Autoverkäufer in Sorge – immer mehr Niederlassungen werden GmbH´s

//Autoverkäufer in Sorge – immer mehr Niederlassungen werden GmbH´s

Autoverkäufer in Sorge – immer mehr Niederlassungen werden GmbH´s

In den letzten Wochen mehren sich die Nachrichten und auch mich erreichen immer mehr Email von besorgten Autoverkäufern die wirklich Existenzängste haben da „Ihre“ Niederlassung in eine GmbH umgewandelt werden soll…

Es ist ein offenes Geheimnis dass die Vertriebszentralen fast aller Automobilhersteller eine gewisse Verschlankung, Verknappung und Spezialisierung der einzelnen Betriebe anstreben. Die in den letzten Jahren geschehene Händer-Netz-Bereinigung ist sicherlich bei dem einen oder anderen Autoverkäufer nicht spurlos vorbei gegangen denn viele von „uns“ mussten sich zwangsläufig einen neuen Arbeitgeber suchen, da der bisherige Händler entweder vom Vertrieb gekündigt wurde, oder die Daumenschrauben so große Schmerzen auslösten, dass er selbst das Handtuch warf und mit anderer Belegschaft und anderem Logo und Markenemblem nun weitermacht.

Nach dieser Händer-Netz-Bereinigung steht anscheinend nun die zweite Phase der Straffung des Vertriebsnetzes an und findige Finanzjongleure haben mit tollen Unternehmensberatern nach einer ausführlichen Analyse der Zahlen herausgefunden dass die Kosten für den Vertrieb zu hoch sind… (dafür hätten die Konzerne allerdings keine Millionen ausgeben müssen, den Tipp hätte es von mir kostenfrei gegeben).
Mehrere Automobilkonzerne leisten sich noch den „Luxus“ eigene Niederlassungen zu betreiben – genau hier wird also nun der Rotstift angesetzt!

Verschiedene Szenarien der unterschiedlichen Hersteller

Während ein Hersteller bestehende Niederlassungen nach-und-nach an eine Vertriebs-GmbH veräußert, legt ein anderer Hersteller einfach mehrere Niederlassungen zunächst zu einem Verbund zusammen um diese dann im zweiten Schritt in eine GmbH umzuwandeln. Die GmbH erhält einen Geschäftsführer der direkt aus der Vertriebsetage des Automobilherstellers kommt und meistens einen Gesellschafter der, wen wunderts, irgendeine Beteiligungs GmbH des Konzern ist.

Das Ziel ist immer das selbe!

Der Hersteller senkt seine Vertriebskosten indem er Anlagevermögen, Lagerbestände, Personalkosten und Vertriebskosten von einer AG outsourced und diese Kosten nun bei einer „konzerneigenen“ GmbH platziert. Somit wird nun z.B. jeder Lagerwagen sofort an die GmbH „verkauft“ wenn er produziert wurde und steht dann nicht mehr im Lagerbestand des Herstellers sondern im Lagerbestand der GmbH bzw. in deren Anlagevermögen. Gleichzeitig kann man z.B. dadurch auch die strikten „Auflagen“ einer AG umgehen bzw. umschiffen, denn bei einer GmbH sind natürlich Compliance, Vermittlungszahlungen und Graumarktverkäufe anders zu bewerten.

niederlassung änderungskündigungFür die Angestellten der AG die nun in eine GmbH umgewandelt werden soll, ergeben sich allerdings nicht nur Vorteile, im Gegenteil – durch die Vorlage einer Änderungskündigung die dem Arbeitnehmer den Weg in die GmbH weist, sind viele Vorteile die eine konzerneigene Niederlassung als AG hatte, plötzlich weg, kein Wunder also dass viele Verkäufer noch kurz vor GmbH-Umwandlung versuchen zu flüchten – oftmals, weil sie schon zig Jahre bei der AG sind in die Konzernzentralen als Sachbearbeiter, Vertriebsmitarbeiter o.ä.

Wer diesen Wechsel nicht vollziehen konnte, sollte sich schon mal mit anderen Kollegen beraten und ggf. einen guten Arbeitsrechtler mit der Wahrung seiner Ansprüche betrauen, denn man muss so eine Änderungskündigung nicht akzeptieren – allerdings sollte man sich dann auch über die Folgen bewusst sein, bzw. schnellstens werden.

By |2014-01-29T10:37:48+00:0029.01.2014|Allgemein|9 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

9 Comments

  1. Christian 29. Januar 2014 at 14:47 - Reply

    Ich kann verstehen, das man nicht erfreut ist über die Verschlechterung von Arbeitsbedingungen.

    Jedoch ist dies ein ganz normaler Vorgang geworden – soviele Arbeitnehmer müssen sich diesem Problem jeden Monat stellen.

    Und klar – so etwas wird sicherlich auch dafür genutzt, um einige Mitarbeiter irgendwie loszuwerden.
    Allerdings gibts dafür ja meist Gründe – mitarbeiterbedingt oder betriebsbedingt. Und falls mitarbeiterbedingt – es werden sicherlich nicht die nettesten und umsatzstärksten „abgesägt“, da muß es also Gründe dafür geben.

    Nicht bloß die Umwandlung einer AG-Niederlassung in eine GmbH!!!

    • Frank 29. Januar 2014 at 15:11 - Reply

      Ne Christian, abgesägt wird niemand! Die dürfen ja alle bleiben und wenn sie brav unterschreiben, dann sogar in dem Betrieb indem sie auch gestern noch waren – allerdings halt mit schlechteren Bedingungen. Wer nicht unterschreiben will, weil er sich nicht verschlechtern will sollte dann dringend mit einem Arbeitsrechtler die weiteren Schritte besprechen.

  2. Matthias 29. Januar 2014 at 21:32 - Reply

    Ich als Auszubildender(Automobilkaufmann) bei der Volkswagen Niederlassung, ach die gibt es offiziel nicht, also GmbH finde es natürlich auch nicht gut, dass es sowas gibt, denn im Gegensatz zu den Werksauszubildenden hat man ein gehörigen Nachteil.
    Werksazubis: 1. Lehrjahr 650€ netto
    GmbH: 1. Lehrjahr 363€netto, hat sich später aber auf Achtung grandiose 393 € verbessert

  3. Christian 30. Januar 2014 at 10:51 - Reply

    Das war aber schon immer so – Industrie wurde immer schon besser bezahlt, teilweise für weniger Leistung!!
    Wenn es danach ginge, dürfte niemand mehr im Dienstleistungsbereich arbeiten, und in der Industrie nur im Metallbereich!!!

    Es ist sicherlich total ätzend, wenn man schlechtere Bedingungen (vor allem monetär) erhält, allerdings muß man sich ja auch mal fragen, was man denn für Zusatzleistungen erbringt in der Niederlassung:

    Zur Verdeutlichung:
    Azubi im „normalen“ Autohaus: 393,- Euro
    Azubi in der Niederlassung: 650,- Euro
    Wird da mehr gearbeitet? Macht der Azubi noch einen zweiten Job da? Ist der Azubi im normalen Autohaus doofer? Meiner Meinung nach gibt es keine vernünftige Differenz in der Arbeitnehmerleistung.
    Insofern dürfte sich eher der normale Azubi über den NL-Azubi ärgern, denn beide gehen am Ende auf dieselbe Berufsschule!!!!

    Das Gleiche gilt natürlich auch für den Verkäufer.

  4. Sasa 10. Februar 2014 at 14:42 - Reply

    Hallo Frank,

    um beim Thema zu bleiben: mich interessiert sehr deine Meinung zu der aktuell bei BMW angesagten Verdünnung des Niederlassungsnetzes. Was denkst du wird passieren bzw. wie lange wird es bis zum Start dauern?

    • Frank 10. Februar 2014 at 15:55 - Reply

      wieso? das ist doch schon voll im Gange… – es werden immer weniger Niederlassungen und immer mehr Vertriebs-GmbHs

  5. Sasa 10. Februar 2014 at 16:16 - Reply

    Eigentlich heißt es ja bei BMW, dass es nur Gerüchte sind…

  6. […] und (Interview-)Anfragen kamen, da anscheinend nun auch der letzte gemerkt hatte, dass ich mit meinem Artikel vom 29.01.2014 anscheinend nicht nur irgendetwas fabulierte sondern hier bereits das vorausgesagt hatte was nun […]

Leave A Comment

Um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen erhalten Sie in den Cookie-Hinweisen
Schließen
x