Also meine Berichte zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG) über die rechtliche Aspekte in der Telefonakquise, mein Interview mit Rechtsanwalt Frank Richert und über die Telefon-Aquisition – machen sich Automobilverkäufer strafbar – schlagen nach wie vor ziemlich hohe Wellen.

Viele Reaktionen, Emails und Facebook-Nachrichten:

Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG) Tagtäglich erreichen mich Meinungen und Reaktionen von Automobilverkäufern die mir in den buntesten Farben schildern wie sehr sie unter diesem Schwert des Damokles leiden und was Autohäuser, Niederlassungen und Verkaufsleiter alles unternehmen bzw. nicht unternehmen und wie die Autoverkäufer mit der gegebenen Situation allgemein und in ihrem Autohaus umgehen.

Ich habe in den letzten Wochen lange und viel recherchiert und möchte nun die Fakten präsentieren denn sowohl Premium-Automobilhersteller als auch Autohäuser haben immer noch nicht auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG) welches (eigentlich) schon seit dem Jahr 2009 existiert, bislang ausreichend und umfassend reagiert!

Hier ein paar Fakten meiner Recherche:

  • Viele Autohäuser haben KEIN durchgängiges Datenschutz-Management: Vier Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes gibt es in vielen Autohäusern noch nicht mal eine Datenschutz-Einwilligungserklärung.
  • Mindestens ein deutscher Premium-Automobilhersteller hat in seinen Niederlassungsbetrieben kein durchgängiges Datenschutz-Managementsystem
  • Bei mehr als zwei deutschen Premium-Automobilherstellern haben derzeit lediglich 20% der Bestandskunden eine gültige Datenschutz-Einwilligungserklärung abgegeben, oder andersrum: 80% der Bestandskunden dürfen nicht (!) kontaktiert werden da keine Datenschutz-Einwilligungserklärung vorliegt!
  • In vielen Autohäusern existiert ein Datenschutzbeauftragter nicht mal auf dem Papier.
  • Beim Erstkontakt im Autohaus und bei einer Probefahrt wird keine Datenschutz-Einwilligungserklärung eingeholt.
  • Nur beim Kauf eines Automobils muss eine Datenschutz-Einwilligungserklärung vom Kunden mit dem Kaufvertrag in der Disposition abgegeben bzw. der Verkaufsleitung vorgelegt werden.
  • Bei Reparatur bzw. Service und Teileverkauf wird keinerlei Datenschutz-Einwilligungserklärung vom Kunden eingeholt.
  • Automobilverkäufer müssen sich vor der Verkaufsleitung rechtfertigen wenn ein Kunde einem oder mehreren Datenkanälen wiederspricht.
  • Mehrere Automobilhersteller loben Erfolgsprämien an Autohäuser und Niederlassungen aus, wenn bei mehr als 80% der Kaufkunden eines Jahres alle Datenkanäle „offen“ in der Datenschutz-Einwilligungserklärung sind.
  • Automobilverkäufer bauen sich durch das Sperren sämtlicher Kanäle einen eigenen Kundenkreis auf – denn sie meinen dass dadurch niemand mehr „ihre“ Kunden kontaktieren kann
  • Kaufkunden werden trotz Sperrung des Telefonkanals nach dem Kauf dennoch von Callcentern wegen der Kundenzufriedenheits-Abfrage kontaktiert.
  • Automobilverkäufer werden von der Verkaufsleitung massiv unter Druck gesetzt auch die Bestandskunden weiterhin telefonisch zu kontaktieren die keine oder eine Datenschutz-Einwilligungserklärung mit Sperrung des Telefonkanals haben
  • Automobilverkäufer setzen die „Kreuze“ auf den jeweiligen Kanälen der Datenschutz-Einwilligungserklärung ohne explizite Einwilligung des Kunden bzw. ohne dessen Wissen (nachträglich) um der Diskussion mit Vorgesetzten zu entgehen.
  • Autoverkäufer dürfen keinen Hinweis auf fehlende Datenschutz-Einwilligungserklärung in das Kunden-Kontaktmanagement eintragen um den nicht erfolgten Anruf rechtfertigen zu können.
  • Verkaufsleiter beschwichtigen Einwände der Verkäufer zum Kontaktverzicht mit Kunden die keine aktuelle Datenschutz-Einwilligungserklärung haben, mit vielen blumigen (Aus-)Reden – ein explizites Schriftstück der Verkaufsleitung an den Verkäufer das Gesetz zu ignorieren und Bestandskunden ohne Datenschutz-Einwilligung zu kontaktieren, bleibt allerdings aus (warum wohl…).
  • Automobilverkäufer die sich an das Gesetz halten, kommen aufgrund der extrem wenigen Kundenkontakte immens unter Einkommensdruck und knicken oftmals irgendwann ein, sie verstoßen gegen das geltende Gesetz um ihre monetäre Grundversorgung überhaupt noch zu realisieren.
  • Die hohe Fluktuation bei den Gebietsverkäufern ist u.a. auf die geringe Menge an vorhandenen Datenschutz-Einwilligungserklärung der Bestandskunden zurückzuführen, da der Gebietsverkäufer somit lediglich wählen kann ob er wenig bis gar keinen Kundenkontakt hat und somit nichts verkauft oder gegen das geltende Gesetz verstößt.
  • Neue Verkäufer werden nicht auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs hingewiesen und Nachwuchsverkäufer werden im Rahmen ihrer Ausbildung weder auf das Gesetz hingewiesen noch sensibilisiert.
  • Kein Hersteller hat seinen Autoverkäufern ausdrücklich und explizit verboten gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs zu verstoßen.
  • Automobilverkäufer wissen nicht was für einschneidende Sanktionen und Zahlungen bei einem Verstoß drohen können.
  • Großkunden haben den Datenschutz-Einwilligungen im Autohaus widersprochen, die Nutzer der Fuhrpark-Fahrzeuge werden dennoch kontaktiert.
  • Bestandskunden „beschweren“ sich wenn ein Verkäufer sie nicht mehr kontaktiert – sie wissen nicht dass sie dies mittlerweile ausdrücklich „erlauben“ müssen, meinen eher dass der Verkäufer sie „vergessen“ hat oder es einfach nicht mehr „nötig“ hat – eigentlich ist das Gegenteil der Fall…
  • In Gewinnspielen und Sonderaktionen werden Kunden- und Interessenten-Daten ohne Datenschutz-Einwilligungserklärung erhoben und auf sämtlichen Kanälen nachgehalten.
  • Autoverkäufer die sich an das Gesetz halten, erleben es, dass andere Verkäufer den kompletten Bestandskundenstamm oder potentielle Bestandskunden durchtelefonieren (=Fishing).
  • Vertreter von Großniederlassungen holen keine Datenschutz-Einwilligungserklärung für ihre selbstverwalteten Bereiche (Werkstatt, Teilevertrieb).
  • Viele Autoverkäufer sind irrtümlich immer noch im Glauben dass eine telefonische Datenschutz-Einwilligungserklärung ausreicht bzw. genügt.
  • Outbound-Callcenter kontaktieren Bestandskunden ohne Rücksicht auf bestehende Einschränkungen in der Datenschutz-Einwilligungserklärung bzw. Nichtvorhandensein einer Datenschutz-Einwilligungserklärung

Dies ist lediglich ein kleiner und sicherlich nicht repräsentativer Ausschnitt aus der deutschen Autohauswelt zum derzeitigen Umgang mit dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG).

Traurig aber leider wahr!