhalb der Metropolen, die sich diesen finanziellen Aufwand den so ein multimedialer Flagshipstore mit sich bringt, schlicht und einfach, nicht leisten können.

Inwieweit hier Kundenschutz oder Gebietsschutz gelebt werden können, ist noch nicht final entschieden – sollte es keine Gebietsschutz geben, sollte also der Flagshipstore an jeden Interessenten verkaufen können wird schlußendlich der Trend der immer schlechter werdenden Kunden-Händler-Loyalität nochmals ein weiterer Schub verliehen…

Für Autohäuser und natürlich auch Automobilverkäufer die auf Provision außerhalb der Metropolen Automobile verkaufen ein Alptraum – denn die Sogwirkung den das digitale Autohaus entwickelt ist immens.