Ausgleichszahlungen bei Feiertag, Urlaub, Wochenende und Krankheit

//Ausgleichszahlungen bei Feiertag, Urlaub, Wochenende und Krankheit

Ausgleichszahlungen bei Feiertag, Urlaub, Wochenende und Krankheit

Nachdem ich immer wieder per Email und Facebook gefragt werde, wie denn wohl so eine Ausgleichszahlung bzw. Ausgleich für Mehrarbeit aussehen könnte, hier mal meine Anmerkungen zusammengefasst.

Neben den Provisionen sind gerade Ausgleichszahlungen bzw. Ausgleiche für die Tätigkeit als Automobilverkäufer immer wieder ein Streitpunkt in vielen Beschäftigungsverhältnissen – und viele Autohäuser versuchen mit teilweise „komischen“ Verträgen sich vor Ausgleichszahlungen bzw. Freizeitausgleichsansprüchen zu drücken – entweder weil hier eine gewisse Bauernschläue oder schlichtweg Unwissenheit herrscht.

Also zunächst einmal Grundsätzliches:

  • Ein fest angestellter Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Gewährung bezahlten Urlaubs. Gesetzliche Grundlage für das Urlaubsentgeld ist das BUrlG (Bundesurlaubsgesetz).
  • Ein fest angestellter Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Feiertagen und Krankheit. Gesetzliche Grundlage für die Entgeltfortzahlung ist das EFZG (Entgeltfortzahlungsgesetz).
  • Werden Arbeitnehmer an einem Feiertag bzw. Sonntag beschäftigt, müssen sie einen Ersatzruhetag haben, der innerhalb eines den Beschäftigungstag einschließenden Zeitraums von zwei Wochen zu gewähren ist. Grundlage hierfür ist das Arbeitszeitgesetz §11.

Im Prinzip ist das eigentlich nichts Neues – denn Festangestellte bekommen jeden Monat einen Lohn überwiesen, egal ob sie 5 Tage im Urlaub sind, oder 10 Tage krank, oder den kompletten Monat (ausgenommen die Wochenenden) durcharbeiten.

Ausgleichszahlungen bei Feiertag, Urlaub, Wochenende und KrankheitVerkompliziert wird dies eigentlich nur durch den Umstand dass Automobilverkäufer (und auch andere Verkäufer) für Ihre Tätigkeit den Lohn aus den Bestandteilen Fixum und Provision erhalten. Durch dieses variable Gehalt gibt es keine fixe Basis,  sondern der Automobilverkäufer erhält Ausgleichszahlungen jeweils pro Tag ein Teil des letztjährigen Provisionsanspruchs bzw. anteilig wenn man noch nicht ein komplettes Jahr bei dem Unternehmen ist. Bei Krankheit und Feiertagen wird oft 1/250stel und bei Urlaub 1/300stel im Arbeitsvertrag stehen und in der Praxis auch oft so gelebt – kein Wunder denn die gesetzliche Basis hierzu ist der jeweilige Manteltarifvertrag indem dies auch so vereinbart ist!

Übrigens gilt die 1/250stel-Regelung auch bei Schulungen – denn während einer Schulung kann ein Automobilverkäufer nichts verkaufen…

Gleichzeitig haben sich verschiedene Regelungen für die Samstagsdienste etabliert:

Geld oder zusätzlichen Urlaubstag, oder beides, oder aber auch Nichts von Beiden! Schlicht und einfach ist es so, dass die meisten Automobilverkäufer in ihren Arbeitsverträgen sowieso (wenn überhaupt) eine wöchentliche Arbeitszeit vereinbart haben, die – streng genommen – bereits am Donnerstag Mittag abgeleistet wäre. Automobilverkäufer verdienen halt nicht auf Stundenbasis und somit gibts auch keine Überstunden die vergütet werden – allerdings sollte Mehrarbeit nicht ohne Ausgleichszahlungen geleistet werden – denn:

Apropos Mehrarbeit:

Wer sich einmal etwas näher mit der Abgeltung von Mehrarbeit auseinandersetzen will, dem empfehle ich: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/arbzg/gesamt.pdf denn in diesem Gesetz ist geregelt, dass die werktägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht überschreiten darf. Achtung: Das Arbeitszeitgesetz geht von einer 6-Arbeitstage-Woche aus, sodass gesetzlich 48 Arbeitsstunden pro Woche erlaubt sind.

Die Arbeitszeit kann auf 10 Stunden ausgedehnt werden, aber nur dann, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Lässt ein Arbeitgeber daher werktäglich 10 Stunden arbeiten, so muss er innerhalb der genannten Zeiträume soviel Ausgleich geben, dass im Schnitt wieder 8 Stunden werktäglich erreicht werden. Dabei ist zu beachten, dass Sonn- und Feiertage und auch Erholungsurlaub als Ausgleichzeitraum ausscheiden.

Wer also Mehrarbeit ohne Ausgleich oder Ausgleichszahlungen akzeptiert oder vielleicht sogar dies vom Vorgesetzten erwartet wird, und man somit täglich 10 Stunden im Autohaus auf Kunden „lauert“ und natürlich auch die Samstage im Autohaus verbringt ist somit selber schuld, wenn er sich hierfür keinen Ausgleich für seine Mehrarbeit geben lässt – vielleicht einfach mal bei einem der kommenden Quartalsgespräche einen Auszug aus dem Arbeitszeitgesetz als Gesprächsgrundlage mitbringen, denn viele Chefs und Vorgesetzte wissen gar nicht dass dies sogar einen gesetzlichen Rahmen hat…

Übrigens – immer mehr Studien zeigen, dass der Wunsch nach Freizeit-Ausgleich im Vergleich zum Wunsch nach monetärem Ausgleich immer stärker zunimmt. Ein Trend den ich persönlich schon seit Jahren so lebe, denn was bringt mir all das Geld, wenn ich meine Familie nur noch vom Bild auf meinem Schreibtisch kenne…? Denkt einfach mal drüber nach wenn ihr demnächst am Sonntag (!) auf einem Golfplatz steht und die Autos bewacht oder an irgendeinem Kirmesplatz das Autohaus und die Produkte präsentiert…

Bildquelle: Konstantin Brückner / pixelio.de

By |2014-07-23T05:12:23+00:0023.07.2014|Allgemein|0 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer. Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

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