Apple Watch: Was wir (mal wieder) von Apple lernen können…

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Apple Watch: Was wir (mal wieder) von Apple lernen können…

Ich gebe es ja offen zu, ich bin ein High-Tech Freak! Und als solcher habe ich natürlich alle Berichte über das neue Produkt von Apple – die Apple Watch gelesen… Also Automobilverkäufer würde ich mir echt wünschen, dass irgendjemand aus irgendeiner Marketingabteilung bei einem „unserer“ Premiumhersteller mal hier mitlesen würde, oder besser noch: Die Strategie von Apple mal analysiert und für die Automobilindustrie adaptiert!

Apple bringt mit der Apple Watch nun ein Produkt raus, dass (mal wieder) eigentlich keiner wirklich „braucht“, und das keine wirklichen Alleinstellungsmerkmale aufweisst. In unserer Größer-Höher-Weiter-Welt zeigt Apple zum wiederholten Male, dass ein Produkt nicht wirklich alles besser können muss um am Markt platziert zu werden. Diese Produktstategie hat ja quasi schon Tradition – denn auch bei den Smartphones gibt es andere Hersteller die Apple technisch um Längen voraus sind, aber dennoch ist und bleibt Apple das Maß der Dinge.

Apple-Watch

Apple-Watch (c) Apple

Jetzt bringt das kalifornische Unternehmen mit Sitz in Cupertino mit der Apple Watch eine Uhr raus die eine Akkulaufzeit haben wird, welche keinem High-Tech Freak speichelloses Lesen beschehrt, eher Kopfschütteln… So zumindest ging es mir als ich gelesen habe, wie lange der Akku bei absolut unterdurchschnittlicher Nutzung hält, und dass man die Apple Watch nach „nur“ 3 Stunden telefonieren schon wieder zum Laden andocken muss.

Während andere Hersteller ähnliche Produkte am Markt anbieten die sogar technisch um Längen besser sind bleibt sich Apple hier treu und platziert die günstigste Version seiner Apple Watch für sage-und-schreibe 399.- Euro am Markt!

Vergleicht man dieses Produkt mit der auch neu am Markt erscheinenden Huawei Smartwatch, fällt schnell auf, dass Apple für seine Smartwatch absolut überzogene Preise aufruft! Ab dem 10. April kann man nun die Apple Watch vorbestellen und auch in den Apple Stores an- und ausprobieren (nach vorheriger Terminvereinbarung). Die Lieferung erfolgt dann ab dem 24. April.

mittelmäßiges Produkt mit Hochpreis-Strategie

Die Preise für die Apple Watch werden von Flensburg bis Garmisch überall gleich sein – und auch online wird es (wie bei Apple üblich) keinerlei Preisnachlass oder Schnäppchen geben – das war bzw. ist bereits bei den Samrtphones so, das wird nun auch bei der Smartwatch so sein. Und egal ob man die Apple Watch online oder im Apple Store kauft, man kann ein persönliches Setup im Apple Store durchführen, um die Uhr anzupassen und mit dem iPhone zu koppeln (einen Vergleich mit uns Automobilverkäufer bei Probefahrten finde ich hier unpassend, aber dennoch ist er gegeben…).

Apple vereint also die Online und Offline Welt und bietet einen Mehrwert (dieses persönliche Setup) in seinen Stores an. Der mangelnde Preisnachlass hat die Apple Produkte zu dem gemacht was jahrzehntelang im Automobilsektor Produkte von schwäbischen Autohersteller waren! Ausgewogen konzipierte Produkte die einen hohen Wiederverkauf haben (ja, lang lang ist´s her…) – aber eines dürfte sich in Kalifornien in der Marketingabteilung anders als in Stuttgart bzw. Stuttgart-Zuffenhausen rumgeschwiegen haben:

Der Preis macht den Gewinn, steigert die Begehrlichkeit und auch die Preisstabilität beim 2nd & 3rd Handel – also beim Gebrauchtwaren bzw. Gebrauchtwagen Handel.

Im High-Tech Bereich sieht man dies ganz klar bei Samsung. Meine Frau hat ein Samsung Smartphone und ich als „Apple-Jünger“ bin immer wieder erstaunt was die alles mit ihrem Gerät kann was Apple mir komplett vorenthält. Meistens tauschen wir im Jahrestyklus unsere Handies und meistens ist sogar der Kaufpreis ihres Samsung-Smartphones „nur“ 100 Euro unter dem iphone von mir.

Allerdings, nach einem Jahr kann ich für mein iphone am Markt noch Preise erzielen, die meiner Frau immer wieder die Zornesröte ins Gesicht zaubern, wenn ich ihr dann lapidar aufrechne wieviel Haushaltsgeld diese einjährige Nutzung Ihres Handies im Vergleich zu meinem iphone verbrannt hat. Meistens bekomme ich dann in den Tagen drauf wieder nur Suppe – das ist ihre kleine Rache für meinen Kommentar – und meistens wird mir die Suppe mit dem Kommentar „Aufgrund des schlechten Verkaufspreises des Handies müssen wir nun sparen“ serviert… Das ist ihre Art mir zu zeigen dass ich Recht habe 😉
Aber ich schweife ab…

„Unsere“ Automobilhersteller würden sich gar nicht trauen ein Produkt wie die Apple Watch auf den Markt zu bringen – etwas ohne USP – ohne Alleinstellungsmerkmal. Ein Produkt das niemand wirklich „braucht“ und das eigentlich nur eine Erweiterung eines uralten Produkts – nämlich der Uhr – ist – denn ja, richtig – die Apple Watch kann sogar die Uhr anzeigen… Im Unterschied zu den Automobilherstellern wird Apple den Preis nun am Markt etablieren und die Apple-Jünger die dieses Produkt UNBEDINGT haben wollen, werden den Preis zahlen – vielleicht zähneknirschend, vielleicht lächelnd, aber ganz neutral betrachtet kaufen sie ein absolut überteuertes Produkt und sind bestimmt auch noch stolz darauf als einer der ersten dieses Produkt in Händen bzw. am Arm zu haben.

Gerne wird in diesem Zusammenhang auch von den Early-Adoptern gesprochen – Menschen die immer das absolut Neueste als einer der Ersten haben wollen – und ja, ich gebe es zu – ich gehöre da auch (oft) dazu. Im Autovertrieb gab es vor Jahren solche Menschen auch! Viele meiner Kunden sind zu mir gekommen und wollten am ersten Tag an dem eine Bestellung möglich war sofort das neue Produkt bestellen – ohne Probefahrt – ohne Probesitzen – einfach nur weil sie einer der ersten sein wollten der dieses Produkt besitzt. „Damals“ als wir noch Kaufverträge auf bunten Durchschreibesätze per Hand gemacht haben, gab es mehrmals im Jahr Kunden die aufgrund irgendwelcher Präsentationen von Studien auf irgendwelchen Messen einfach mal „blind“ eine Bestellung für ein Modell dass noch gar keinen Namen bzw. Modellbezeichnung hatte, abgegeben haben. Klar wurden auch viele Bestellungen nie realisiert weil das Modell nie kam und die Studie eine Studie blieb – aber dennoch war das absolut Normalität.

Heute ist diese „Geilheit“ auf ein brandneues Automobil nicht mehr da.

Diese Early-Adopter haben sich andere Spielwiesen gesucht – wohl auch, weil es einfach mittlerweile ein viel zu kostspieliges Hobby ist, immer das neueste Modell an dem Tag in die eigene Garage zu stellen, an dem es beim Händler im Rahmen eines VIP-Abends oder Samstag-Hüpfburg-Currywurst-Präsentation im Ausstellungsraum steht. Während der Early-Adopter bei Apple das Gefühl haben für Ihre Kaufentscheidung „belohnt“ zu werden, ist es im Autovertrieb eher so, dass der Käufer bestraft wird für seine frühe Kaufentscheidung. Entweder weil er als „privater Testfahrer“ die eingebauten Fehler in den kommenden Monaten mit mehrfachen Werkstatt-Aufenthalten und Rückruf-Aktionen zu spüren bekommt, oder spätestens, weil in 3-4 Monaten die ersten Kunden dieses neue High-Tech-Produkt der Premium-Automobilhersteller wieder mit mindestens zweistelligen Nachlässen einkaufen werden. Übrigens sind diese horrenden Nachlässe auch daran „schuld“ dass die Werksangehörigen „ihre“ Neuwagen nicht mehr kaufen, sondern mieten um das extrem hohe „Verwertungsrisiko“ bzw. den Verlust nun dem Hersteller zu überlassen…

Während der Automobil Early-Adopter „früher“ damit rechnen konnte, dass sein Auto nach genau einem Jahr noch ca. 85% des Listenpreises am Markt erzielte, kauft heute jeder so seinen Neuwagen, ohne KM und ohne Vorbesitzer… Im Umkehrschluss erzielt allerdings mein iphone nach einem einjährigen Gebrauch horrende Preise die prozentual fast an die goldenen Automobilzeiten erinnern lassen.

Es ist doch logisch – wenn ich am Kaufpreis schon justiere bevor das Produkt überhaupt am Markt ist kann der Wert nach einem Jahr nicht besser werden – wie auch? Hier hat Apple einfach den Markt perfekt analysiert und gezeigt dass sie den Mumm haben, ein komplett überteuertes Produkt in einem Verdrängungswettbewerb zu etablieren und diese Preisstrategie durchsetzen – trotz aller Widerstände, trotz aller Konkurrenz und trotz eines Onlinemarktes. Die Apple-Jünger die bei jedem Smartphone vor dem Apple-Store tagelang campieren sind das beste Beispiel dafür wie Marketing und Preisstrategie heutzutage auch funktionieren kann…

(Traummodus an) Vielleicht wird das irgendwann einer der Automobilhersteller auch mal kapieren, und vielleicht, also wirklich nur vielleicht werden dann auch campierende Menschen vor der Markteinführung des Modell X vor einem Autohaus gesichtet werden können – ich wäre zwar mit der Situation komplett überfordert, aber schön wärs schon (Traummodus aus).

By | 2015-03-11T07:13:09+00:00 März 11th, 2015|Allgemein|8 Comments

About the Author:

Mein Name ist Frank* ich bin 39 Jahre alt und zertifizierter Automobilverkäufer.
Seit nunmehr 17 Jahren verkaufe ich Automobile im Premiumsegment, Hier im Blog schreibe ich über meine persönlichen Erlebnisse und Ansichten. (*Name wurde geändert)

8 Comments

  1. Dude 18. März 2015 at 07:42 - Reply

    mittelmäßiges Produkt mit Hochpreis-Strategie

    MINI ?:)

    • Frank 18. März 2015 at 19:03 - Reply

      Mini… – ja könnte auch Mini sein… 😉

      …ist es aber nicht… 😉

  2. Fabian 19. März 2015 at 17:52 - Reply

    Naja Apple trifft halt mit seiner Marketingkampagnien und dem pompösen Vorstellungen genau den Nerv des Marktes.

    Heute sind Apple-Produkte einfach ein gewisser “Status”…

  3. Lenn 23. März 2015 at 10:34 - Reply

    Für den Preis sollte man schon eine bessere Akkulaufzeit bekommen. Außerdem könnten Sie das Teil ruhig mal gratis Anbieten, wenn man einen Vertrag abschließt. So wie das üblich ist.

  4. Norman Plattek 2. April 2015 at 07:00 - Reply

    Selber als Apple Fan kann ich nur sagen, das Apple keine Firma ist die Technologie verkauf, sondern mehr einen „Lifestyle“. So wie es Fabian schon erwähnt hat, es geht hier mehr um den Status als um das Produkt.
    Gruß.

  5. Martin 20. April 2015 at 17:12 - Reply

    Dude hat sowas von recht 😀
    Ja, aber was Marketing uns halt alles in den Kopf setzt… Es gibt weit bessere Produkte als die von Apple, aber dort ist eben nicht das Apfelzeichen drauf 😉

  6. Dr. Verstopfung 21. April 2015 at 13:29 - Reply

    Einmal abgesehen davon das weder Robustheit noch Wasserdichtigkeit angesprochen wurden dauert bei Apple der Tag 18Stunden…. Ich will doch nicht noch mit einer Uhr einer Steckdose nachrennen! Mit dem iPhone reicht schon.
    Und die Preise…. Sorry… Die Uhr kann nicht Wäsche machen und die ganzen Gadgets funktionieren nur in den USofA.
    Das alles dann für ein Teil dass nach spätestens 2 Jahren heillos veraltet ist.

  7. Juri Wear 11. Juli 2015 at 20:47 - Reply

    Total überbewertet. Für den Preis bekommt man definitiv besseres. Hab selbst so ziemlich jedes Apple Gerät, aber dieses Wearable hat mich überhaupt nicht überzeugt. Vorallem angefangen beim Design – ein Wort SCHRECKLICH. Naja Geschmäcker sind ja schließlich verschieden.

    Gruß Juri

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